Kommerzielle Gründe Japan will ab Juli 2019 wieder Wale jagen

Die japanische Regierung tritt aus der Internationalen Walfangkommission aus, um die Meeressäuger künftig wieder kommerziell zu fangen. Umweltschützer zeigen sich entsetzt.

Gefangener Minkwal vor der japanischen Küste (Archivbild)
AP

Gefangener Minkwal vor der japanischen Küste (Archivbild)


Erstmals seit rund drei Jahrzehnten wird Japan wieder aus offiziell kommerziellen Gründen Jagd auf Wale machen. Zu diesem Zweck tritt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus, wie die Regierung in Tokio mitteilte. Die Jagd zu Geschäftszwecken soll ab Juli kommenden Jahres wieder aufgenommen werden.

Die Jagd werde sich aber auf die Regionen vor der japanischen Küste beschränken: "Wir werden nicht in den antarktischen Gewässern oder in der südlichen Hemisphäre jagen." Japan hat schon bisher jedes Jahr zahlreiche Wale getötet, nach offizieller Darstellung zu "wissenschaftlichen Zwecken".

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Ankündigung scharf. Japan schere damit aus der internationalen Gemeinschaft aus, erklärte der Chef von Greenpeace Japan, Sam Annesley. Der Schritt stehe auch den Bemühungen für den notwendigen Schutz der Ozeane und "dieser majestätischen Lebewesen" entgegen.

Allerdings hatte sich der Austritt Japans aus der Walfangkommission abgezeichnet: Im September war die Regierung in Tokio in der IWC mit einem Antrag auf eine Rückkehr zum kommerziellen Walfang gescheitert. Das Land hatte bei der IWC-Jahrestagung im brasilianischen Florianópolis argumentiert, die Bestände einiger Walarten hätten sich so weit erholt, dass der kommerzielle Walfang wieder zugelassen werden könne. Nach Ablehnung des Antrags warnte die japanische Regierung, Japan sehe sich zu einer "grundlegenden Neubewertung seiner Position als Mitglied der IWC veranlasst".

In Gesellschaft von Island und Norwegen

Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte am Mittwoch, bei der Jahrestagung habe es "keine Zugeständnisse" der Staaten gegeben, die sich ausschließlich dem Schutz der Meeressäuger verpflichtet sehen. Eine Koexistenz in der IWC sei deswegen nicht mehr möglich.

Die Regierung in Tokio will die Internationale Walfangkommission bis Jahresende offiziell über den Rückzug informieren. Dieser wird damit zum 30. Juni gültig. Japan wird dann nach Sugas Angaben in japanischen Hoheitsgewässern und in der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes Wale jagen. Mit Austritt aus der IWC schließt sich Japan den beiden anderen großen Walfangnationen Island und Norwegen an, die sich offen dem Fangverbot von 1986 widersetzen.

Das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs wurde 1946 zum Schutz der Wale beschlossen. 1986 wurde der kommerzielle Walfang durch ein Moratorium international verboten.

Japan nutzt bislang aber eine Lücke in der Vereinbarung, wonach Wale zu Forschungszwecken getötet werden dürfen. Das Land macht wissenschaftliche Gründe für den Walfang geltend, das Fleisch getöteter Wale wird aber anschließend zum Verzehr verwendet.

Japan macht daraus kein Geheimnis und erklärt, der Walfang sei ein wichtiger Teil seiner Kultur. Regierungssprecher Suga sagte nun, mit dem Austritt aus der IWC könnten japanische Walfänger die "reiche Walfang-Kultur unseres Landes an die nächste Generation weitergeben".

Japan jagt schon seit Jahrhunderten Wale. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Walfleisch eine wichtige Proteinquelle für die verarmte Bevölkerung. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Konsum von Walfleisch aber stark zurückgegangen.

yes/dpa/AFP



insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
LutzMüller 26.12.2018
1. Boykottiert Japan
Denen muss die weltweite Empörung um die Ohren gehauen werden. So etwas macht mich stinkwütend.
Kater Bolle 26.12.2018
2. Danke für die Entscheidungshilfe......
eigentlich wollte ich Anfang Januar ein jap. Auto kaufen. Das wird in jedem Fall jetzt ein anderes. So einfach ist das.
Peletua 26.12.2018
3. Trump-Mode
Trump hat es vorgemacht, und jetzt scheint es regelrecht Mode zu werden, um des stupiden Profits willen aus sinnvollen internationalen Abkommen auszutreten. Bis man irgendwann und viel zu spät entdeckt, dass man Geld doch nicht essen kann, und dass es auch nicht vor Flut- und Hitzewellen schützt.
richey_edwards 26.12.2018
4. Umweltschützer sind immer entsetzt
Und sie überziehen alles inflationär mit Verboten. Meinen tatsächlich sie müssten einem Land mit jahrhundertalter Tradition vorschreiben was es zu tun hat.
moriar 26.12.2018
5. kulturelle Günde...
im Artikel steht ja, daß immer weniger Walfleisch konsumiert wird, das hat bestimmt auch kulturelle Gründe, nur sind diese edler und moderner. Eine Kultur kann sich auch wandeln. In Wahrheit steckt da nur wieder die Profitgier einoger weniger dahinter. Es ist so erbärmlich.
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