Kalkalgen Saure Ozeane schädigen wichtige Winzlinge

Mikroskopisch kleine Kalkalgen bilden einen wichtigen Baustein im großen Kohlenstoff-Kreislauf der Meere. Doch die Versauerung der Ozeane macht ihnen zu schaffen: Die Organismen bilden immer dünnere Schalen aus. Es gibt aber auch eine krasse Ausnahme von dieser Regel.

DPA/ Cerege/ Luc Beaufort/ Univ. Aix-Marseille/ CNRS

Hamburg - Höhere Kohlendioxid-Konzentrationen wirken nicht nur auf die Atmosphäre, sondern auch auf die Meere. Denn Kohlendioxid reagiert mit Wasser zu Kohlensäure, welche das Meer saurer werden lässt. Der sinkende pH-Wert des Wassers bereitet vielen Meeresforschern Sorgen. Er beeinträchtigt unter anderem Korallenriffe massiv. Auch die Polargebiete sind stark betroffen.

Jetzt haben Forscher den Einfluss des saureren Wasser auf Coccolithoporiden, mikroskopisch kleine Kalkalgen, untersucht. Laut ihrer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie beeinträchtigt er die Organismen noch stärker, als bisher angenommen wurde.

In einem Kalzifizierung genannten Prozess bilden die in den Ozeanen weit verbreiteten Organismen ein Skelett aus Kalkplättchen aus. Weil die Winzlinge so häufig vorkommen, ist dieser Prozess ein sehr wichtiger Bestandteil des Kohlenstoffkreislaufs in den Meeren. Die winzigen kleinen Algen können sogar sichtbar Großes bewirken: Über sehr lange Zeiträume bildeten ihre Kalkablagerungen etwa die Kreidefelsen von Rügen.

Doch die Kohlensäure greift den Kalk an. In saurerem Wasser bilden die Coccolithoporiden dünnere Kalkskelette, berichtet das internationale Forscherteam um Luc Beaufort von der Université Aix-Marseille in Aix-en-Provence.

Robuste Kalkalge vor Chile entdeckt

Nach Laborversuchen hatten Wissenschaftler bereits seit längerem vermutet, dass die Kalkalgen empfindlich auf eine Versauerung der Ozeane reagieren. Nun haben Forscher erstmals anhand einer Vielzahl von Plankton- und Sedimentproben untersucht, wie sich die Kalkbildung in den vergangnen 40.000 Jahren verändert hat. Mit der zunehmenden Versauerung der Meere sei eine Verschiebung hin zu Arten und Stämmen mit schwächeren Schalen zu erkennen, so die Studie.

"Die Reaktionen im natürlichen System sind viel stärker als bislang angenommen", sagt der an der Studie beteiligte Björn Rost vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Coccolithoporiden können also heute weniger Kalk binden - "mit ungewissen Folgen für den Kohlenstoff-Kreislauf in den Ozeanen".

Allerdings entdeckten die Wissenschaftler in einer besonders stark versauerten Meeresregion vor Chile Kalkalgen-Arten mit extrem starken Schalen. Offenbar habe sich dieser Stamm über einen längeren Zeitraum an die veränderten Bedingungen angepasst.

wbr/dpa



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