Katastrophe in Kanada Die Mär von den Klimawandel-Waldbränden

In Kanada wüteten riesige Waldbrände - Schuld sei der Klimawandel, behaupten Forscher. Dabei sind andere Ursachen viel naheliegender.

REUTERS

Von


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Bei Naturkatastrophen gilt der Klimawandel gerne als Ursache. Während die Behauptung bei manchen Hitzewellen oder Sturmfluten gut belegt sein mag, erweist sie sich bei anderen aber als unpassend.

Gerade gibt es Meldungen, fünf Pazifikinseln seien wegen der globalen Erwärmung versunken. Forscher sahen sich zu einer Richtigstellung gezwungen. Auch der Syrienkrieg, Hurrikane oder gleich "90 Prozent aller Naturkatastrophen" wurden irrtümlich dem Klimawandel angelastet.

Jetzt trifft das Ritual die verheerenden Feuer in Kanada, die Waldflächen doppelt so groß wie Berlin vernichtet haben. Die Stadt Fort McMurray musste gar geräumt werden. Zahlreiche Medien, darunter die "New York Times" und "BBC", machen unter Berufung auf Wissenschaftler den Klimawandel verantwortlich.

Die Beweislage allerdings ist dürftig. Sie geht so: Der teils menschengemachte Klimawandel mache sich in hohen Breiten wie Kanada besonders bemerkbar, die Regionen erwärmten sich schneller als andere - das ist tatsächlich eine gut belegte Tatsache.

Seltene Hitzewelle

Zu erwartende Folgen wären, so warnen Klimaforscher: Der Schnee taue früher, nördliche Regionen würden im Frühjahr trockener, mithin anfälliger für Waldbrände. Studien stellen diese Entwicklung in der Tat in Aussicht.

Aber sind die aktuellen Feuer tatsächlich aus diesen Gründen entstanden? Wohl kaum.

Hauptschuldiger ist vielmehr ein Tiefdruckgebiet, das für die Frühlingszeit ungewöhnlich weit nördlich lag. Mit seiner Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn fächerte es tagelang warme, trockene Luft aus Südwesten bis in den Norden Albertas, wo es mehr als 30 Grad warm wurde - 17 Grad mehr als Anfang Mai üblich. Hinzu kam starker Wind, der die Flammen vor sich her trieb.

Die selten Hitzewelle traf auf eine ungewöhnlich entwickelte Vegetation: Der Schnee war früh getaut, die Vegetation lag karg und trocken. Seit Dezember war nur halb so viel Niederschlag gefallen wie üblich.

Das Wetter hatte eine Ursache: Der Klimaschurke El Niño war aufgezogen, seine pazifische Warmwasserflut ändert die Witterung auf der halben Welt. Kanada bringt er gewöhnlich Wärme und Trockenheit. So auch in diesem Jahr. Ob der Klimawandel El Niños befördert ist unklar.

Weniger Feuer, größere Feuer

In der kanadischen Waldbrandstatistik ist das Jahr 2016 auf dem Weg, einen Spitzenplatz einzunehmen. Der Trend der vergangen 25 Jahre allerdings scheint bislang wenig Anlass zur Sorge zu geben (siehe Grafik): Es gibt weniger Waldbrände als in den Neunzigerjahren (Linie), sie verbrannten in den vergangenen Jahren allerdings etwas mehr Fläche (Balken).

Waldbrände in Kanada 1990 bis 2015
National Forestry Database

Waldbrände in Kanada 1990 bis 2015

Größere Feuer deuten manche Forscher allerdings als Indiz für eine gefährliche Wende in Kanada zu mehr größeren Bränden, die nun bevorstehe.

Von 1960 bis 1980 hätte die verbrannte Fläche in Kanada deutlich zugenommen, konstatierten Wissenschaftler bereits vor zwölf Jahren. Auch sie wähnten den Klimawandel als Ursache. Allerdings fiel die Zunahme in die Zeit verstärkter Industrialisierung in Kanadas Wäldern.

Russische Behörden mahnen seit langem, dass höheres Menschenaufkommen in den Wäldern ihres Landes zunehmend für Brände verantwortlich sei. Auch dort meinen Forscher, vermehrt Feuer festgestellt zu haben.

Ob der Klimawandel Schuld ist, lässt sich nur schwer beweisen, zu viele Ursachen kommen in Frage. Mehr Trockenheit kann die Feuer befördern, aber ebenso können veränderter Bewuchs, Monokulturen, vermehrte Gewitter, Unachtsamkeit oder Brandstiftung die Ursachen sein.

Nützliche Waldbrände

Zwar konstatiert etwa der US-Wetterdienst NOAA, dass die Wahrscheinlichkeit für Buschfeuer in Kalifornien und anderen Regionen aufgrund der Erwärmung gestiegen sei. Doch Zweifel bleiben.

Feuer gehören zum natürlichen Ablauf, Landschaften benötigen sie zur Erneuerung ihres Bestands, zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Düngung. Brände setzen Samen frei, reduzieren Schädlinge, ihre nährstoffreiche Asche fördert das Wachstum gesunder Pflanzen.

Und selbst wenn einzelne Jahreszeiten trockener würden, muss die Gefahr nicht erhöht sein - sofern sich übers Jahr genug Bodenfeuchte gesammelt hat.

Dass Kanada übers Jahr gesehen überhaupt trockener wird, erscheint dem Uno-Klimabericht zufolge aber zweifelhaft. Klimasimulationen zufolge sollten feuchte Regionen eher noch feuchter werden.

Das Wetter in der Katastrophenregion ist unterdessen umgeschlagen. Eine Kaltfront bringt Regen. Die Feuerwehr konnte erste Brände eindämmen.


Zusammengefasst: Berichten zufolge ist der Klimawandel wesentlich Schuld an den verheerenden Waldbränden in Kanada. Beweise für die These aber gibt es nicht. Vielmehr traf eine ungewöhnlich warme, trockene und stürmische Wetterlage Anfang Mai auf die vom Klimaphänomen El Niño ausgetrocknete Vegetation.

insgesamt 127 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Benzilla 11.05.2016
1. Stand der Populärwissenschaft
Ja, der böse Klimawandel ist eben der allgemein akzeptierte Schuldfaktor Nr.1. Von der Kindergärtnerin über den Lehrer, über den gesamten Bekanntenkreis sind sich alle einige: Der Klimawandel ist Schuld. Ein altes Muster mit neuem Inhalt. In der frühen Neuzeit war es ein anderer Inhalt: Dort war Hexerei die Ursache für Missernten, Unglücke, etc. Damals war das Stand der Wissenschaft, so wie heute der Klimawandel. Man darf sich fragen, wie man in 500 Jahren über uns und unseren Klimawandel schmunzelt. Und was dann der grosse Satan sein wird?
sebastian.teichert 11.05.2016
2. Nur logisch
Selbst wenn der Klimawandel schuld sein sollte (den es immer gab) mehr Dünger, mehr Waldteichs, mehr Waldteichs, mehr CO2 Aufnahme. Wir pulvern nur etwas viel in etwas wenig Zeit in die Luft.
snickerman 11.05.2016
3. Super recherchiert!
Weite Teile des Landes sind eher trocken, was nur wegen des borealen Klimas nicht so auffällt. Alberta z.B. liegt im Regenschatten der Rockies und hat ein Waldsteppen-Klima. Ft. McMurray hat einen Durchschnittsniederschlag von 340 mm (halb soviel wie Köln, 50% weniger als Magdeburg). Da macht sich jede Erwärmung deutlich bemerkbar. In Alaska ist es noch schlimmer, da tauen obendrein noch die Permafrostböden auf, was zu starken Verwerfungen und zum Verschwinden zahlreicher Seen geführt hat. Natürlich gibt es für jedes Feuer Ursachen- der langfristige Trend wird es ja zeigen.
Ein_denkender_Querulant 11.05.2016
4. El Nino und der Klimaswandel
Es ist eine Verkettung vieler Zusammenhänge. El Nino kommt durch den Klimawandel häufiger vor und die Extemwetterlage wird ebenso durch den Klimawandel begünstigt. Der Klimawandel ist nicht die Ursache der Brände, mittelbar hat er aber unterstütend gewirkt. Was ist daran so schwer zu verstehen?
michael.dittmar 11.05.2016
5. Ein Artikel weit unter Niveau
der Titel kommt im Text eigentlich gar nicht vor.. ``Die Mär von den Klimawandel-Waldbränden" denn im Text steht: ``Ob aber der Klimawandel Schuld ist, lässt sich nur schwer beweisen, zu viele Ursachen kommen in Frage." also lässt sich das Gegenteil wie behauptet wird auch nicht beweisen. Aber es geht dem Schreiber ja wohl nur um Sensation und Benzilla ``Ja, der böse Klimawandel ist eben der allgemein akzeptierte Schuldfaktor Nr.1." wie waere es Klimawandel durch den Raubbau an der Natur zu ersetzen (die Bilder von den Tarsand Ölfeldern sehen fast schlimmer aus als nach einem Waldbrand) und Raubbau an der Natur.. na das brauchen wir bis der letzte Baum gefällt wurde .. (und jetzt gehe ich in Deckung vor den Angriffen der Wachstumsgläubigen..)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.