Jagd auf Affenfleisch: Hunderte Orang-Utans auf Borneo getötet

Es ist ein Konflikt zwischen Tier und Mensch mit tödlichem Ausgang: Auf der Insel Borneo haben Einwohner 2011 Hunderte Orang-Utans getötet. Wie eine Umfrage ergab, werden die meisten Affen getötet, um die wertvollen Plantagen zu schützen. Doch es gibt auch banale Gründe mit fatalen Folgen.

Orang-Utan: Agrarlobby treibt bedrohte Tiere in die Enge Zur Großansicht
Simone Utler

Orang-Utan: Agrarlobby treibt bedrohte Tiere in die Enge

Jakarta - Dorfbewohner auf der indonesischen Seite der Insel Borneo haben binnen eines Jahres 750 Orang-Utans getötet. Das geht aus einem neuen Untersuchungsbericht hervor, den die Zeitschrift "PLoS One" jetzt veröffentlicht hat. Ein Teil der von Aussterben bedrohten Menschenaffen sei getötet worden, um Pflanzungen zu schützen. Andere wurden wegen ihres Fleisches gejagt, wie es in dem Bericht heißt.

In Indonesien leben 90 Prozent der verbliebenen 50.000 bis 60.000 Orang-Utans. Der Inselstaat war noch bis vor 50 Jahren von dichten Regenwäldern bedeckt. Die Hälfte der Bäume ist aber seitdem abgeholzt worden, um den Weltmarkt mit Papier, Zellstoff, Bauholz und neuerdings Palmöl zu versorgen. In der Folge geraten immer mehr der Affen in - für sie oft tödlichen - Konflikt mit Menschen.

Erik Meijard, einer der Autoren des Berichts, hob jedoch hervor: "Unsere Untersuchungen zeigen auch, dass Orang-Utans tief in bewaldeten Regionen genau wie andere Arten gejagt werden."

2008/2009 wurden für die Untersuchung 6983 Personen in 687 Dörfern in drei Provinzen von Kalimantan, der indonesischen Seite Borneos, befragt. Indonesien teilt sich Borneo mit Malaysia und Brunei. Die nicht staatliche international arbeitende Organisation Nature Conservancy und 19 weitere private Organisationen, darunter der WWF und die Vereinigung indonesischer Primatenforscher, forschten gemeinsam, um die Ursachen der Jagd auf Orang-Utans zu ergründen.

Orang-Utans gehören nicht zum täglichen Speiseplan

Die Zahlen beziehen sich auf die Bevölkerung der über 15-jährigen Männer, da nur elf Fälle bekannt sind, in denen Frauen Orang-Utans töteten. Neil Makinuddin, einer der Manager von Nature Conservancy, zeigte sich überrascht darüber, wie viele der Befragten angeben, sie hätten die Primaten getötet, um ihr Fleisch zu essen. Ein Teil wurde verzehrt, nachdem man die Tiere wegen des Schutzes von Pflanzungen getötet hatte. Ein anderer Teil wurde aus Angst getötet und ein dritter auf der Jagd nach Fleisch, wie der Bericht zeigt.

Diejenigen, die die Affen wegen ihres Fleisches gejagt hatten, gaben überwiegend an, sie hätten dies nur ein bis zweimal in ihrem Leben getan. "Orang-Utans sind nicht Bestandteil ihres täglichen Speiseplans", sagte Meijard.

Ahmad Fauzi Masyhud, der Sprecher des indonesischen Forstministeriums, sagte, seinem Büro liege der Bericht noch nicht vor. Er bezeichnete ihn aber bereits als "aufgeblasen". "Wir müssen nachprüfen, ob das stimmt", sagte er. "Aber ehrlich gesagt, ich bezweifle es."

Meijard versicherte: "Wir haben verlässliche wissenschaftliche Methoden angewandt... Selbst wenn wir annehmen, dass die meisten der Befragten logen, müssen wir davon ausgehen, dass die Jagd auf Orang-Utans eine unbequeme Wahrheit ist, mit der wir uns beschäftigen müssen, wenn wir die Art erhalten wollen."

Er habe viel zu viele Orang-Utan-Schädel, Felle und abgeschlagene Hände gesehen, viel zu viele Berichte aus erster Hand von Leuten gehört, die die Affen getötet und gegessen hätten, als dass er annehmen könnte, dass das nicht geschehe.

Ali Kotarumalos, AP

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insgesamt 24 Beiträge
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1. ...
saako 15.11.2011
750 von 50-60000 Tieren, wo ist der Aufreger?
2. Text lesen?
watislos 15.11.2011
Zitat von saako750 von 50-60000 Tieren, wo ist der Aufreger?
Der steht im Text. Wenn Tiere gejagt werden weil Ureinwohner Nahrung brauchen oder es Nutztiere sind ist das ein Konflikt der nur durch Kulturen entsteht. Wenn aber Tiere in immer engere Gebiete gedrängt werden weil man bereits die Hälfte des gesamten Lebensraum für den Weltmarkt ohne jede Nachhaltigkeit abgeholzt hat und Tiere nun nicht jagt sondern schlicht tötet um Industrieplantagen zu schützen ist das ein Konflikt den wir zu tragen haben. Kein Holz, Öl, wasauchimmer aus Indonesien kaufen. Dort wird das Land sprichwörtlich verheizt. Alles abbauen was geht und am Ende steht man vor einem Scherbenhaufen. Fehlende Weitsicht und Know How zur Nachhaltigkeit kann beigebracht werden. Wenn das Wachstum so weitergeht und Tierbestände weiter schrumpfen wird sich die Problematik enorm beschleunigen.
3. Aufreger
jms55 15.11.2011
Zitat von saako750 von 50-60000 Tieren, wo ist der Aufreger?
Und warum kommt es groß in die Medien wenn mal ein paar oder ein paar hundert von 7.000.000.000 Menschen z.B. an einer Grippe oder an einem Konflikt umkommen. Nähme man Ihre "Nichtaufregungsquote" von 750 / 50.000 wäre es unkritisch wenn 105 Millionen Menschen von 7.000.000.000 umkämen!
4. faule Ausrede
karinreske 15.11.2011
Zitat von watislosDer steht im Text. Wenn Tiere gejagt werden weil Ureinwohner Nahrung brauchen oder es Nutztiere sind ist das ein Konflikt der nur durch Kulturen entsteht. Wenn aber.....
Ich sehe keinen Grund, so etwas wie das Auffressen von Affen oder Hunden mit "Kultur" zu entschuldigen, zumal es meistens nur stumpfsinniges Naturvolkgehabe derer, die zu faul sind für Landwirtschaft, ist oder Aberglaube oder eben bitterste Armut, deren Folgen man sich dann als "Kultur" schön redet, wenn man andere damit beleidigen kann. Die Chinesen sollen übrigens auch mal Babys gegessen haben, als eine "Kulturrevolution" die ohnehin magere Ernährungslage noch durch unsinnigen "Fortschritt" unerträglich gemacht hatte.
5. Die Abholzung ist das Problem
hinifoto 15.11.2011
Das Problem ist nicht, dass da einige Männer oder Frauen Affen jagen sondern dass es keinen Lebensraum mehr für die Tiere gibt. Nicht für den seltenen Sumatra Tiger, nicht für die Orang Utans, die Elefanten oder die vielen anderen Tiere auf den Inseln Indonesiens. Und auch nicht für die Menschen die seit ewig im Wald leben. Ein Wald, der ihnen Arbeit, Bauholz, Heilkräuter, Gemüse aus den sog. Waldgärten und Tiere zum Jagen bot. Damit ist jetzt Schluss. Auf Grund der Ausweitung der Palmölproduktion gibt es tausende von Landkonflikten bei denen die Bewohner beim Kampf mit den Konzernen meist den Kürzeren ziehen. Wenn man sieht, wie Internationale Konzerne hundert Kilometer lange Schneisen in den Urwald schlagen und alles Leben zugunsten von Palmölpalmen Monokulturen vernichten, werden Fragen ob es Frauen oder Männer sind, die einige wenige Tiere jagen, zu unerheblichen akademische Fragen. Weite Flächen Sumatras und Borneos (Kalimantan) sind an internationale Konzerne wie Wilmar verkauft worden. Als nächstes ist West Papua dran. Die Ausweitung der Produktion wird auch durch die Biokraftstoff Diskussion angefeuert. Dabei ist im Indonesischen Palmöl wenig Bio. Häufig werden Moorflächen abgeholzt. Die bei der Trockenlegung entstehende CO2 Mengen können auch hunderte Jahre Palmölproduktion nicht wieder ausgleichen. Indonesisches Palmöl findet sich übrigens in fast jedem Supermarkt Regal. In Produkten der Firma Unilever, die ihre Rohprodukte von Wilmar bezieht.
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Orang-Utans
Aussehen und Lebensweise
DDP
Orang-Utans werden bis zu 1,50 Meter groß, wobei ihre Arme 2,60 Meter Spannweite erreichen können. Kennzeichnend ist das bis zu 50 Zentimeter lange, rötliche Fell. Männchen bringen bis zu hundert Kilogramm auf die Waage, Weibchen bis zu 40 Kilo. Am Boden sind die Menschenaffen eher unbeholfen. Hangeln sie sich von Ast zu Ast, können sie bis zu 20 Meter weit durch die Luft fliegen. Sie fressen Früchte und Blätter sowie kleine Tiere. In Freiheit werden die Tiere bis zu 30 Jahre alt.
Zwei Arten
Die Orang-Utans bilden eine eigene Gattung (Pongo) mit zwei Arten: Borneo- und Sumatra-Orang-Utans. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gibt es noch 55.000 Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) und etwa 6000 Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii). Die beiden unterscheiden sich genetisch stärker voneinander als Mensch und Schimpanse. Äußerlich allerdings sind die Unterschiede weniger augenfällig: Generell ist bei den Orang-Utans aus Borneo das Gesicht etwas runder. Bei denen aus Sumatra ist das Fell länger, dichter und orangefarbener. Auch im Sozialverhalten unterscheiden sich die beiden Arten: So schließen sich weibliche Sumatra-Orang-Utans zu Zeiten, in denen es reichlich Früchte gibt, schon mal zu kleinen Gruppen zusammen, während die Verwandten auf Borneo fast immer ein Einzelgängerdasein vorziehen.
Lebensraum
Der Lebensraum der Orang-Utans schrumpft täglich - auf Borneo sowie auf Sumatra. "Das Schicksal der Orang-Utans hängt von nachhaltigen Wäldern ab, der Wald muss geschützt werden" - das sagte Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono 2007. Trotzdem: Während der Waldschwund sich in aller Welt verlangsamt, sind in Indonesien laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO in den vergangenen fünf Jahren jährlich 665.000 Hektar abgeholzt worden - doppelt so viel wie in den fünf Jahren davor.

Quelle: Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Bedrohung
Die Hauptbedrohung ist die Waldrodung, vor allem für Palmölplantagen. Solche Monokulturen bieten den Affen keinen Lebensraum, sie finden nicht das nötige Futter. Außerdem werden immer wieder erwachsene Orang-Utans erschossen - die Babys landen auf dem Haustiermarkt. Trotz eines stolzen Schwarzmarktpreises von rund tausend Dollar und drohenden Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren finden die putzigen Tierkinder immer noch Abnehmer.
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