Dürrekrise in Kapstadt Bürger dürfen nur noch 50 Liter Wasser pro Tag verbrauchen

Südafrika erlebt eine verheerende Dürre. Die Stadtverwaltung in Kapstadt warnt vor der "Stunde Null" - dann müsste sie das Wasser komplett abstellen. Nun will sie die Bewohner zwingen, kein Trinkwasser mehr zu verschwenden.


In Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt wird die Wasserversorgung wegen andauernder Dürre nochmals drastisch reduziert. In den nächsten fünf Monaten dürften Bürger nur noch 50 Liter Trinkwasser pro Tag verbrauchen, erklärte die Stadtverwaltung. Zuletzt galt noch ein Tageslimit von 87 Litern pro Person.

Für Haushalte, die mehr Wasser verbrauchen, soll der Wasserpreis von Februar an nochmals drastisch erhöht werden. "Wir können die Menschen nicht mehr bitten, kein Wasser mehr zu verschwenden", erklärte die Stadtverwaltung. "Wir müssen sie zwingen."

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Kapstadt: Es fehlt das Wasser

Die 50 Liter pro Person müssen für Trinken, Kochen, Putzen, Duschen und Toilettenspülung reichen. Zum Vergleich: In Deutschland werden pro Person mehr als 120 Liter Wasser pro Tag verbraucht. Der Grund für die Wassersparmaßnahmen ist die schlimmste Dürre in der Provinz Westkap seit Jahrhunderten, die Reservoire sind trocken.

Mit den Maßnahmen will die Stadt die nach derzeitigem Stand am 21. April drohende "Stunde Null" abwenden - dann müsste die Stadtverwaltung das Wasser komplett abstellen. Die rund 4,5 Millionen Einwohner müssten sich dann ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen. Es sei unglaublich, heißt es von der Stadtverwaltung, dass eine Mehrheit der Menschen nicht besorgt scheine "und uns geradewegs in Richtung 'Stunde Null' treibt".

aar/dpa



insgesamt 52 Beiträge
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womo88 19.01.2018
1. Ganz einfach erklärt ...
Es geht um 4,5 Mio. Menschen, die weniger Wasser verbrauchen sollen. Da denken viele: "Wenn ich als Einer von den 4,5 Mio. Einwohnern jetzt mehr verbrauche, fällt das doch nicht ins Gewicht." Und er verbraucht munter weiter wie so viele andere auch; ein beliebtes Beispiel im Ethikunterricht der 11. Klasse.
zerberus9333 19.01.2018
2. Wer ist daran schuld?
Sie haben vergessen zu erwähnen, dass diese Misere durch die örtliche Behörde verursacht ist. Wasserknappheit hat es hier schon immer gegeben, das ist kein plötzliches unvorhersehbares Ereignis. Man hat es aber versäumt rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen und selbst als die Dammlevel permanent in den letzten 3 Jahren z.T. drastisch zurückgingen wurde munter weitergewirtschaftet als gäbe es kein Morgen. Sparmassnahmen wurden erst eingeleitet als es paktisch schon 5 vor 12 war. Und nun sollen (wieder einmal) die Bürger die Versäumnisse der Politik ausbaden. (ein Betroffener)
112211 19.01.2018
3. Nur eine Frage der Zeit
Die Wasserverschwendung hierzulande ist schon haarsträubend. Jeden Tag ein Vollbad, literweise Toilettenspülung ...Solche Meldungen, auch wenn sie über Vorkommnisse fern unserer so bequemen Klimazone berichten, sollten uns zum Nachdenken anregen. Allzu weit braucht man sowieso nicht zu fahren: selbst in Europa gibt es Gegenden, die mit Wassermangel zu kämpfen haben, und zwar nicht nur in Spanien.
Lisa_can_do 19.01.2018
4. Gerade zurück von Kapstadt
Als Außenstehender würde man nicht merken, dass diese Stadt ein existenzielles Problem hat. Viele Wohnungs- und Lodge-Besitzer weisen Touristen nicht darauf hin, Springbrunnen aller Orts. Im Gespräch mit den Leuten vor Ort haben wir erfahren, dass Wasser normalerweise nichts kostet bis zu gewissen Mengen. Und diese Preise sind für die Weissen lächerlich und für die Mehrheit der völlig verarmten Schwarzen unerschwinglich. Zugang zu Wasser und WLAN-Zugang - die neue Apartheid, also zusätzlich zur immer noch bestehenden informalen Apartheid. Und ansonsten das gleiche Desinteresse der Masse wie bei uns.
C. V. Neuves 19.01.2018
5. Kongo
Wenn sich die Situation nicht bald verbessert hilf nur noch die Leute weiter nördlich anzusiedeln. Da muss man halt ein wenig vom verbliebenen Kongo-Urwald plattmachen.
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