Japans Jagd auf Meeressäuger: Australien veröffentlicht schockierende Walfang-Bilder

Diese Fotos schüren Emotionen: Japanische Waljäger haben in der Antarktis einen ausgewachsenen Wal und ein Jungtier getötet, möglicherweise eine Mutter und ihr Kalb. Australien hat diese Bilder jetzt veröffentlicht - Tokio reagiert verärgert.

Die Bilder sprechen für sich: Ein ausgewachsener Minkwal und ein Kalb, beide am Schwanz festgebunden, werden an Bord eines japanischen Walfangschiffes gezogen. Eingeweide, die durch eine Harpunenwunde aus dem Körper des Jungtieres herausquellen. Die Rückseite eines Fabrikschiffs, auf dem ein Banner angebracht ist, auf dem steht, dass hier legale Forschung unter Berufung auf die ICRW (Internationale Tagung zur Regulierung des Walfangs) ausgeführt werde.

"Als ich die Fotos sah, fühlte ich mich angeekelt und traurig", sagte der australische Umweltminister Peter Garrett. "Das ist so enttäuschend. Es ist so schmerzlich, wenn man sich klar macht, dass es nach einem Harpuneneinstich bis zu 15 Minuten dauern kann, bis ein Wal gestorben ist", sagte Garrett in einem Fernsehinterview. "Es ist noch trauriger, wenn man bedenkt, dass auch ein Kalb betroffen ist." Nach Meinung von Experten ist das Jungtier weniger als ein Jahr alt.

Japan hält trotz internationaler Kritik am Walfang fest. Die Jagd auf die Meeressäuger ist in Japan zu wissenschaftlichen Zwecken gestattet: Mit dem Wissenschaftsargument bedient sich die Regierung eines Schlupflochs im Walfang-Moratorium von 1986. Zugleich macht Tokio keinen Hehl daraus, dass das Walfleisch letztlich in die Supermarktregale des ostasiatischen Landes kommt. Japan plant während des Antarktischen Sommers insgesamt 1000 Mink- und Finnwale zu jagen. In den letzten 20 Jahren haben japanische Walfangschiffe rund 7000 Minkwale getötet.

"Hier geht es nicht um Wissenschaft, nicht um Forschung", sagte Garrett. "Sie nennen es Wissenschaft, aber in Wahrheit tötet es die Wale."

Die Fotos wurden von einem australischen Fischerei- und Zoll-Kontrollschiff aufgenommen. Das Schiff wurde in das Eismeer geschickt, um Beweise zu sammeln. Die australische Regierung erwägt nun eine Klage vor einem internationalen Tribunal. Innenminister Bob Debus nannte die Bilder "schockierend". Möglicherweise würden sie für eine Anklage verwendet. Der australische Premierminister Kevin Rudd versprach, die Bemühungen der Regierung zu verstärken, den Walfang zu stoppen.

Japan wirft Australien "emotionale Propaganda" vor

Umweltorganisationen reagierten empört auf die Bilder: Steve Shallhorn von Greenpeace sagte, die Fotos bekräftigten, dass es Japan gleichgültig sei, ob seine Walfänger Walmütter und deren Jungen töteten. "Nun hat die australische Regierung ihre eigenen Beweise für die Waljagd", sagte Shallhorn. "Wir erwarten, dass sie nun vor der Internationalen Walfangkommission aktiv werden."

Die australische Regierung hatte zunächst abgelehnt die Bilder zu veröffentlichen, um Japan, den zweitwichtigsten Handelspartner, nicht zu verärgern. Beide Länder hatten vereinbart, dass die ablehnende Haltung der australischen Regierung gegenüber dem Walfang die "diplomatischen Verhandlungen nicht beeinflussen" solle.

Die Veröffentlichung der Bilder führte nun zu Verärgerung in Japan: Die japanische Fischereibehörde warf Australien vor, gezielt öffentliche Empörung zu schüren. "Die Außenminister beider Länder hatten sich kürzlich darauf verständigt, das Thema Wale ruhig zu behandeln", sagte ein Beamter der Behörde. "Solche Bilder zu veröffentlichen, ist problematisch, weil sie Emotionen hervorrufen."

Das japanische Institut für Walforschung, das den Walfang ausführt, warf der australischen Regierung gezielte Irreführung vor. Die beiden fotografierten Wale gehörten nicht zusammen. "Es sind nicht eine Mutter und ihr Kalb, wie behauptet wurde", sagte Minoru Morimoto, der Generaldirektor des Instituts. "Die Bilder der australischen Regierung und die Medienberichte sind gefährliche emotionale Propaganda, die das Verhältnis der beiden Länder ernsthaft beschädigen können."

Umweltaktivisten hatten Aktionen gegen japanische Walfangschiffe angekündigt. Die Schiffe der Umweltaktivisten hatten das Eismeer letzte Woche wieder verlassen, um in Australien aufzutanken. Die Sea Shepherd Convervation Society kündigte an, ihre Rückkehr zu beschleunigen, weil sie die öffentliche Aufmerksamkeit durch die Veröffentlichung der Bilder nutzen wolle. "Wir wollen so schnell wie möglich zurück und wir werden alles unternehmen, um sie daran zu hindern noch mehr Wale zu töten", sagte Tom Baldwin, Sprecher der Umweltorganisation.

lub/Reuters

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