Kalifornien: Mysteriöse Invasion riesiger Kalmare beunruhigt Taucher

Sie sind bis zu anderthalb Meter groß und bis zu 45 Kilogramm schwer: Zahllose Kalmare schwimmen derzeit vor Südkalifornien. Taucher haben Angst vor den messerscharfen Waffen der Tiere. Manche berichten von Angriffen, manche sagen, die riesigen Schwimmer seien einfach nur neugierig.

San Diego - Normalerweise leben sie vor der Küste von Süd- und Mittelamerika in der Kälte und Dunkelheit der Tiefsee: die Kalmare des Humboldtstroms. Doch nun haben sie sich in ungewohntes Revier vorgewagt - und suchen in einer Art Invasion die Küstengewässer Südkaliforniens heim. An den Stränden dort wurden bereits zahlreiche tote Exemplare angeschwemmt.

Taucher in San Diego beklagten sich über Angriffe durch die bis zu anderthalb Meter großen und bis zu 45 Kilogramm schweren Tiere. Als besonders friedfertig sind die fleischfressenden Schwimmer, die zum Teil in Gruppen von mehr als tausend Tieren jagen, ohnehin nicht bekannt. Sogar über Kannibalismus unter Kalmaren ist berichtet worden. Vor allem in der Dunkelheit sind die Tiere, die ihre Farbe in Windeseile von rot zu weiß ändern können, aktiv. Kalmare besitzen einen extrem harten und messerscharfen Schnabel, um ihre Beutetiere zu erlegen.

Manche der Taucher von San Diego trauen sich deswegen nicht mehr in ihre angestammten Gewässer. Einige, wie Shanda Magill, berichten auch von Angriffen durch die bis zu 24 Kilometer pro Stunde schnellen Kalmare. Nur mit wüsten Tritten habe sie sich vor einem angreifenden Tier in Sicherheit bringen können, berichtete die Frau. Schwimmern und Surfern machen die Tiere hingegen nichts aus, weil sie sich nicht im ganz flachen Wasser aufhalten.

Manche Taucher wie Roger Uzun berichteten, die Tiere seien eher neugierig als aggressiv gewesen. Uzun hat ein Video über seine Begegnung mit den schwimmenden Giganten gedreht (siehe Kasten). Es ist über die Videoplattform YouTube zugänglich und bereits mehr als 70.000-mal aufgerufen worden. In dem Film mutmaßt der Taucher, dass ein unterseeisches Beben vor La Jolla die Tiere an die südkalifornischen Küsten gebracht hat.

Doch Tatsache ist: Forscher haben bisher keine gesicherten Erkenntnisse, was die Massenmigration der Tiere ausgelöst hat. Es könnte sein, dass sich die Kalmare zusammen mit ihrer Beute - Fische und Krill - in das neue Revier vorgewagt haben. Auch in den vergangenen Jahren, zum Beispiel 2002 und 2005, hat es in der Region größere Invasionen von Kalmaren gegeben. Einige Forscher vertreten auch die Ansicht, dass sich die Kalmare mittlerweile dauerhaft vor der südkalifornischen Küste angesiedelt haben.

chs/AP

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