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Kanada: Arktis-Eisschelf verliert riesige Brocken

Das größte Eisschelf der Arktis hat zwei gigantische Stücke verloren. Die gefrorenen Inseln haben eine Fläche von insgesamt fast 20 Quadratkilometern. Experten halten das dramatische Schauspiel für eine Folge des Klimawandels.

Montreal - Das Ward-Hunt-Eisschelf ist das größte seiner Art in der Arktis. Doch das könnte schon bald Vergangenheit sein, falls der Verlust an Eis mit der derzeitigen Geschwindigkeit weitergehen sollte. Jetzt haben sich zwei gewaltige Brocken des Schelfs, das zur kanadischen Insel Ellesmere gehört, gelöst und sind ins Meer abgetrieben.

Wie Luc Desjardins vom kanadischen Eisdienst am Dienstag mitteilte, hat das kleinere der beiden Stücke eine Fläche von vier bis fünf Quadratkilometern, das größere von rund 14 Quadratkilometern. "Das erste brach ungefähr am 22. Juli ab, das zweite in der Nacht zum 24. Juli", erläuterte der Experte. Die Stücke gehörten seit rund 3000 Jahren zum Ward-Hunt-Schelf. Die Insel Ellesmere schließt im Norden mit fünf großen Eisschelfen ab, Ward Hunt gilt mit einer Fläche von 443 Quadratkilometern als das größte.

In der Eisfläche war im Jahr 2002 ein tiefer Riss entstanden, in diesem Frühjahr wurde ein neuer Riss festgestellt. Derek Mueller von der Trent University im kanadischen Peterborough sagte, es sei für ihn nicht überraschend, wenn das Ward-Hunt-Schelf in diesem Sommer noch weitere große Stücke verlöre. Trotz einer Zeit der relativen Stabilität in den 1980er Jahren wird es seit den 1930er Jahren immer kleiner, sagte Mueller. Allein an seinem Südrand habe das Schelf in den vergangenen sechs Jahren 18 Quadratkilometer verloren.

Zwar war Mueller vorsichtig, diesen Vorgang als direkte Folge der globalen Erwärmung zu bezeichnen. Doch das Schwinden des Ward-Hunt-Schelfs passe zu den entsprechenden Berechnungen. Und mit Sicherheit trage die Erwärmung "nicht zur Stärkung der arktischen Eisschelfs bei", so der Forscher. "Wir leben jetzt in einem anderen Klima." Er bezeichnete den Rückgang der Eisschelfs als einen "Einbahnstraßen-Prozess".

Dieser Vorgang sei überall in der Arktis zu beobachten, sagte Gary Stern, einer der Leiter eines großen internationalen Projekts zur Meereis-Erforschung. Das Auseinanderbrechen des Ward-Hunt-Schelfs stehe im Zusammenhang mit ähnlichen Ereignissen, die sich Tausende Kilometer entfernt abspielten.

Stern, der sich derzeit auf dem kanadischen Eisbrecher "Amundsen" befindet, sagte, er habe seit Wochen kein Eis gesehen. Pläne, im Februar ein Eiscamp aufzubauen, habe man aufgeben müssen, weil das ansonsten zuverlässig erscheinende Eis zwei Jahre in Folge ausgeblieben sei. "Niemand auf dem Schiff ist mehr überrascht", sagte Stern. "Die Dinge passieren schnell, und das wird auch weiterhin so sein."

mbe/AFP/AP

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Abgebrochen: Ward-Hunt-Schelf verliert große Teile


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