Überleben im Eis: Pinguine kühlen ihren Körper auf Minusgrade

Leben im ewigen Eis: Wie Kaiserpinguine der Kälte am Südpol standhalten Fotos
Université de Strasbourg/ CNRS

Es liegt nicht nur am dicken Federkleid: Kaiserpinguine kühlen ihre Körperoberfläche auf unter minus 20 Grad herunter, so können sie an ihrer Oberfläche etwas Energie durch wärmere Luftströme gewinnen. Der Trick lässt die Tiere Temperaturen von minus 40 Grad Lufttemperatur überstehen.

Die Bilder sehen aus wie abstrakte Kunstwerke, tatsächlich aber handelt es sich um Wärmebildaufnahmen lebendiger Kaiserpinguine. Die Südpolvögel kühlen Teile ihrer Körperoberfläche unter Lufttemperatur ab, zeigt eine Studie im Fachmagazin "Biology Letters". Dies und ihr dickes Federkleid helfe ihnen, die extremen Bedingungen in der Antarktis mit Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten von 140 Kilometern pro Stunde zu überstehen.

Eine Gruppe von 40 männlichen Kaiserpinguinen (Aptenodytes forsteri) haben die Wissenschaftler untersucht. Mit Hilfe einer Wärmekamera schossen sie Infrarotbilder und Digitalfotos. Nahaufnahmen zeigten, dass die Temperaturen fast an der gesamten Körperoberfläche der Tiere unter dem Gefrierpunkt lagen, an einiger Stellen sogar unter minus 20 Grad. Nur die Augen waren stets wärmer als der Gefrierpunkt.

Die Temperatur an der Außenfläche von Rücken und Bauch, wo die Pinguine ein dickes Federkleid bedeckt, lag im Schnitt vier bis viereinhalb Grad niedriger als die Außentemperatur. Kopf, Flügel und Füße wurden etwas stärker gewärmt als Rücken und Bauch. Hier lägen die Blutadern näher an den Oberflächen und heizten diese auf. Trotzdem war die Temperatur der Körperzonen immer noch 0,4 bis 1,9 Grad niedriger als die Lufttemperatur, die zum Messzeitpunkt etwa minus 20 Grad betrug. Die Studie ergab, dass die Außenflächen teilweise durch Wärmeabstrahlung abgekühlt wurden. Das sei vor allem bei Windstille bedeutend.

Da Bauch und Rücken kühler als die Lufttemperatur seien, könnten die Pinguine an ihrer Oberfläche etwas Energie durch wärmere Luftströme gewinnen, erklären die Forscher. Durch das dicke Federkleid dringe allerdings nur ein zu vernachlässigender Teil dieser Wärme bis zur Haut vor. Die Wissenschaftler hoffen, in neuen Studien mit Wärmebildern weitere Details zu erforschen.

Riskante Brut im Eis

Kaiserpinguine sind nicht die einzigen gleichwarmen Tiere, die ihre Körperoberfläche bei niedrigen Temperaturen herunterkühlen. Auch bei Schafen sei die Felltemperatur in einer klaren Nacht um mindestens 2,5 Grad kälter als die Lufttemperatur.

Bei Kaiserpinguinen sei das Federkleid für 80 Prozent der Dämmleistung verantwortlich und schütze zudem vor Wind. Die untersuchte Pinguinkolonie lebt in der Region Terre Adéle und befand sich zum Zeitpunkt der Studie in der Brutsaison. Kaiserpinguine teilen sich die Brutpflege, die Männchen verbringen vier Monate ohne Futter in eisiger Kälte, während die Weibchen auf die Jagd gehen. Im antarktischen Winter fällt die Lufttemperatur auf bis zu minus 40 Grad. Kein anderer Südpolvogel brütet zu dieser Zeit.

jme/dpa

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