Kampf gegen die Ölpest Stahlkuppel auf dem Weg zur Unglücksstelle

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat eine gewagte Aktion begonnen: In Louisiana brach ein Schiff mit einer 113 Tonnen schweren und zwölf Meter hohen Stahlkuppel auf - sie soll in den nächsten beiden Tagen über das sprudelnde Bohrloch in 1500 Metern Tiefe gestülpt werden.

Stahlkuppel auf dem Weg zur Unglückstelle: 113 Tonnen schwer, zwölf Meter hoch
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Stahlkuppel auf dem Weg zur Unglückstelle: 113 Tonnen schwer, zwölf Meter hoch


New Orleans/Washington - Der Ölkonzern BP hat mit dem Einsatz einer Stahlglocke begonnen, die das Leck am Bohrloch der gesunkenen Förderplattform im Golf von Mexiko blockieren soll. Arbeiter verluden die Konstruktion im Hafen von Port Fourchon im Bundesstaat Louisiana auf ein Schiff, von wo aus sie an die Unglücksstelle gebracht werden sollte.

Knapp zwei Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" gab es außerdem bereits einen kleinen Fortschritt vor der US-Südküste: Dem BP-Konzern gelang es, das kleinste der drei Lecks am Meeresboden zu schließen. BP will das aufgefangene Öl dann auf ein Bohrschiff leiten. Der Konzern hofft, dass das komplizierte System innerhalb von sechs Tagen einsatzbereit ist. Eine solche Aktion in dieser Tiefe gab es bislang noch nie.

BP-Manager Doug Suttles sagte, es könne angesichts der Schwierigkeiten zunächst "frustrierend" werden. Aber: "Ich bin überzeugt, dass wir sie (die Kuppel) zum Funktionieren bringen." Klappt das Manöver, will der Ölkonzern eine zweite solche Vorrichtung einsetzen, um das andere Leck abzudichten.

Politischer Druck auf BP

Inzwischen werden in Washington die Rufe lauter, BP nicht nur für die Reinigungsarbeiten, sondern auch für die erwarteten Schäden in Natur und Wirtschaft in vollem Umfang zur Kasse zu bitten. Zwei demokratische Senatoren im Kongress wollen erreichen, dass eine gesetzliche Obergrenze für derartige Schadensersatzleistungen von 75 Millionen Dollar auf zehn Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) erhöht wird. BP-Chef Tony Hayward hatte versichert, dass der Konzern "legitime" Ansprüche befriedigen werde.

Das Leck, das ein Unterwasserroboter mit einem Ventil schließen konnte, ist eines von drei, aus denen seit nunmehr fast zwei Wochen täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Wasser fließen. Bereits am Dienstag hatte Suttles deutlich gemacht, dass sich der Ölaustritt kaum verringern werde, wenn nur das kleinste Leck abgedichtet werde.

Das Wetter spielt weiter mit: Günstige Winde halten den Ölteppich weiter vom Festland fern, die Einsatzleiter erwarten, dass das mindestens bis zum Wochenende so bleibt. Damit erhalten die etwa 7500 Einsatzkräfte mehr Zeit, um die Säuberungsarbeiten und Schutzmaßnahmen für die Küstenregion voranzutreiben. So wurde auch am Mittwoch daran gearbeitet, schwimmende Barrieren auszulegen und Öl abzuschöpfen.

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Golf von Mexiko: Kuppeln für den Meeresboden
Die Hoffnungen konzentrieren sich jedoch auf die rund 113 Tonnen schwere Stahlkuppel: Sie könnte, wenn alles klappt, nach Expertenangaben den Ölfluss zu 80 Prozent stoppen - so lange, bis das endgültige Abdichten der Lecks gelungen ist. Nach Absetzen des Behälters in 1500 Metern Tiefe müssen noch Leitungen von der Konstruktion zu einem Bohrschiff gelegt werden.

Schwierig ist das Manöver schon allein wegen der Meeresströmungen. Kurt Reinicke vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der TU Clausthal sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Die Umweltbelastung wird abgestellt, Sie gewinnen Zeit. Aber das Problem ist natürlich nicht gelöst. Das ist es erst, wenn die Bohrung unter Kontrolle ist. In die Kuppel tritt ja weiter unkontrolliert Öl aus."

Reinicke erklärte weiter, bevor die zwölf Meter hohe Konstruktion platziert werden könne, werde BP versuchen, ein neues Absperrventil über dem Bohrlochkopf anzubringen. Dazu müssten Leitungen kurz oberhalb des Kopfes gekappt werden. "Damit wird der Querschnitt der Bohrung geöffnet. Klappt es (das Ventil anzubringen), wäre die Bohrung unter Kontrolle, klappt es nicht, wird mehr Öl ausströmen, weil Fließwiderstände beseitigt wurden."

Am 22. April war die Bohrinsel gesunken, die BP von der Firma Transocean geleast hatte. Es kursieren unterschiedliche Angaben, wie viel Öl im schlimmsten Fall noch austreten kann. Am Dienstag informierten Vertreter von BP und Transocean US-Kongressmitglieder hinter verschlossenen Türen über das Ausmaß des Unglücks. Nach Medienberichten gab ein BP-Manager dabei als schlimmstes mögliches Szenario den täglichen Austritt von 60.000 Barrel Rohöl an. Das wäre mehr als zehnmal so viel wie jetzt. Suttles sagte am Mittwoch dem Sender CNN, dass dieses Szenario aber unwahrscheinlich sei. 60.000 Barrel entsprechen mehr als 8000 Tonnen.

luk/dpa/AFP

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Hilfskraft 30.04.2010
1. Berauscht vom Bohr-Boom
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Wenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
kdshp 30.04.2010
2. aw
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Gegengleich 30.04.2010
3. Ersticken?
Zitat von HilfskraftWenn man den Hals nicht voll kriegt, erstickt man halt dran. H.
Was heißt erstickt dran? Schauen Sie mal nach den weltweit größten Konzernen. Und dann, wieviele Öl-Mulits darunter sind. Von Ersticken kann da keine Rede sein.
Hubert Rudnick, 30.04.2010
4. Berauscht vom Öl?
Zitat von sysopDie Ölpest im Süden der USA nimmt immer dramatischere Ausmaße an und erreicht inzwischen die Küste. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Hat das Krisen-Management funktioniert?
Erdöl ist in unserer Gesellschaft ein sehr wichtiger Rohstoff, dass man damit auch sehr viel Geld verdienen kann, dass zeigen uns die Konzerne jeden Tag. Aber wer die Rohstoffvorkommen unseres Planeten ausbeuten will, den Nutzen davon tragen möchte, der sollte auch dazu gezwungen werden, dass die Menschen auch hinterher noch gut in ihren Regionen leben können. Man sagt wo gearbeitet wird, da geschehen dann auch Unglücke und Katastrophen, dass gehört anscheinend zusammen, aber wir sollten mit der Zeit gelernt haben diese zu minimieren und die Schäden zurückzudrängen. Wenn nun bei der Förderung der Rohstoffe es zu Katastrophen kommt, dann sollten aber auch die Betreiber schnellsten und fachgerecht zum Schutze der Menschen und der Umwelt was erfolgreiches dagegen machen. Sollte denn keiner heutzutage in der Lage sein, diese Katastrophe schneller einzudämmen? Ich glaube nicht, dass man solche oder andere Katastrophen total ausschließen kann, aber man sollte besser auf so etwas vorbereitet sein. Wir Menschen hinterlassen über unsere Spuren, aber viele davon sollte man eben schnellsten beseitigen.
Realo, 30.04.2010
5. Lesen & verstehen !
Zitat von kdshpDie Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entlarvt die Schwachstellen der Tiefseebohrung: Die Förderfirmen bauen immer größere Anlagen, doch auch die Risiken steigen. Auf der Plattform "Deepwater Horizon" wurde auf ein spezielles Sicherheitssystem verzichtet - möglicherweise aus Kostengründen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692282,00.html Hallo, ja das ist nicht nur auf ölbohrinseln so! Ich erlebe täglich das hier in deutschland unternehmen an der sicheheit sparen. Wenn was passiert ist der schaden oft viel höher als die ganze sicherung vorher. Deswegen sollte BP hier nicht nur alles bezahlen sondern auch eien strafe zahlen und oder gar verboten werden sollte.
Die Bohrinsel gehörte Transocean. BP hat sie lediglich nachträglich gemietet. Einen 3 Preventer nachträglich einzubauen ist nicht möglich. Also bitte posten Sie nicht so einen Quatsch....Danke !
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