Pazifik Japaner finden gigantische Mengen Seltener Erden

Japanische Forscher wollen ein gewaltiges Vorkommen an Seltenen Erden im Pazifik gefunden haben. Die Menge der Metalle sei so groß, dass sie die Industrie des Landes theoretisch für 200 Jahre versorgen könnte. Das Problem: Die Vorkommen liegen in fast sechs Kilometern Tiefe.

Verarbeitung von Lanthan (in China): Japaner melden reichen Fund an Seltenen Erden
REUTERS

Verarbeitung von Lanthan (in China): Japaner melden reichen Fund an Seltenen Erden


Seltene Erden sind ein Lebenselixier der Moderne: Sie gelten als unverzichtbar für die Herstellung von Handys, Fernsehgeräten, Akkus, Elektromotoren und Windkraftanlagen. Allerdings werden derzeit rund 90 Prozent der Metalle in China gefördert - was der Regierung in Peking eine machtvolle Position auf dem internationalen Markt beschert.

Die aber könnte künftig ins Wanken geraten, falls stimmt, was japanische Forscher nun melden: Sie haben nach eigenen Angaben ein gigantisches Reservoir von Seltenen Erden auf dem Grund des Pazifiks vor der japanischen Küste entdeckt.

Die Vorkommen liegen rund 2000 Kilometer südöstlich vor Tokio in einer Tiefe von 5800 Metern unter dem Meeresspiegel, wie die Behörde für Meeresbodenforschung und die Universität von Tokio am Donnerstag mitteilte. Der Boden enthalte mindestens 17 verschiedene Metalle und weise eine 20- bis 30-mal so hohe Konzentration wie die chinesischen Vorkommen auf.

Deutscher Experte ist skeptisch

Die Menge der Rohstoffe wird demnach auf 6,8 Millionen Tonnen geschätzt. Das würde den derzeitigen Bedarf der japanischen Industrie für mehr als 200 Jahre abdecken - theoretisch. Denn in der Praxis stellt sich die Frage, wie und zu welchem Preis die Rohstoffe geborgen werden könnten. Bisher sei kommerzieller Bergbau in Tiefen über 5000 Metern noch nie erfolgreich gewesen, hieß es am Donnerstag in der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun". Entsprechend groß dürfte die Herausforderung sein, aus einer Tiefe von 5800 Metern zu fördern.

"Selbst wenn die Konzentration der Seltenen Metalle zehnmal so hoch ist wie bei den chinesischen Vorkommen, hätten sie nur einen Anteil von einem Prozent am geförderten Tiefseeschlamm", sagt Christian Reichert von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. "Die restlichen 99 Prozent müssten entsorgt werden, was aufwendig und teuer wäre." Unklar sei zudem, welche Folgen es für die Umwelt hätte, wenn derart große Mengen Schlamm vom Boden der Tiefsee geholt würden.

Reichert ist auch noch aus einem anderen Grund skeptisch: "Durch den Hype der vergangenen Jahre wurden viele neue Lagerstätten von Seltenen Erden identifiziert", so der Experte für marine Rohstofferkundung. "Das hat dazu geführt, dass der Preis eingebrochen ist." Dadurch werde die teure Förderung aus großen Tiefen nicht eben wahrscheinlicher.

Rohstoffsuche rund um den Globus

Der Bedarf wäre allerdings gegeben, denn die Industrienationen lechzen nach Seltenen Erden. Auch die deutsche Industrie mischt beim Poker um die Rohstoffe mit. So hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang des vergangenen Jahres Reisen nach Kasachstan und in die Mongolei unternommen, um dort Verträge über eine Beteiligung Deutschlands an der Förderung Seltener Erden abzuschließen. Sogar in Sachsen könnten in Zukunft Seltene Erden gefördert werden.

Westliche Unternehmen haben den Einfluss Pekings auf den Handel mit Seltenen Erden wiederholt beklagt und zudem moniert, dass China Ausfuhrbegrenzungen und die Preisgestaltung zu politischen Zwecken beeinflusse. Im März 2012 hatten die EU, die USA und Japan bei der Welthandelsorganisation WTO Beschwerde gegen China eingelegt: Mit Exportquoten, Zöllen und Mindestpreisen benachteilige Peking die globalen Abnehmer und verstoße damit gegen seinen Beitrittsvertrag zur WTO. China wies die Vorwürfe stets zurück und erklärte, die Kontrollen dienten dazu, die Umwelt und die Vorräte zu schonen.

mbe/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
ronald1952 21.03.2013
1. Es wird sowieso nur eines geben in der Zukunft,
Zitat von sysopREUTERSJapanische Forscher wollen ein gewaltiges Vorkommen an Seltenen Erden im Pazifik gefunden haben. Die Menge der Metalle sei so groß, dass sie die Industrie des Landes theoretisch für 200 Jahre versorgen könnte. Das Problem: Die Vorkommen liegen in fast sechs Kilometern Tiefe. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/japaner-finden-gigantische-mengen-seltener-erden-im-pazifik-a-890255.html
die gnadenlose Jagt auf Bodenschätze aller Art, Weltweit und ohne Rücksicht auf Verluste, weder an Menschen noch an der Umwelt,oder den Meeren unseres Planeten. Selbst Kriege sind deswegen nicht aus- geschloßen, sogar Denkbar. Die Menschheit ist doch Tatsächlich so Blödsinnig, sich den Ast auf dem sie sitzt abzuschneiden. Das Wunder Mensch, sagt soch alles,oder?Eigendlich sollte die Assoziation folgendermaßen lauten: Mensch = Blödheit schönen Tag noch,
expendable 21.03.2013
2. Wenn einer...
...einen Weg findet, das wertvolle Zeug fast 6000 Meter unter dem Meeresgrund nach oben zu holen, dann traue ich das am ehesten den Japanern zu. Deren Machbarkeitsglaube ist noch ungebrochen und mit Bedenkenhuberei, die in D zum guten Ton gehört (siehe Fracking) macht man sich dort nicht beliebt. Hier will jeder nur 3x jährlich den aller-aller-allerneuesten Apple-I-Tinnef, woher das nötige Material kommt, macht sich wahrscheinlich mit Absicht keiner einen Kopp.
ratschbumm 21.03.2013
3. Schon wieder nur einfach von Reuters abgepinnt ?
Zitat von sysopREUTERSJapanische Forscher wollen ein gewaltiges Vorkommen an Seltenen Erden im Pazifik gefunden haben. Die Menge der Metalle sei so groß, dass sie die Industrie des Landes theoretisch für 200 Jahre versorgen könnte. Das Problem: Die Vorkommen liegen in fast sechs Kilometern Tiefe. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/japaner-finden-gigantische-mengen-seltener-erden-im-pazifik-a-890255.html
In den USA liegen "gewaltige Mengen" seltener Erden (ein blöder Begriff) oben auf der Erde. Nicht die Menge des verfügbaren Materials ist das Problem, denn diese "Erden" sind alles andere als selten, sondern die Umweltzerstörung bei Gewinnung und Produktion. Durch gewaltig teure Auflagen ei der Gewinnung sind sie so teuer dass US-Amerikanische Unternehmen nicht mehr gegen chinesische ohne Umweltauflagen konkurrieren konnten. Leichte Seltene-Erdelemente (engl. LREE)Ordnungszahl Scandium (21) Lanthan (57) Cer (58) Praseodym (59) Neodym (60) Promethium (61) Samarium (62) Europium (63) Schwere Seltene-Erdelemente (engl. HREE)Ordnungszahl Yttrium (39) Gadolinium (64) Terbium (65) Dysprosium (66) Holmium (67) Erbium (68) Thulium (69) Ytterbium (70) Lutetium (71)
FreakmasterJ 21.03.2013
4. 6000M Tiefe - Ja und???
..als ob 6000m tiefe unsere japanischen Freunde davor abschrecken könnten Jagd auf wertvolle Rohstoffe zu machen. Schon vergessen?? Japan ist das Land der Roboter und denen ist es nahezu egal, ob sie in 6000m oder in 10000m Tiefe rumgraben dürfen.
Bernd.Brincken 21.03.2013
5. What's in a name
Die Werte an diesen Metallen, die in den genannten Produkten stecken, sind angesichts der geringen Mengen letztlich auch sehr gering, da geht es allenfalls um Promille der Herstellkosten. Vielleicht sollte man den Namen dieser Gruppe von Elementen einmal überdenken, "Seltene .." scheint doch Spekulanten und Politiker nachhaltig irre zu führen.
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