Von Axel Bojanowski
Hamburg - In ausgedehnten Eisschichten im Meeresboden stecken immense Mengen Erdgas. Die Förderung der sogenannten Methanhydrate gilt als problematisch, weil das Eis zerfällt, sobald es geborgen wird - das Gas entweicht. Nun jedoch beginnt Japan mit den weltweit ersten Tests einer systematischen Gewinnung der wertvollen Energieressource.
Das größte Forschungsbohrschiff der Welt, die "Chikyu" (japanisch für "Erde"), sei soeben zu einer Expedition vor die Südostküste des Landes gestartet, berichtet das japanische Wirtschaftsministerium. Im Nankai Trog, wo der Meeresboden zur Tiefsee abfällt, solle ein 60 Meter dickes Gasreservoir angebohrt werden.
Der Bohrer der "Chikyu" muss dafür tausend Meter unter dem Meeresspiegel 300 Meter tief in den Boden stoßen. Dann soll ein Rohr in das Bohrloch geführt werden, um das Methangas aus den Eisschichten abzusaugen. Ziel sei es, nach den Vorbereitungen im März binnen zwei Wochen zehn Millionen Liter Gas zu fördern.
Schätzungen zufolge liegt in Methanhydraten vor Japans Küsten 100-mal mehr Erdgas, als Japan jährlich verbraucht. Solche Angaben gelten allerdings als äußerst unsicher: Meist kann nur grob die Ausdehnung der Vorkommen, nicht aber ihr Gasgehalt bestimmt werden.
Schätzungen, wonach der Energiegehalt der weltweiten Methangas-Vorkommen größer sei als alle Öl-, Kohle- und konventionellen Gasvorkommen zusammen, sind deshalb ebenfalls fraglich. Unstrittig scheint jedoch: Vor den Küsten liegen gewaltige Energievorkommen. Die ersten systematischen Bergungsversuche vor Japan werden viele Staaten deshalb mit Interesse verfolgen.
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