Kannibalismus Tyrannosaurier fraßen Artgenossen

Tyrannosaurier gehören zu den größten Fleischfressern, die je gelebt haben. Eine neue Studie zeigt: Sie fielen auch über Artgenossen her. Das beweisen tiefe Bissspuren in versteinerten Knochen der Raubtiere.

REUTERS

San Francisco - Sie gehörten zu den beeindruckendsten Erscheinungen der Kreidezeit: Tyrannosaurier konnten die Ausmaße eines Busses erreichen, fünf Meter hoch und 13 Meter lang werden. Die Kolosse hätten Menschen einfach zertreten können - und sie verschmähten offenbar auch ihre Artgenossen nicht, wie eine neue Studie zeigt - Tyrannosaurus rex war demnach ein Kannibale.

Ein Team um Nick Longrich von der Yale University in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) hatte an vier Knochen von Tyrannosaurus-Exemplaren tiefe Kerben entdeckt - darunter einen riesigen Zahnabdruck. Anhand des Alters des Fundes und der Größe des Zahnabdrucks konnten die Forscher die Bissspur einem Tyrannosaurus rex zuordnen. Die Analyse des angebissenen Knochens ergab, dass er ebenfalls zu einem Tyrannosaurus gehörte. Das sei der Beweis, dass der Raubsaurier das Opfer eines Artgenossen war, schreiben Longrich und seine Kollegen im Online-Fachblatt "PLoS One".

Konkurrent weg, Mahlzeit da

"Von der Art der Struktur kommt jeder große Fleischfresser in Betracht, aber Tyrannosaurus rex war vor 65 Millionen Jahren der einzige im Westen Nordamerikas", erklärt Longrich. In der Region wurden die Knochen entdeckt.

In verschiedenen Museen fanden die Forscher daraufhin Kannibalismus-Spuren bei drei weiteren Tyrannosaurus-Fußknochen und einem Armknochen. "Es ist überraschend, wie häufig Kannibalismus vorgekommen sein muss", meint Longrich. Bislang war bei Dinosauriern das Fressen von Artgenossen nur für die Gattung Majungasaurus nachgewiesen.

Die Zahnspuren auf den Knochen sind den Wissenschaftlern zufolge zwar eindeutig beim Fressen entstanden. Unklar sei aber, ob die Mahlzeit am Ende eines Rivalenkampfes oder einer gezielten Jagd gestanden habe. "Auch bei heutigen Fleischfressern kommt so etwas vor - auf diese Weise lässt sich ein Konkurrent ausschalten, und es gibt gleich noch eine Mahlzeit dazu", sagt Longrich.

Die Erkenntnisse geben nach Überzeugung von Longrich einen Einblick in das Fressverhalten des Tyrannosaurus rex. Aufgrund des offenbar weit verbreiteten Kannibalismus sei das Raubtier vermutlich ein Einzelgänger gewesen - im Gegensatz zu vielen großen Fleischfressern unserer Tage wie beispielsweise Löwen oder Wölfen.

boj/dpa/AP/dapd



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Miguelito 16.10.2010
1. .
Zitat von sysopTyrannosaurier gehören zu den größten Fleischfressern, die je gelebt haben. Eine neue Studie zeigt:*Sie fielen auch über*Artgenossen her. Das beweisen tiefe Bissspuren in versteinerten Knochen der Raubtiere. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,723369,00.html
Die Frage, ob sie nur T-Rex-Aas gefressen oder sich über lebende T-Rex-Artgenossen hergemacht haben, wird sich wohl nie klären lassen. - Nur letzteres würde ich persönlich als Kannibalismus bezeichnen.
Hypnosekröte 16.10.2010
2. Nur Indizien
Alles nach wie vor Hypothese... Ratten z.B. fressen tote Rudelmitglieder. Man geht davon aus, das sie das tun um Aasfresser oder Raubtiere fernzuhalten, die von dem verwesenden Körper angelockt werden könnten. Deshalb sind Ratten aber keine Kannibalen. Ich finde es immer wieder interessant, wie aus einem Indiz ein anggeblicher Fakt geschaffen wird. Nicht sehr professionell...
hoernsche 16.10.2010
3. Gestern, heute, morgen...
Gestern waren Raubsaurier furchtbare, schwerfällige Einzelgänger. Heute sind sie rudelbildende, schlaue Treibjäger, die ihre Beute von Halbstarken zu den Erwachsenen treiben lassen. Morgen werden es sich selbst auslöschende Kannibalen sein. Es wird geschätzt, dass erst 2% aller Dinosaurierarten durch Fossilien nachgewiesen sind, jedoch ist man "sicher", dass der T-Rex kurz vor dem Ende der Saurier der einzige große Theropode in Nordamerikas Westen war. Und wenn ein hungriger Tyrannosaurus einen Fleischberg vor sich sieht, macht er selbstverständlich auch unseren, menschlichen Ethikkampf durch, ob es denn richtig sei, seine eigene Art zu vertilgen oder nicht. Was wird sich der Saurier gefreut haben, als er sich zum fressen entschied, dass er 65mio Jahre später dadurch noch ein bisschen mehr "bad boy" sein wird...und natürlich schlussfolgert man im nächsten Atemzug, dass der gefressene T-Rex von seinem Artgenossen gerissen wurde. Krankheit, Altersschwäche, Unfälle und Spätfolgen von bspw. Revierkämpfen und die damit verbundene Beseitigung von Kadavern im Sinne der Gesundheitspolizei, wie sie heute Geier, Haie und diverse Insekten darstellen, gab es zu der Zeit selbstverständlich nicht. Natürlich ist es mit dem verflogenen Hype um 'Jurassic Park' und nach den schönen BBC-Dokus schwierig, neue Forschungsgelder zu erhalten - deswegen jedoch sofort die abstrusesten Rückschlüsse zu ziehen, um immer möglichst "mega" zu bleiben, ist mittel- und langfristig gedacht nicht nur kontraproduktiv, sondern in meinen Augen vor allem nicht im Sinne der Wissenschaft.
Heiner Milch 16.10.2010
4. damal im Paradies...
Dieser Artikel ist Quatsch. Jedes Kind weiß doch, dass die Dinosaurier und Menschen früher friedlich im Paradies gelebt haben. Die Bissspuren an den Knochen hat Gott dort platziert um unseren Glauben zu prüfen :-). Wer das nicht glaubt, soll die Bibel lesen!
leser008 16.10.2010
5. Seh ich auch so
Zumindest hätte in dem Artikel die Variante erwähnt werden müssen, dass es sich ggf teilweise um das Fressen von Aas gehandelt haben könnte. Ich meine mich zu erinnern, dass in anderen Artikeln der Tyrannosaurus ausdrücklich als Aasfreser eingestuft wurde. Nicht zu Ende gedacht.
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