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Japan: Walfangkonferenz endet im Streit

Die Fangrechte der Naturvölker entzweiten die Walfangkommission auch am letzten Konferenztag. Nach Abschluss des Treffens ist die Kluft zwischen Gegnern und Befürwortern der Waljagd tiefer als je zuvor.

Erlegter Wal auf japanischem Forschungsschiff: "Schlupflöcher für den kommerziellen Fang"
REUTERS

Erlegter Wal auf japanischem Forschungsschiff: "Schlupflöcher für den kommerziellen Fang"

Tief zerstritten ist am Freitag die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im japanischen Shimonoseki zu Ende gegangen. Mehrere Mitgliedstaaten und Umweltschutzorganisationen übten scharfe Kritik am Verhalten des Gastgebers, auf dessen Betreiben hin die Eskimos in Alaska erstmals in der Geschichte der IWC das Sonderrecht auf Walfang verloren. Die französische Delegierte Robin des Bois beschrieb die Konferenz als geprägt von "lähmenden Machtkämpfen" und "Wahn, Krisen und Böswilligkeiten".

Am letzten Konferenztag scheiterte am Widerstand Japans ein neuer Versuch, den von Walfleisch lebenden Naturvölkern eine Ausnahmegenehmigung zu sichern. Bereits am Vortag war ein erster Antrag der USA und Russlands abgelehnt worden, der den Eskimos und Makah-Indianern die Jagd von jährlich 60 Grönland- und Gray-Zweizahnwalen und den Tschukotka in Nordrussland die Tötung von 120 Grauwahlen ermöglichen sollte. Am Freitag wurden in einer separaten Abstimmung nur begrenzte Fangrechte für die Makah-Indianern gebilligt.

Der US-Delegierte Rolland Schmitten nannte die Entscheidung "das ungerechteste und schäbigste Votum" in der 56-jährigen Geschichte der IWC. George Ahmaogak, der Sprecher der amerikanischen Inuit, zeigte sich über die Zukunft des Eskimo-Volkes besorgt: Der Walfang habe den Inuit über Jahrtausende hinweg eine Ernährungsgrundlage geboten. Bislang war die Fünfjahresquote stets ohne Beanstandungen verlängert worden.

Zur Begründung ihrer Blockadehaltung hatte die japanische Delegation erklärt, sie könne das Messen mit "zweierlei Maß" in der Walfangkommission nicht akzeptieren. Zuvor war der Gastgeber mit einem Vorschlag gescheitert, der in japanischen Küstengewässern die zusätzliche Tötung von 50 Zwergwalen vorsah. Daraufhin warf Tokio den USA Heuchlerei vor: Einerseits wolle Amerika den eigenen Ureinwohnern in Alaska die Jagd erlauben, Japans Walfanggemeinden aber nicht.

Das fernöstliche Land erlegt jedes Jahr zu "wissenschaftlichen" Zwecken Hunderte der Meeressäuger, darunter auch als bedroht eingestufte Arten. Naturschützer argumentieren, hinter dem japanischen Antrag auf eine Ausweitung des Walfangs an den eigenen Küsten steckten, anders als bei den Eskimos, kommerzielle Motive. "Die Japaner wollten lediglich neue Schlupflöcher für den kommerziellen Walfang öffnen", sagte Volker Homes, Konferenzteilnehmer für die Artenschutzorganisation WWF.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte in Hamburg, das Gesamtergebnis der Tagung sei "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" zu betrachten. Japan habe sich zwar mit seinem Vorhaben nicht durchsetzen können, die kommerzielle Jagd auf Wale wieder zu eröffnen. Es sei jedoch "unerträglich", dass Norwegen und Japan unter dem Deckmantel von Tradition und Wissenschaft "in den nächsten Monaten fast tausend Wale abschlachten".

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