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Japan: Riesenquallen lassen Fischer verzweifeln

Die Riesenquallen-Plage in den Gewässern Japans will nicht enden. Zu Tausenden schwimmen die bis zu 200 Kilogramm schweren Tiere in die Netze der Fischer, die massive Schäden beklagen. Experten rätseln derweil über die Gründe der Invasion.

Alle Jahre wieder treiben sie auf Japan zu: Gewaltige Nomura-Quallen, die zu den größten Quallen der Welt gehören. Die bis zu 200 Kilogramm schweren Kolosse erreichen einen Durchmesser von zwei Metern und schleppen bis zu fünf Meter lange, giftige Tentakel hinter sich her. Die Gefahr für den Menschen hält sich zwar in Grenzen: Bisher wurden weniger als zehn tödliche Unfälle mit der Quallenart Stomolophus nomurai bekannt. Die japanischen Fischer aber sprechen mittlerweile von einer Katastrophe.

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Meeresplage: Riesenquallen vor Japan

"Es ist ein schreckliches Problem", sagte Noriyuki Kani vom Fischereiverband in Toyama, nordwestlich von Tokio. "Sie sind wie Aliens." Bisher gibt es keine offiziellen Zahlen über den wirtschaftlichen Schaden. Die Fischer aber sprechen von massiven Einbußen. "Wenn die Netze voller Quallen sind, ist kein Platz mehr für Fische", stellt Kani fest. Die Fischer brächten Stunden damit zu, die Quallen aus den Netzen zu pulen, um dann festzustellen, dass die wertvollen Fische zerquetscht oder verschleimt oder beides seien.

Rätselraten über die Hintergründe

Meeresbiologen rätseln derweil noch immer über die Gründe der alljährlichen Quallen-Invasion, die im Herbst beginnt und in diesem Jahr wieder einmal besonders groß ausgefallen ist. Bisherigen Vermutungen zufolge vermehren sich die Riesen in südkoreanischen oder chinesischen Gewässern und treiben dann mit der Strömung Richtung Japan.

Gern würden die japanischen Forscher diese Hypothese überprüfen. Nur sind die Beziehungen zwischen Japan und den anderen beiden Ländern nicht die besten, und die Wissenschaftler sind eifrig bemüht, sie nicht noch weiter abkühlen zu lassen. Peinlich wird alles vermieden, was wie eine Schuldzuweisung aussehen könnte. "Wir haben einen neutralen Standpunkt", sagte Yukihiko Sakamoto von der japanischen Fischereibehörde. "Es ist egal, ob die Quallen aus südkoreanischen oder japanischen Gewässern stammen. Wir wollen nur den Schaden für unsere Fischereiindustrie minimieren."

Die Zeit drängt offenbar. Große Qualleninvasionen sind zwar schon früher, etwa 1958, vorgekommen. Allerdings kam es 2002 und 2003 in Serie zu zwei ähnlichen Plagen, und nun schon wieder. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die globale Erwärmung die Vermehrung der Quallen begünstigen könnte.

Chinesen holen sich Quallen auf den Teller

Die japanischen Fischer probieren inzwischen pragmatische Lösungen wie etwa grobmaschige "Führungsnetze". Der Trick daran: Während Quallen von der Strömung durch die Löcher gedrückt werden, bemerken die Fische die Netze und schwimmen mit ihnen, was ihnen dann zum Verhängnis wird.

Ob die japanischen Wissenschaftler aber bedeutende Hilfe von ihren chinesischen Kollegen bekommen, ist nicht nur aus politischen Gründen fraglich. Denn in China werden die Quallen, anders als in Japan und Südkorea, nicht unbedingt als Problem angesehen. Getrocknet und mit Sesamöl verfeinert sind sie dort sogar durchaus beliebt.

Mittlerweile wurden auch aus Japan erste Versuche bekannt, die Quallen auf ähnliche Art verschwinden zu lassen. Schon experimentieren einige Küstenstädte mit Quallen-Tofu und Quallen-Eiskrem. Der Erfolg der Saisonspeisen soll sich aber in Grenzen halten.

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