Fußballzentrum Japans Nationalteam soll wieder bei Fukushima trainieren

Nur 20 Kilometer trennen das Trainingszentrum des japanischen Fußballverbands vom Unglücksreaktor Fukushima. Noch wird das Sportareal vom Kraftwerksbetreiber Tepco als Krisenzentrum genutzt. Doch schon 2020 zu den Olympischen Spielen könnte hier wieder das Nationalteam kicken.

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AP

Auf der größten Sportanlage Japans findet schon lange kein Sport mehr statt. Das J-Village, ein Komplex mit zwölf Fußballplätzen, einem Stadion für 5000 Menschen, einem Schwimmbad und einem Hotel, diente nach seiner Eröffnung 1997 als Trainingszentrum der japanischen Fußball-Nationalmannschaft. Während der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea war das argentinische Team dort untergebracht. Auch der Nachwuchs des japanischen Verbandes wurde im J-Village ausgebildet.

Doch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 war Schluss damit. Die Sportanlage an der Pazifikküste liegt nur 20 Kilometer südlich der Havariemeiler. Alle Menschen in der Region mussten ihre Häuser verlassen. Immerhin stand der Wind günstig fürs J-Village. Der sogenannte Fallout radioaktiver Nuklide, die nach der Katastrophe in die Atmosphäre gelangt waren, trieb aufs Meer hinaus oder ging nordwestlich der Meiler nieder.

Wegen der günstigen Lage und der vergleichsweise mäßigen radioaktiven Belastung richtete der Energieversorger Tepco - Betreiber des Unglücks-AKW und Sponsor des J-Village - sein Krisenzentrum auf der Sportanlage ein. Provisorische Bauten wurden erreichtet, Hunderte Arbeiter, Feuerwehrleute, Soldaten auf dem Gelände untergebracht und mit Bussen täglich ins AKW Fukushima-Daiichi gefahren, um die Lage dort unter Kontrolle zu bringen. Das J-Village wurde zu einer Art Basislager für die Expeditionen in die Krisenzone.

Strahlung noch oberhalb des erlaubten Grenzwerts

Doch bald soll der Sport zurückkehren. Nach übereinstimmenden Berichten aus Japan will Tepco die Anlage spätestens 2018 wieder dem Fußballverband übergeben. "Wir erwägen, das J-Village durch Dekontaminierungsarbeiten zu reinigen und dann zurückzugeben", wird ein Tepco-Vertreter von japanischen Medien zitiert.

Während der Olympischen Spiele in Tokio 2020 sollen möglicherweise sogar die japanischen Nationalteams, also das der Männer und der Frauen, auf dem Gelände untergebracht werden. So will das Land zeigen, dass die Lage in der Katastrophenregion unter Kontrolle ist. Dass es kein Fehler war, die Spiele nach Japan zu vergeben. "Wenn unsere Nationalteams hier ihre Trainingslager für die Spiele abhalten, wäre das die beste Antwort auf alle Fragen", sagte Junji Ogura, Präsident des Fußballverbandes, kürzlich bei einem Rundgang durch J-Village, den der Verband auf seiner Internetseite dokumentiert hat.

Die Wiedereröffnung des Trainungszentrums wäre auch ein Schritt Richtung Normalität in der von der Katastrophe gezeichneten Region. Glaubt man den Angaben der japanischen Behörden, liegt die radioaktive Strahlungbelastung nahe des J-Village derzeit bei 0,13 bis 0,17 Mikrosievert pro Stunde. Ein Mensch, der sich dort ein ganzes Jahr aufhält, würde demnach eine Jahresdosis von 1,1 bis 1,5 Millisievert abbekommen. Beide Werte liegen ein Stück oberhalb des international anerkannten Grenzwertes von einem Millisievert. Vorausgesetzt, die Region wird gründlich dekontaminiert, erscheint es also durchaus vorstellbar, dass im J-Village in einigen Jahren wieder Fußball gespielt werden kann - zumal die Sportler sich nur vorübergehend dort aufhalten würden.

Ohne gründliche Dekontaminierung freilich müsste man Dutzende Jahre warten, bis die Strahlung von allein so stark abgeklungen ist, dass keine Gesundheitsgefahr mehr besteht. Bei den Explosionen der Fukushima-Meiler wurden in erster Linie Jod- und Cäsium-Isotope freigesetzt. Die von Jod ausgehende Strahlung war wegen der Halbwertzeit von wenigen Tagen nur in den ersten Wochen nach dem Unfall ein Problem. Cäsium-134 und Cäsium-137 haben hingegen Halbwertzeiten von bis zu 30 Jahren. Diese Nuklide sind es auch, die in der Region Fukushima heute den Hauptteil der Strahlenbelastung ausmachen.

Auch wenn Messwerte aus dem J-Village Hoffnung auf eine baldige Rückkehr der Fußballer machen, glauben nicht alle den offiziellen Statistiken und Versprechungen. Ein Greenpeace-Team war kürzlich in der Region Fukushima und berichtet von deutlich höheren Werten. "In einem Haus haben wir 0,8 Mikrosievert pro Stunde gemessen", sagt Heinz Smital. Im Wald seien sogar mehr als ein Mikrosievert pro Stunde ermittelt worden.

Das Greenpeace-Team hatte im Oktober den Ort Tamura besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Dekontaminierung zu machen. Tamura liegt rund 50 Kilometer westlich des havarierten Atomkraftwerks. Mit einem Auto fuhren die Umweltschützer systematisch 90 Kilometer in der Ortschaft ab. Dabei wurde einmal pro Sekunde automatisch die Strahlung gemessen. 39 Prozent aller Messungen lagen oberhalb des Wertes von 0,23 Mikrosievert pro Stunde. Diese Zahl hatten Japans Behörden als oberen Grenzwert definiert. Die offiziellen Messwerte der japanischen Behörden für Tamura schwanken je nach Messpunkt zwischen 0,1 und 0,2 Mikrosievert.

Greenpeace warnt vor wieder steigender Strahlung

Laut Greenpeace werden derartige Werte jedoch nur auf aufwendig gereinigten Straßen und Plätzen erreicht. Nur wenige Meter von der Straße weg könne die Strahlung um den Faktor zwei bis zehn ansteigen. Von einer Rückkehr der aus Tamura evakuierten Menschen in ihre Häuser rät Greenpeace ab: Die Radioaktivität sei immer noch zu hoch, Menschen setzten sich einem dauerhaften Strahlungsproblem aus.

Florian Kasser von Greenpeace warnt sogar davor, dass die Strahlungswerte in Zukunft wieder steigen könnten: "Es wurden vor allem Ortschaften und Straßen dekontaminiert, die Umgebung wie Wiesen und Wälder hingegen nicht." Durch Wind oder Regen könnten radioaktive Stoffe leicht aus der Umgebung wieder in die gesäuberten Bereiche gelangen.

Ein Problem bei der Dekontaminierung sind auch die großen Mengen strahlenden Abfalls. Meist wird die oberste Schicht des Erdreichs abgetragen, Büsche und Gras werden abgeschnitten. Die strahlende Biomasse gelangt in schwarze Müllsäcke - und die stapeln sich in der Region zu großen Bergen. "Auf einer Fläche von einem Hektar kommen 600 bis 800 Säcke zusammen", sagt Kasser. Ein Zwischen- oder Endlager für den strahlenden Müll gebe es bislang nicht.

Wer nur für wenige Tage oder Wochen in die Region Fukushima reist, bekommt allerdings schon heute keine gefährliche Strahlungsdosis mehr ab. Zwei Tage mit 0,2 Mikrosievert pro Stunde - diese Werte wurden zum Beispiel in Tamura gemessen - entsprechen der Belastung bei einem dreistündigen Flug, die bei rund 10 Mikrosievert liegt. Ein einwöchiges Trainingslager im J-Village wäre deshalb theoretisch schon heute möglich. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bestünde nur für diejenigen, die dauerhaft in dem Camp leben würden.

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Seite 1
kojak2010 07.12.2013
1. ........
Fukushima.... Da war doch was, wartemal. *grübel* achsooo, da sind doch 6 AKW Türme in die Luft gegangen, wurden dann laien- und stümperhaft "versorgt". klar. da kann man in Sichtweite logo wieder Fussball kicken. na logo.
wwwwalter 07.12.2013
2. Hysterie
Japaner ticken offenbar anders, sie sind nicht so hysterisch wie wir Deutschen. Bei uns gilt: je weiter weg sich die Katastrophe ereignet hat, desto größer ist die Angst. Wir Deutschen sind offenbar die einzigen, die aus Fukushima Konsequenzen gezogen haben. Gerne nehmen wir steigende Energiekosten und die sich daraus ergebenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme auf uns. Nur wird die Welt dadurch kein bischen besser. Sie dreht sich einfach weiter. Und der Rest der Welt lacht über uns.
erich21 07.12.2013
3.
wir erinnern uns an politiker, die waehrend der bse krise oeffentlich hamburger assen! wobei ungeklaert blieb, von welchem rindvieh das fleisch stammte. aber wenn man nicht zuviel davon futtert ... das grosse japan will sein gesicht nicht verlieren. da kann man schon mal sportler einem gewissen risio aussetzen. den moechte ich sehen, der sich da widersetzt ... ausserdem kommt doch auch die sitte hoechster aufopferung aus diesem schoenen land: kamikaze! nein, nein, dass ist keine japanische besonderheit. die russen haben massenweise menschen schutzlos strahlung ausgesetzt, bei den atomversuchen haben amies und briten fasselbe gemacht. und ich hatte bei der bw das vergnuegen in einer radar truppe zu doenen, deren mitglieder erhoehter strahlung ausgesetzt waren und noch heute darauf warten, das herr scharping sein versprechen von schneller und unbuerokratischer hilfe einloest. es kommt halt immer darauf an, dass man andere der gefahr aussetzt, unterproviligierte, wehrdienstleistende, mikronesier usw. uebrigens auch ich habe jetzt krebs herr scharping. einfach lang genug warten, dann erledigt sich vieles von selbst.
niska 07.12.2013
4.
Zitat von sysopAPNur 20 Kilometer trennen das Trainingszentrum des japanischen Fußballverbands vom Unglücksreaktor Fukushima. Noch wird das Sportareal vom Kraftwerksbetreiber Tepco als Krisenzentrum genutzt. Doch schon 2020 zu den Olympischen Spielen könnte hier wieder das Nationalteam kicken. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/japans-fussball-nationalteam-soll-suedlich-von-fukushima-trainieren-a-936802.html
Die hoffen wohl auf den 'Hulk-Effekt' ...
tororosoba 07.12.2013
5. Dekontamination
Wir erwägen, das J-Village durch Dekontaminierungsarbeiten zu reinigen und dann zurückzugeben", wird ein Tepco-Vertreter von japanischen Medien zitiert. Hm. Da dort Menschen leben und arbeiten, müsste es doch jetzt schon dekontaminiert werden.
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