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Japan: Mit künstlichen Regenwolken gegen die Dürre

Seit Wochen herrscht in Japan große Hitze und Trockenheit. Nahe Tokio wurde nun Silberjodid in den Himmel geschossen, um Regenwolken zu erzeugen. Allerdings ist umstritten, ob die Methode überhaupt funktioniert.

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DPA

Mann vor Springbrunnen in Tokio: Wasserreserven stark gesunken

Tokio - Mit künstlich erzeugten Regenwolken wollen die Behörden in Tokio die durch eine lang anhaltende Dürre entstandene Wasserknappheit beenden. Experten feuerten am Freitag in einem Vorort der Hauptstadt Silberjodid-Partikel in den Himmel, wie ein Vertreter der Wasserbehörde mitteilte. In den nachfolgenden zwei Stunden seien dort 17,5 Millimeter Niederschlag gemessen worden, berichtete die Zeitung "Asahi Shimbun".

Es sei schwer zu sagen, ob die Maschine unmittelbar den folgenden Regen ausgelöst habe, sagte der Behördenvertreter. "Aber wir glauben, dass die Maßnahme erfolgreich war." Silberjodid soll Wassermoleküle binden, die - wenn sie groß genug sind - als Regen niedergehen.

Seit Monaten liegt die Niederschlagsmenge in Japan unterhalb des Durchschnitts, hinzu kommen Temperaturen von zuletzt bis zu 41 Grad Celsius. Seit Anfang Juli sind wegen der extremen Hitze mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Im Großraum Tokio, wo 35 Millionen Menschen leben, sind die Wasserreserven auf 60 Prozent des Durchschnitts für diese Jahreszeit gesunken. Die Behörden haben die Bewohner bereits zum Wassersparen aufgerufen.

Das Impfen von Regenwolken mit dem Salz ist nicht neu - erstmals wurde die Methode in den vierziger Jahren in den USA eingesetzt. Das Militär hatte großes Interesse an der Technik: Im Vietnam-Krieg impfte es Wolken über dem Ho-Tschi-minh-Pfad, um so die Unterstützung feindlicher Truppen in Südvietnam zu verhindern. Allerdings bemängeln Wissenschaftler immer wieder, dass es keine wirklichen Beweise dafür gibt, dass die Methode tatsächlich funktioniert.

"Für die regenbringende Wirkung gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis", sagt US-Wissenschaftshistoriker James Rodger Fleming. Die "Torheit", das Wetter beeinflussen zu wollen, sei "pathologisch und veranschauliche, was in der Wissenschaft falschlaufen kann", konstatiert Fleming in seinem 2012 erschienenen Buch "Fixing the Sky".

Trotzdem versucht der Mensch immer wieder, das Wetter zu beeinflussen - etwa bei den Olympischen Spielen 2008: Damals standen rund um Peking an 26 Stützpunkten Flakkanonen bereit, um im Fall der Fälle Regenwolken mit Silberjodid zum Abregnen zu bringen, bevor sie das Olympiastadion erreichen. Die Spiele sollten unbedingt unter blauem Himmel stattfinden.

hda/AFP

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