Junge Pferde Süßes Futter erschwert die Erziehung

Pferde werden häufig mit einem Mix aus Getreide und süßer Melasse gefüttert. Der Zuckerzusatz macht jedoch offensichtlich Probleme beim Training junger Tiere, wie US-Forscher herausgefunden haben. Die Pferde sind unruhiger als Artgenossen, die nur Heu bekommen.


Süßigkeiten verderben den Charakter. Diesen Eindruck vermitteln zumindest quengelnde Kinder, die nur noch eins im Sinn zu haben scheinen: den nächsten Lolliball. Aber auch bei jungen Pferden zeigt Zucker eine gewisse, nicht gerade erwünschte Wirkung, wie Forscher der Montana State University in Bozeman herausgefunden haben.

American Quarter Horses: Leichter im Handling ohne Zucker
MSU

American Quarter Horses: Leichter im Handling ohne Zucker

Jan Bowman, ein Spezialist für Tierernährung, hatte zwölf nah miteinander verwandte American Quarter Horses, die alle von ein und derselben Ranch aus Idaho stammen, drei Wochen lang trainiert. Die jungen Pferde bekamen in dieser Zeit ihre Grundausbildung. Sechs Pferde wurden ausschließlich mit Heu gefüttert, sechs bekamen den Mix aus Getreide und Melasse. Alle zwölf Tiere konnten essen, so viel sie wollten.

Die energiereiche Nahrung habe die Tiere ängstlicher und ungehorsamer gemacht, berichtet Bowman. Die Getreidefresser hätten größeren Widerstand gegen den Sattel gezeigt als die sechs Pferde, die nur Heu aßen. Sie seien zudem mehr gerannt und hätten sich öfter störrisch gezeigt. Auch die Trennung von der Herde habe ihnen größere Probleme bereitet

Der kommerzielle Mix aus Korn und Melasse ist unter Pferdezüchtern beliebt, weil er dem Pferdefell einen besonderen Glanz verleiht, wie Bowman bestätigt. Dies mache die Tiere attraktiv - auch für potentielle Käufer.

Bowman hatte die zwölf jungen Pferde mit Schrittzählern und Pulsmessern bestückt, um ihr Verhalten über den Zeitraum der Studie genau verfolgen zu können. Das Training fand einmal pro Tag statt und dauerte 30 bis 40 Minuten. Bowman wusste selbst nicht, welches Tier welche Ernährung bekam.

"Die Ergebnisse legen nah, dass sich die Effektivität des Trainings bei jungen Tieren erhöhen lässt, indem man sie nicht mit der energiereichen Kost füttert", sagt der Forscher. Einige Daten, etwa zur Auswirkung der Ernährung auf den Adrenalin-Spiegel, sind noch nicht im Detail ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie sollen demnächst im Fachblatt "Journal of Animal Science" erscheinen.

Bowman warnt zugleich vor falschen Schlüssen aus seiner Studie: "Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass man die Tiere hungern lassen muss, damit sie sich besser verhalten." Die Erstausbildung der Pferde, die meist 30 Tage dauert, sei jedoch sehr wichtig. Sie stelle die Basis für das spätere Training dar. Unerfahrene Reiter würden von einem guten Ersttraining profitieren, weil die Tiere dann ruhiger und einfacher im Umgang seien.

hda

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.