Seltenes Phänomen Kirschbäume blühen in Japan viel zu früh

Die Kirschblüte hüllt Japan in zartes Rosa - normalerweise im Frühjahr. Dieses Jahr blühen die Bäume allerdings auch mitten im Herbst. Das liegt weniger an den Temperaturen, sondern an einem anderen Wetterextrem.

Herbstliche Blütenpracht von Kirschbäumen 2014 (Archivbild)
Getty Images/ The Asahi Shimbun

Herbstliche Blütenpracht von Kirschbäumen 2014 (Archivbild)


Sakura, so nennen die Japaner die berühmte Kirschblüte. Die Zeit Mitte oder Ende März, wenn auf dem Inselstaat die Bäume in dezentem Rosa stehen, ist der Höhepunkt des Frühlings. Das Ereignis steht für weibliche Schönheit und auch für Aufbruch. Überall werden dann Kirschblütenfeste gefeiert.

Doch in diesem Jahr gibt es den Aufbruch bereits zum zweiten Mal - und zwar jetzt im Herbst, wenige Wochen bevor der Winter anfängt. Mitte Oktober trugen viele Bäume in Japan plötzlich wieder Blüten - ein äußerst ungewöhnlicher Zeitpunkt. Laut einem Bericht des japanischen TV-Senders "NHK" berichteten mehrere Hundert Japaner von blühenden Kirschbäumen. Von der Insel Kyushu im Südwesten von Japan bis zur nördlichen Insel Hokkaido blühen die Bäume.

Laut dem japanischen Baumexperten Hiroyuki Wada, den "NHK" in seinem Bericht zitiert, liegt die Blüte zu dieser Jahreszeit nicht nur an den ungewöhnlich milden Temperaturen im Herbst. Normalerweise blocken Hormone in den Blättern, dass sich die Blütenknospen zur falschen Zeit öffnen.

Fotostrecke

7  Bilder
Dürre: Wenn Bäume schwitzen

Doch im September und Anfang Oktober wurde Japan von zwei Taifunen getroffen. Sie haben vermutlich viele Blätter von den Bäumen geweht oder welk werden lassen. Der Hormonmangel habe dann dazu geführt, dass sich die Knospen geöffnet haben. Hinzu kamen die warmen Temperaturen.

Laut Wada sei es in der Vergangenheit schon öfter zu herbstlicher Blütenpracht von Kirschbäumen gekommen. Doch er könne sich nicht daran erinnern, dass sie so ausgeprägt wie in diesem Jahr war.

Auch in Deutschland ist es dieses Jahr zu unregelmäßiger Blütenpracht gekommen: In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns etwa blühten Rosskastanien im September zum zweiten Mal. Die Bäume, die ihr braunes Laub schon abgeworfen haben, trieben neu aus.

Dabei handelt es sich um eine Reaktion stark geschädigter Bäume. Auslöser seien verschiedene Faktoren wie der Befall durch die Kastanienminiermotte, durch Blattbräunepilze sowie Trockenstress, berichten Baumexperten. Nach einer mitunter vollständigen Entlaubung zum Spätsommer oder Frühherbst versuche die Kastanie, zum zweiten Mal im Jahr auszutreiben und zu blühen. Ob die Bäume dann im Frühjahr erneut blühen, ist fraglich. Auch in Bayern wurden laut einem Bericht im September blühende Kastanienbäume beobachtet.

joe

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.