07. Dezember 2012, 16:34 Uhr

Ungewöhnlicher Jagdwettbewerb

Florida setzt Kopfgeld auf Tigerpythons aus

Von Thomas Wagner-Nagy

Aus Asien stammende Tigerpythons bedrohen die Tierwelt in den Everglades. Nun sagt der US-Bundesstaat Florida den Reptilien den Kampf an. Die Bevölkerung soll sie fangen und töten. Dafür starten die Behörden einen Jagdwettbewerb mit Preisgeldern und der Option auf Schlangenledertaschen.

Meterlange Tigerpythons schlängeln sich durch die Wildnis Floridas. Die Riesenschlangen fressen Vögel, Opossums, Waschbären und machen nicht einmal vor Luchsen halt. Um die aus Asien eingeschleppten Reptilien zu dezimieren, mobilisiert die staatliche Naturschutzkommission Floridas jetzt die Bevölkerung und startet einen ungewöhnlichen Jagdwettbewerb: Hobbyjäger sollen die Tigerpythons in den sumpfigen Everglades einfangen.

Ziel der "Python Challenge 2013" ist es, das öffentliche Bewusstsein dafür zu schärfen, dass der Tigerpython die Tierwelt und das Ökosystem der Everglades bedroht, wie die Veranstalter auf der Webseite des Projekts schreiben. Dabei sollen die Bewohner der Region dazu ermuntert werden, die Schlangen einzusammeln.

Gleichzeitig richten sich die Organisatoren auch an Schlangenfreunde und klären über eine sichere Haltung der Reptilien auf. Vermutlich waren es nämlich als Haustiere gehaltene Tigerpythons, die Ende der siebziger Jahre in Florida aus Terrarien entwischt waren oder illegal ausgewildert wurden und sich in den Everglades rasant ausbreiteten. Das flache Sumpfland im Süden des Bundesstaats bietet den Reptilien ideale Lebensbedingungen. Im vergangenen Sommer erst hatten Wissenschaftler dort einen kolossalen Python von knapp fünfeinhalb Metern Länge gefangen.

Der ungewöhnliche Jagdaufruf teilt sich in zwei Disziplinen: ein Wettbewerb ist für jedermann und einer für ausgewiesene Python-Experten mit entsprechender Lizenz. In beiden Kategorien winken dem Teilnehmer, der die meisten Tigerpythons erlegt, ein Preisgeld von 1500 Dollar. Wer den längsten Python bei einer der Sammelstellen abgibt, bekommt 1000 Dollar. Zusätzlich wird noch ein dritter Preis unter allen Teilnehmern verlost.

Wer will, kann die Haut seines erlegten Pythons als Trophäe behalten oder gegen einen Aufpreis zu einer Tasche oder anderen Accessoires verarbeiten lassen. Statt draufzuzahlen, kann die Beute aber auch zu Bargeld gemacht werden: Ein Hersteller von exotischen Lederprodukten zahlt für Häute von Pythons über drei Metern Länge zwischen 80 und 100 Dollar, ist auf der Webseite des Projekts zu lesen.

Kein maßloses Töten

Jeder Teilnehmer muss im Vorfeld ein Training absolvieren, in dem vermittelt wird, wie die Tigerpythons zu fangen und zu töten sind. Nur Tigerpythons und keine anderen Arten dürfen gejagt werden und das auch nur in bestimmten Gebieten. Überfahrene Tiere werden nicht gewertet. Wer zudem eine heimische Schlange erlegt oder Bilder von grausamen Tötungsaktionen auf sozialen Netzwerken veröffentlicht, wird disqualifiziert.

In den vergangenen zehn Jahren wurden bereits 1800 Pythons aus den Everglades entfernt. Die systematische Suche nach ihnen ist aber aufwendig und teuer. Durch die Unterstützung der Bevölkerung erhoffen sich die Organisatoren Aufwind im schwierigen Kampf gegen die fremde Art. "Es ist sehr schwierig, diese Tiere zu finden, und wir haben keine wirklich gute Strategie, um die Population im Zaum zu halten", sagte Linda Friar, Sprecherin des Everglades-Nationalparks, dem Fernsehsender CNN. Dies sei ein Pilotprojekt, um zu sehen, ob man auf diese Art öffentliches Interesse gewinnen und die Schlangen mit Hilfe der Anwohner in bestimmten Gegenden bejagen könne.

Ob die ungewöhnliche Aktion ein Erfolg wird, hängt letztlich davon ab, zu welcher Art von Zwischenfällen es kommt. So leben in der Jagdzone auch Giftschlangen wie die gefürchtete Diamant-Klapperschlange, die für unerfahrene Teilnehmer gefährlich sein könnten.

Aber auch die Pythons selbst sind nicht ungefährlich. Als Würgeschlangen besitzen sie zwar kein Gift, können aber problemlos erwachsene Menschen erwürgen, wenn diese ihnen achtlos zu nahe kommen. Zudem besteht trotz des Trainings die Gefahr von Verwechslungen, wodurch auch seltene heimische Schlangen den Hobbyjägern zum Opfer fallen könnten.


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