Oroville-Stausee in Kalifornien Mit Steinsäcken gegen den Dammbruch

Nach wochenlangen Regenfällen ist der Oroville-Stausee in Kalifornien übergelaufen, 200.000 Menschen sind vor einer drohenden Flutwelle geflüchtet. Steinsäcke sollen den maroden Damm nun stabilisieren.


Im Norden Kaliforniens sind fast 200.000 Menschen auf der Flucht vor einer möglichen Katastrophe: Aus Sorge, dass der beschädigte Überlaufkanal des größten Staudamms der USA brechen könnte, hatten die Behörden die Evakuierungen angeordnet.

Die Bewohner unterhalb des Oroville-Damms sollten ihre Häuser in Richtung Osten, Süden oder Westen, aber keinesfalls in Richtung Norden verlassen, erklärte die Katastrophenschutzbehörde des County von Yuba.

In der Nacht zum Montag hatte sich die Lage an dem Oroville-Damm etwa hundert Kilometer nördlich von Sacramento offenbar etwas entspannt. Der Pegel des nach wochenlangen Regenfällen randvoll gefüllten Stausees ist etwas gesunken.

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Oroville-See: Steinsäcke gegen die Flut

Wenn des See überzulaufen droht, kann das Wasser auf zwei zusätzlichen Wegen abfließen: Zuerst durch den Überlaufkanal, der mit Beton ausgekleidet ist. Und falls das nicht ausreicht, über einen breiten Damm direkt daneben - den Notüberlauf.

Der Hauptdamm selbst droht nach Behördenangaben nicht zu brechen. Probleme bereitete zunächst der beschädigte, mit Beton ausgekleidete Überlaufkanal.

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In dem Kanal sind Betonstücke herausgebrochen, sodass ablaufendes Wasser teils neben dem Kanal ins Tal strömt oder im Boden versickert. Die damit verbundene Erosion könnte die Stabilität des Damms in diesem Bereich gefährden.

Weil das Wasser aber nicht schnell genug abfloss, strömte es zudem auch über den Notüberlauf - zum ersten Mal in der Geschichte des 48 Jahre alten Staudamms. Die Wassermassen schossen kreuz und quer den Hang hinunter und zerstörten eine Straße. Auch hier besteht die Gefahr von Erosion, die den Damm destabilisieren kann.

Weil der Wasserstand am Sonntagabend Ortszeit aber gesunken war, fließt zumindest vorerst kein Wasser mehr direkt über diesen Dammbereich neben dem Überlaufkanal.

Stabilisierung mit vielen Unbekannten

Entwarnung geben wollen die Behörden noch nicht. "Sobald die Struktur beschädigt ist, kann es katastrophal enden", sagte Bill Croyle von der zuständigen Wasserbehörde im Norden Kaliforniens.

Kory Honea, Sheriff des County Butte, sagte, die Situation sei "stabilisiert", aber es blieben "viele Unbekannte". Es könne noch nicht entschieden werden, ob die Bevölkerung bereits wieder in das Gebiet zurückkehren könne.

Rettungskräfte sind im Einsatz, um Schäden am Damm zu reparieren. Mit Baggern füllen sie Steine in große Säcke, die dann von Hubschraubern aus abgeworfen werden. So soll das große Loch im Entlastungskanal aus Beton geschlossen werden.

Im Falle eines Dammbruchs im Bereich des Notüberlaufs müsse mit einer neun Meter hohen Flutwelle gerechnet werden, hatten Behörden gewarnt. Am Sonntag hatte die zuständige Wasserbehörde via Twitter erklärt, der Damm könne binnen einer Stunde brechen. Zum Glück geschah dies nicht.

Gouverneur Jerry Brown hatte am späten Sonntagabend den Notstand für die Bezirke Butte, Sutter und Yuba ausgerufen. Ein Evakuierungszentrum wurde für die Menschen in der Ortschaft Chico auf einer Festwiese eingerichtet.

Um eine Katastrophe zu verhindern, leitete die zuständige Behörde zunächst größere Wassermassen über den Hauptabfluss des Staudamms ab. Am Freitag stand das Wasser zwei Meter unter der Oberkante des Damms - der Stausee hatte seine maximale Kapazität erreicht.

Der Damm wurde zwischen 1962 und 1968 gebaut. Er ist mit 235 Metern der höchste in den USA und überragt den berühmten Hooverdamm um zwölf Meter. Der Oroville-Damm ist rund 2300 Meter lang und staut den Oroville-See auf. Er dient der Stromgewinnung.

Teile Kaliforniens hatten in den zurückliegenden Tagen wegen heftiger Regenfälle unter Wasser gestanden. Bewohner wurden aus ihren Häusern gerettet, nachdem der Fluss San Lorenzo über die Ufer getreten war. Die Wassermassen überraschten den Bundesstaat nach Jahren der Dürre.

Korrektur: In einer früheren Version diese Textes hieß es, der mit Beton ausgekleidete Überlaufkanal sei zum ersten Mal in der Geschichte des 48 Jahre alten Staudamms genutzt worden. Das stimmt jedoch nicht. Vielmehr war es der Notüberlauf daneben.

hda/AFP/Reuters/dpa



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