Stark bedrohte Arten: Die knallrote Liste

Einzigartig, unersetzlich - und womöglich schon bald verschwunden. Die Weltnaturschutzunion hat eine Liste der 100 am stärksten bedrohten Arten der Welt veröffentlicht. Fast alle der sterbenden Exoten sind durch Menschen in Gefahr geraten.

Bedrohte Exoten: Faszinierend, einzigartig, unersetzlich Fotos
Frank Gaw

London - Was haben das Sumatra- und das Java-Nashorn, die chinesische Baishan-Tanne und der Zagros-Molch gemeinsam? Sie alle stehen kurz vor dem Aussterben - und von vielen dieser Arten ist noch nicht einmal bekannt, wie viele Exemplare überhaupt noch existieren.

Forscher haben jetzt im Auftrag der Weltnaturschutzunion (IUCN) die 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Erde auf einer Liste ("Priceless or worthless?") zusammengefasst. "Alle hier gelisteten Arten sind einzigartig und unersetzlich, wenn sie verschwinden, kann kein Geld der Welt sie zurückholen", warnt Ellen Butcher von der Zoological Society of London (ZSL), eine Co-Autorin der Liste. Noch bestehe die Chance, die bedrohten Arten zu retten - wenn man sofort handle, so die Forscher.

Erfolgsgeschichten wie die vom Przewalski-Pferd oder dem Buckelwal zeigten, dass gezielte Maßnahmen Arten vor dem fast schon sicheren Aussterben retten können. Das aber erfordere ein Umdenken. Die Gesellschaft müsse begreifen, dass auch vermeintlich nutzlose Arten ein Existenzrecht besäßen, so Butcher.

"Massenaussterben auf der Erde"

Die Liste ist natürlich nicht zuletzt eine Aktion im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit - denn viele besonders gefährdete Arten sterben wohl aus, bevor sie jemals entdeckt werden und auf der Liste landen könnten. "Die 100 Arten auf dieser Liste sind symptomatisch für das globale, menschenverursachte Massenaussterben, das derzeit auf der Erde wütet", sagt auch Volker Homes von der Umweltschutzorganisation WWF.

Zusammengestellt wurde die Liste der 100 am meisten bedrohten Pflanzen, Tiere und Pilzarten von mehr als 8000 Wissenschaftlern der IUCN. Die Organisation gibt auch jährlich die Rote Liste gefährdeter Arten heraus. Auf der neuen Liste stehen nun Arten aus 48 Ländern. Zu den Säugetieren auf der Liste gehören das Zwergfaultier Bradypus pygmaeus, das nur noch auf einer kleinen Insel vor der Küste von Panama vorkommt, der in China lebende Hainan-Gibbon (Nomascus hainanus), von dem nur noch weniger als 20 bekannte Exemplare existieren, oder die als asiatisches Einhorn bekannte Saola-Antilope (Pseudoryx nghetinhensis).

Neben vielen Fröschen und Kröten finden sich auch Reptilien, Fische und Vögel auf der Liste, wie die Indische Riesentrappe (Ardeotis nigriceps). Nahezu alle auf der Liste stehenden Arten seien durch den Menschen in Gefahr geraten, berichten die Forscher. Meist wurde ihr Lebensraum zerstört, indem beispielsweise der Wald gerodet, ein Fluss aufgestaut oder Feuchtgebiete trockengelegt wurden.

Einige Arten werden jedoch auch bereits als Opfer des Klimawandels gelistet, wie der Galápagos-Riffbarsch, von dem nicht bekannt ist, ob es überhaupt noch lebende Exemplare gibt. Auch für die nur auf einer Insel der Seychellen vorkommende Schneckenart Moominia willii geben die Wissenschaftler als Hauptbedrohung den Klimawandel und die Verdrängung durch invasive Arten an.

"Diese 100 Arten sprechen für sich: Sie sind schön, faszinierend, einzigartig und ungewöhnlich", kommentiert John G. Robinson von der Science Wildlife Conservation Society die jetzt veröffentlichte Liste. Jede dieser Arten sei Ausdruck der Vielfalt der Natur und repräsentiere eine evolutionäre Lösung für ganz spezielle Umweltbedingungen. "Wir schulden es uns selbst und ihnen, auf diesem Planeten Raum für sie alle zu finden", sagt Robinson.

chs/dapd

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Wachstum
lattus 11.09.2012
Solange das ungezügelte, ausbeutende Wachstum in der Wirtschaft staffindet - egal! Uns gehts super! Aber das logische Ende kommt - dann doppelt schlimm!
2.
Klopsdrops 11.09.2012
Zitat von lattusSolange das ungezügelte, ausbeutende Wachstum in der Wirtschaft staffindet - egal! Uns gehts super! Aber das logische Ende kommt - dann doppelt schlimm!
Das Wachstum der Wirtschaft hat aber eine entscheidende Ursache, nämlich das Wachstum der Bevölkerung weltweit. Wir bräuchten 4 Planeten, damit alle 7 Milliarden Menschen auf der Welt so leben könnten wie wir. Wir haben aber nur einen. Das Problem der Überbevölkerung muss in den Griff bekommen werden, sonst ist irgendwann für alle Schluss. Eine rechtsstaatliche oder demokratische Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, gibt's aber nicht. Muss sich jeder seine eigenen Gedanken drüber machen, welche Lösungsmöglichkeiten dafür zur Verfügung stehen. Die gesetzliche Ein-Kind-Politik der Chinesen ist da noch die humanste Art, die einem einfallen kann und selbst das ist nur in einer Diktatur möglich.
3. 99%
günter1934 11.09.2012
Mindestens 99% aller jemals auf der Erde lebenden Tier- und Pflanzenarten sind bereits ohne Zutun des Menschen ausgestorben. Man nennt das Evolution. Und ob der Hainan-Gibbon und die Saola-Antilope wirklich ein "unersetzlicher Verlust" für die Menschheit ist, wage ich zu bezweifeln. Massenaussterben hat es in der Erdgeschichte schon häufig gegeben und Gaja hat sich immer wieder berappelt. Massenaussterben (http://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben)
4.
globulli 11.09.2012
Zitat von günter1934Mindestens 99% aller jemals auf der Erde lebenden Tier- und Pflanzenarten sind bereits ohne Zutun des Menschen ausgestorben. Man nennt das Evolution.
Sau stark. Das musste einfach hier zu finden sein. Also, wenn dir morgen dein Nachbar die Birne einhaut, ist das auch Evolution...? Nicht übel. Wir evolutionieren (sorry für den Wortspagat) uns quasi wieder zurück. Typen wie du laufen wohl in ein paar Jahren wieder ohne Klamotten auf Bäumen rum. Oder gar nicht mehr, weil wir uns als Superspezies selber ausgelöscht haben, WEIL wir vorher ja den ganzen Rest wegevolutioniert :DD haben. Evolution sich auch kognitiv manifestieren. Denk (!) mal drüber nach...wenn´s geht.
5. @guenter1934
strayboy 11.09.2012
Sie machen den den weitverbreiteten Fehler evolutionaere und oekologische Zeitskalen zu verwechseln. Die Massenaussterben in der Erdgeschichte zogen sich oft ueber Hunderttausende oder sogar Millionen von Jahren hin. Ueber solche Zeitraeume koennen auch eine Vielzahl von evolutionaeren Anpassungen geschehen. Die heutzutage geschehende Ausloeschung von Arten ist keine Evolution, da die Arten keine Gelegenheit haben sich genetisch an die neuen Bedingungen anzupassen (ausser Viren und Bakterien und machen Einzellern vielleicht). Und wie wuerden sie entscheiden, welche Art ein unersetzlicher Verlust ist? Auf welche oekologische Theorie oder empirische Erkenntnisse gruendet sich ihr Zweifel?
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