Ungesunde Delikatesse: Kommission warnt vor dem Verzehr von Walfleisch
Die Ureinwohner Grönlands wollen mehr Wale jagen; auch Südkorea plant, in den Walfang einzusteigen. Dabei ist das Fleisch der Tiere mit Schadstoffen belastet. Die Internationale Walfangkommission warnt sogar: Der Verzehr schadet der Gesundheit.
Panama-Stadt - Die Waljagd ist international umstritten, doch nach wie vor gilt das Fleisch der Tiere in einigen Staaten als Delikatesse. Nun warnt die Internationale Walfangkommission (IWC) offiziell vor dem Verzehr des Fleisches. Es sei mit Schadstoffen belastet und eine Gefahr für die Gesundheit, heißt es in der Resolution, die auf Initiative von Deutschland gestern auf der IWC-Jahrestagung verabschiedet wurde.
Deutschland fordert, dass mehr Menschen von den Gesundheitsrisiken erfahren, die der Verzehr des Fleisches birgt: "Wichtig ist, dass die Konsumenten in den Walfangländern über die Risiken aufgeklärt werden," sagt der deutsche IWC-Kommissar Walter Dübner vom Bundesministerium für Verbraucherschutz. "Das gilt vor allem für Schwangere, Kinder und ältere Menschen."
Mit der Initiative richtet sich die IWC auf neuen Wegen gegen die Walfangnationen. "Tier- und Artenschutzargumente haben die Walfangländer bislang nicht von ihrer Jagd abgehalten", sagt Sandra Altherr, Biologin bei der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. "Aber den Warnungen der Mediziner können sich die Regierungen in den Walfangländern nicht länger verschließen."
Bereits vor zwei Jahren hatte Pro Wildlife zusammen mit der Schweizer Artenschutzorganisation OceanCare den Bericht "Toxic Menu" veröffentlicht, in dem Schadstoffe wie PCB, Quecksilber und DDT-Rückstände im Fleisch der Wale nachgewiesen werden. Nach Ansicht Altherrs sollte sich nun auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Fleisch der Tiere beschäftigen.
Grönland will trotzdem mehr Wale fangen
Trotz der Gesundheitsrisiken kündigte Südkorea erst vergangenen Mittwoch an, wieder Wale fangen zu wollen. Beamte des südkoreanischen Fischereiministeriums sagten, der geplante Walfang diene nur der Forschung über Fischarten und -mengen, von denen sich Wale ernähren. Südkorea habe noch nicht entschieden, was nach dem Fang mit dem Walfleisch geschehen solle. Das Ministerium kündigte an, die Pläne aufzugeben, sollte die IWC sie ablehnen.
Dänemark forderte für die Ureinwohner Grönlands lockere Auflagen. In Grönland werden derzeit jährlich 211 Wale gefangen. Zukünftig sollten es zehn Wale pro Jahr mehr sein, doch der Antrag der Dänen wurde gestern mit 25 zu 35 Stimmen abgelehnt.
Walschützer zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden. "Es ist schockierend, dass Walfleisch in grönländischen Restaurants als Sushi, Carpaccio oder mit Tagliatelle in Tomatensauce gezielt an Touristen verkauft wird", sagt Altherr. Dies widerspreche einer Selbstversorgung von Ureinwohnern. "Es ist klare Geschäftemacherei mit streng geschützten Tieren."
Aus Delegationskreisen heißt es, dass die alte Walfangquote für Dänemark nur noch dieses Jahr gilt. Die Genehmigung der Jagd auf Grönlandwale für Ureinwohner in Alaska und Russland sowie für St. Vincent und die Grenadinen in der Karibik hat die IWC dagegen bereits am Dienstag um sechs Jahre verlängert.
jme/dpa/dapd
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