Rote Liste 23.000 Arten sind vom Aussterben bedroht

Die Weltnaturschutzunion hat ihre Rote Liste aktualisiert. Neben bekannten Arten wie dem Löwen enthält sie allein 44 neue Pflanzenarten. Sie alle werden als Heilpflanzen genutzt und sind deshalb bedroht.

IUCN/ A. Rivas

Die Rote Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen ist trotz einiger Schutz-Erfolge wieder länger geworden. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat sie um mehrere Hundert Arten von gut 22.400 auf knapp 22.800 erweitert. Auf ihre Gefährdung untersucht wurden mehr als 77.000 Arten, im Vorjahr waren es 74.000. Demnach ist der prozentuale Anteil in etwa konstant geblieben. Die Rote Liste gilt als wichtiger Indikator für den Zustand der Natur.

Gründe für die kritische Situation einzelner Pflanzen und Tiere seien in vier von fünf Fällen der Verlust und die Verarmung des Lebensraums, der illegale Handel und die Verdrängung durch andere Arten, berichtet die IUCN. Auch das viel zu intensive Sammeln von Pflanzen für medizinische Zwecke spiele eine unrühmliche Rolle. Nähere Informationen zu einzelnen Spezies auf der Roten Liste finden Sie in unserer Fotostrecke.

Löwenknochen als Medizin

Unter den Tieren hat sich laut IUCN unter anderem die Situation der Afrikanischen Goldkatze und des Neuseeländischen Seelöwen deutlich verschlechtert. Auch die Löwen-Bestände seien trotz einiger Schutz-Erfolge im südlichen Afrika im Westen und Osten des Kontinents deutlich zurückgegangen.

Zu den Gründen zählten Konflikte mit Siedlern und Bauern sowie ein Rückgang bei den Beutetieren durch übermäßige Jagd. Eine zunehmende Gefahr für den Löwen sei auch der Handel mit Knochen und anderen Körperteilen für medizinische Zwecke. In der Region und auch in Asien werde Medizin aus Teilen des Löwen geschätzt.

Bedrohte Orchideen

Unter den Pflanzen sind den Angaben zufolge fast alle der 84 Frauenschuharten in den asiatischen Tropen bedroht. Zwar stünden die Orchideen unter dem Artenschutz-Abkommen Cites. Aber mangels strafrechtlicher Verfolgung blühe der illegale Handel, heißt es. Auch wenn es die Pflanzen in künstlichen Kulturen gebe, bedeute ihr Verlust in der Wildnis eine erhebliche Verarmung für die genetische Vielfalt.

Außerdem hat die IUCN 44 als medizinisch wirksam geltende Pflanzen aus Indien auf die Rote Liste aufgenommen. Sie alle wurden als bedroht eingestuft. Ihre Wurzeln und Knollen würden in großen Mengen in der Ayurvedischen Medizin und in der Homöopathie eingesetzt. Die Liste müsse ein Weckruf sein, der an die zunehmende Verwundbarkeit der Natur erinnere, sagte IUCN-Direktorin Inger Andersen.

Iberische Luchse kehren zurück

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Zu den Erfolgsgeschichten zählt die Organisation die Entwicklung beim Iberischen Luchs. Dessen Bestand habe sich binnen zehn Jahren auf 150 erwachsene Tiere verdreifacht. Die IUCN stufte die Art vom Status "vom Aussterben bedroht" auf "gefährdet".

Noch besser hat sich die Population der Guadalupe-Seebären entwickelt. Von nur wenigen Hundert Exemplaren in den Fünfzigerjahren hätten sich die Bestände im südlichen Kalifornien heute auf 20.000 erhöht. Die Art gilt somit als nicht gefährdet. Die neue Rote Liste bestätige, dass wirksamer Schutz außerordentliche Ergebnisse hervorbringe, sagte IUCN-Direktorin Inger Andersen.

jme/dpa



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Seite 1
greekchimera 23.06.2015
1. wo ist das Problem
Jetzt da überall unnötig diese Safe The Bees-Kampagnen starten, wobei der Verursacher eh schon mit Monsanto und deren geklonten Nahrungsmitteln bekannt ist, können diese doch auch gleich alle Tiere klonen und so vor dem Aussterben beschützen. Wir raffgierigen Menschen sind an dem Massensterben Schuld. Geld regiert die Welt und nach mir die Sinnflut
artis 23.06.2015
2. und wir gucken alle zu
das ist ein Verbrechen ungeheuerlichen Ausmaßes. Die Globalisierung gibt der Erde jetzt den Rest.
wintergreen 23.06.2015
3. Rodung, Abholzung, Verdrängung des Lebensraums
...in vier von fünf Fällen! Wieso wird uns dann immer gesagt, es würde aufgeforstet, die Waldflächen eütfrn zunehmen, usw? Alles gelogen! Schade um diesen schönen Planeten mit seiner grossen biologischen Vielfalt! Was wird unseren Kindern und Kindeskindern bleiben, wenn es so weitergeht? Die Fruchtbarkeit von Pflanzen, Tier und Mensch nimmt seit längerer Zeit ab, ein Phänomen, das jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, beobachten kann. Die 1- oder 0-Kind-Politik, die zur Eindämmung der übermässigen Reproduktion des Menschen nötig ist, wird der Organismus Erde, zu dem der Mensch trotz seiner Hybris gehört, von selbst in Gang setzen.
cindy2009 23.06.2015
4. Fragen
Zitat von greekchimeraJetzt da überall unnötig diese Safe The Bees-Kampagnen starten, wobei der Verursacher eh schon mit Monsanto und deren geklonten Nahrungsmitteln bekannt ist, können diese doch auch gleich alle Tiere klonen und so vor dem Aussterben beschützen. Wir raffgierigen Menschen sind an dem Massensterben Schuld. Geld regiert die Welt und nach mir die Sinnflut
Was sind geklonte Nahrungsmittel und was hat Monsanto damit zu tun?
ilek 23.06.2015
5.
Zitat von wintergreen...in vier von fünf Fällen! Wieso wird uns dann immer gesagt, es würde aufgeforstet, die Waldflächen eütfrn zunehmen, usw? Alles gelogen! Schade um diesen schönen Planeten mit seiner grossen biologischen Vielfalt! Was wird unseren Kindern und Kindeskindern bleiben, wenn es so weitergeht? Die Fruchtbarkeit von Pflanzen, Tier und Mensch nimmt seit längerer Zeit ab, ein Phänomen, das jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, beobachten kann. Die 1- oder 0-Kind-Politik, die zur Eindämmung der übermässigen Reproduktion des Menschen nötig ist, wird der Organismus Erde, zu dem der Mensch trotz seiner Hybris gehört, von selbst in Gang setzen.
weil: 1. Man das auf die Region beziehen muss. In den meisten Teilen der Welt wird weiterhin nicht nachhaltiger Waldbau betrieben. In DE und anderen Teilen Europas aber schon. Die Waldfläche hat in DE sogar tatsächlich und nachweisbar zugenommen (zu Lasten der Landwirtschaftfläche). Unter anderen eine Folge der vielen Ausgleichs und Ersatzmaßnahmen. 2. Lebensraum und insbesondere bedrohter nicht immer gleich Wald ist. In DE z.B. sind die Wälder vergleichsweise artenarm, bzw. die Arten die typischerweise im Wald vorkommen, sind gar nicht selten (Großtiere wie Luchs, Wildkatze, Wolf, Bieber) mal ausgenommen. Die Mehrzahl der bedrohten Arten leben eher in Gebieten wie Trockenrasen, Feuchtwiesen, Heiden, Mooren usw. aber auch diese Flächen nehmen in letzter Zeit wieder zu. Das führt sogar soweit dass diskutiert wurde (in RLP z.B.) von manchen Wiederaufforstung abzusehen. Bisher hat man wenn irgendwo wegen einer Baumaßnahme Wald gerodet wurde an anderer Stelle aus landwirtschaftflächen Wald aufgeforstet. Wald haben wir aber wieder genug und deshlab sollten die Flächen nun stärker zu Arten von Grünland werden. "Schade um diesen schönen Planeten mit seiner grossen biologischen Vielfalt! Was wird unseren Kindern und Kindeskindern bleiben, wenn es so weitergeht? Die Fruchtbarkeit von Pflanzen, Tier und Mensch nimmt seit längerer Zeit ab, ein Phänomen, das jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, beobachten kann. Die 1- oder 0-Kind-Politik, die zur Eindämmung der übermässigen Reproduktion des Menschen nötig ist, wird der Organismus Erde, zu dem der Mensch trotz seiner Hybris gehört, von selbst in Gang setzen." Irgendwie unlogisch, wieso sollte die Unfruchtbarkeit dann alle Organismen betrffen und nicht nur den der sich "fehlverhält"? Wieso geht die Fruchtbarkeit beim Menschen zurück? Zur Demografie passt das jedenfalls nicht: Weltweit ist das Gegenteil der Fall und in DE/IT/ES usw. haben die Geburtenrückgänge soziale Ursachen, keine biologischen.
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