Jährliches Schlachten Japan eröffnet Jagd auf Delfine

Der mit einem Oscar ausgezeichnete Film "Die Bucht" brachte die blutige Jagd zu trauriger Berühmtheit: Jährlich werden in Japan Hunderte Delfine im Meer zusammengetrieben und getötet. Die Jagdsaison 2014 hat gerade begonnen, berichten Tierschützer.

Delfinjagd in einer Bucht bei Taiji (Januar 2014): Lukratives Geschäft
AP/ Sea Shepherd Conservation Society

Delfinjagd in einer Bucht bei Taiji (Januar 2014): Lukratives Geschäft


Im japanischen Walfangort Taiji sind nach Angaben von Tierschützern die ersten Delfine in der neuen Jagdsaison geschlachtet worden. Wie die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd über den Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Namen @CoveGuardians mitteilte, seien zunächst acht bis neun Risso-Delfine, darunter ein Jungtier, getötet worden. Später schrieb die Organisation von vier weiteren getöteten Risso-Delfinen, auch Rundkopfdelfine genannt, und vier nun mutterlosen Kälbern, die zurück ins Meer beworfen worden seien.

Die Aktivisten berichten live von einer Bucht, wo Taijis Fischer alljährlich Delfine zusammentreiben. Die schönsten Exemplare werden im Auftrag von Delfinarien im In- und Ausland aussortiert. Die übrigen werden in einer Nachbarbucht abgeschlachtet.

Der Ort war durch den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm "Die Bucht" über das Gemetzel zu trauriger Berühmtheit gelangt. Die alljährlich zwischen September und März stattfindende Jagd auf die Delfine stößt auf weltweite Empörung. Japan verteidigt das Treiben damit, dass dies zur japanischen Esskultur gehöre und "historische Tradition" habe. Tatsache ist aber auch, dass die meisten Japaner kaum Delfine essen.

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Delfinjagd: Das große Schlachten
Umweltschützer und die Internationale Walfangkommission (IWC) verweisen zudem immer wieder darauf, dass das Fleisch von Walen und Delfinen hochgradig mit Quecksilber belastet sei. Dennoch geht die Jagd auf die Delfine weiter: Zum einen sehen die Fischer Delfine als Konkurrenten, da sie Fisch fressen. Zum anderen lockt das lukrative Geschäft mit den lebenden Tieren für die Delfinarien in aller Welt.

Ringen um besseren Schutz für Meeressäuger

Derweil ringt die Internationale Walfangkommission auf ihrer Vollversammlung im slowenischen Portoroz um einen besseren Schutz der Meeressäuger. Am Dienstag hat die Organisation ihr Schutzmonopol für Wale und Delfine aufgegeben. In Zukunft sollen auch andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (Uno) sich für den Schutz einsetzen dürfen.

Tierschützer lobten den von Monaco vorgeschlagenen Beschluss, weil damit besonders Kleinwale besser geschützt werden könnten. Die IWC habe sich bisher nur mit 17 Großwalarten beschäftigt, während weltweit 81 Wal- und Delfinarten existierten. Die alle zwei Jahre organisierte Vollversammlung der IWC, der fast 90 Staaten angehören, dauert noch bis Donnerstag.

Hauptstreitpunkt ist die Ankündigung Japans, den Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken wieder aufzunehmen. Die EU, die USA und sechs weitere Länder protestierten zudem scharf gegen das Vorgehen Islands. Der Staat habe seit 2009 jährlich weit über 120 Finnwale erlegt, obwohl es in den zwei Jahrzehnten zuvor nur sieben pro Jahr gewesen waren.

Die IWC hatte 1986 den kommerziellen Walfang verboten. Japan setzte mit Hilfe des juristischen Schlupflochs der wissenschaftlichen Erforschung die Jagd fort. Island und Norwegen betreiben ungeachtet des Moratoriums kommerziellen Walfang.

jme/dpa



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