Wasserspeicher in Kapstadt Eine Metropole trocknet aus

Satellitenbilder zeigen, wie das Wasser in Kapstadt immer knapper wird. Schon im April könnte die Verwaltung den Bewohnern das Wasser abdrehen.

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Die Menschen in Südafrika erleben derzeit eine beispiellose Dürre. Die Pegel in den Wasserspeichern sinken unaufhaltsam. Seit Donnerstag dürfen die 4,5 Millionen Bewohner der Metropole Kapstadt deshalb nur noch maximal 50 Liter Wasser am Tag verbrauchen. Zum Vergleich: In Deutschland fließen täglich mehr als 120 Liter pro Kopf.

Wie ernst die Lage ist, zeigen nun auch Satellitenaufnahmen von Kapstadts größtem Wasserreservoir. Der Theewaterskloof-Damm kann 480 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Das entspricht mehr als der Hälfte der Wassermenge aller Stauseen der Region. Allerdings ist er derzeit gerade mal zu etwa 13 Prozent gefüllt, wie auch die Bilder des Unternehmens planet.com zeigen.

"Tag Null" rückt immer näher

Der Tag, an dem Kapstadt seinen Einwohnern das Wasser abstellen muss, rückt immer näher. Rechnete die Metropole Ende Dezember noch mit dem 29. April 2018, droht jetzt bereits am 16. April 2018 das Aus. Dann müssten die Bewohner ihr Wasser an 200 Entnahmestellen abholen. Täglich maximal 25 Liter pro Person wären dann erlaubt - etwa zweieinhalb Putzeimer. Die Kontrolle an den Verteilungspunkten soll das Militär übernehmen. Schon jetzt zapft sich die Bevölkerung dort zusätzlich Wasser.

Die Trockenheit hat die gesamte Provinz Westkap in eine Wasserkrise gestürzt. Ihre Ausmaße in der gesamten Region verdeutlichen Falschfarbenbilder der Nasa. Sie vergleichen die Wasservorräte der Region am 28. Januar 2015 und am 29. Januar 2018 . Blau eingefärbt ist Wasser, grün Pflanzen.

Kapstadt und die umliegende Region sind an das gleiche Wassersystem angeschlossen. Allein auf die Metropole entfallen 64 Prozent des Wasserverbrauchs. Der Rest geht an andere Gemeinden oder fließt in die Landwirtschaft. Vom Gesamtverbrauch in den Sommermonaten sind 15 Prozent allein auf Verdampfung durch die große Hitze zurückzuführen.

Für die große Trockenheit wird vor allem das Klimaphänomen El Niño verantwortlich gemacht. In Südafrika fiel viel weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Das einzige, was die Region demnach entlasten könnte, wäre langanhaltender Regen. Mit diesem ist jedoch frühestens im Mai oder Juni zu rechnen. Bis dahin müssen die Reserven eingeteilt werden. Zugleich versucht die Stadt, der Trockenheit durch Meerwasserentsalzungsanlagen, Wasserrückgewinnung und Grundwasserentnahmen entgegenzuwirken.

Grundwasser in Gefahr

Langfristig plädieren deutsche Forscher jedoch dafür, neue Wasserquellen in tiefen Gesteinsschichten zu erschließen. Das wird in der aktuellen Dürre nicht helfen, könnte aber langfristig Katastrophen entgegenwirken. "Irgendwann sitzen bestimmte Regionen im südlichen Afrika im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen", erklärt Thomas Himmelsbach, Abteilungsleiter für den Bereich Grundwasser und Boden bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

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Der BGR bereitet auch der Grundwasserverbrauch Sorgen. Der Reserve werde mehr Wasser entzogen als über die natürliche Neubildung hinzukomme, schreibt die Behörde in einer Mitteilung. Sie erforscht in südafrikanischen Staaten Grundwasserreserven in größeren Tiefen. Ein Projekt beschäftigt sich mit einem Ende der Neunzigerjahre entdeckten Aquifer auf dem Gebiet von Namibia und Angola.

Im Ohangwena-Vorkommen fließt das Wasser in alten Gesteinsschichten mehrere Hundert Meter unter der Erde. Laut BGR kann sich die Reserve langsam erneuern. Die Regierung Namibias betrachtet den Grundwasserleiter inzwischen als strategische Wasserressource.

Zwar sei die Neuwasserbildung nicht mit der in Regionen wie Deutschland vergleichbar. "In Phasen länger anhaltender Dürren kann das Vorkommen die Wasserversorgung im Norden Namibias zumindest zeitweise stützen", so Himmelsbach. Das liegt auch an der großen Ausbreitung des Wasserreservoirs.

Untersuchungen legen nahe, dass es weitere große Grundwasservorkommen im Süden Afrikas gibt. Um diese aufzuspüren, müsse die Region allerdings systematisch erkundet werden. Schließlich komme es zudem darauf an, die Vorräte so zu nutzen, dass sie nicht nach kurzer Zeit austrocknen.

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