Jagd-Fund Uralte Harpune in totem Wal entdeckt

Jäger haben vor der Küste Alaskas einen Grönlandwal erlegt, in dessen Fleisch die Spitze einer Harpune aus dem späten 19. Jahrhundert steckte. Der überraschende Fund gibt Forschern die seltene Gelegenheit, das Alter des Riesen zu bestimmen.


Boston - "Kein anderer Fund kann so präzise bestimmt werden", sagte John Bockstoce, Kurator des New Bedford Whaling Museums in Massachusetts. In dem 15 Meter langen und 45 Tonnen schweren Grönlandwal, getötet vor Alaska, steckte ein 12,7 Zentimeter langes Harpunenfragment - dessen Alter Bockstoce relativ genau feststellen konnte.

Das Geschossfragment befand sich im Walspeck und war entdeckt worden, als Jäger das Tier mit Kettensägen zerlegten. Es handelt sich um eine Harpunenspitze, die einst mit Sprengstoff gefüllt war und sehr wahrscheinlich in New Bedford hergestellt wurde. Die Region war am Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Waljagd.

Die Harpune sei um das Jahr 1890 mit einem schweren Schultergewehr abgefeuert worden, sagte Bockstoce. Der Sprengstoff sei mit einem Zeitzünder zur Explosion gebracht worden. Offensichtlich habe die Harpune den Wal jedoch nicht ernsthaft verletzt. "Es kann nicht so schlimm gewesen sein, denn der Wal hat noch über hundert weitere Jahre gelebt." Der Wissenschaftler schätzt sein Alter auf 115 bis 130 Jahre.

Die Altersbestimmung bei Walen ist nicht einfach. Meist beruht sie auf der Untersuchung von Aminosäuren aus der Augenlinse des Meeressäugers. Wale können bisherigen Erkenntnissen zufolge etwa 200 Jahre alt werden.

Getötet wurde das Tier im Mai mit einer ähnlichen Harpune wie jener, die ihn vor mehr als hundert Jahren verletzt hatte. Die Jäger kamen aus einem von zehn Dörfern in Alaska, denen die Internationale Walfangkommission die Jagd auf 255 Wale innerhalb von fünf Jahren zugestanden hat.

"Es ist ungewöhnlich, alte Gegenstände in Walen zu finden", sagte Craig George, Meeresbiologe vom North Slope Borough Department of Wildlife Management. Er war der erste Wissenschaftler, der den Fund begutachtet hatte. "Ich wusste sofort, dass es wegen seiner Form ein sehr alter Gegenstand sein musste."

1980 hatten Waljäger nahe St. Lawrence Island einen ähnlichen Fund in einem Meeresbewohner gemacht. Damals war das Harpunenstück nicht eingehender untersucht worden. Nun hat sich Museumskurator Bockstoce das Fundstück aus den achtziger Jahren schicken lassen, um es mit dem neuen zu vergleichen.

hda/AP



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