Raffinierte Technik So knacken Affen Nüsse

Wie kommt man an das Innere einer Nuss, ohne den schmackhaften Kern zu zerschmettern? Ein Video zeigt den Trick, mit dem Kapuzineraffen an die Leckerei gelangen.

Mangalam et al./Current Biology 2015

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Entweder es zerbröselt die ganze Nuss oder die Schale öffnet sich erst gar nicht: Nüsse zu knacken, ist gar nicht so einfach. Auch Menschen haben mitunter damit zu kämpfen, selbst mit speziell dafür gefertigten Werkzeugen. Im Vergleich dazu stellen sich Rückenstreifen-Kapuzineraffen erstaunlich geschickt an.

Die Primaten aus Südamerika sind für ihren cleveren Gebrauch von Werkzeugen bekannt. Mit Steinen graben sie Wurzeln aus oder knacken damit Nüsse. Dabei sind sie besonders geschickt, wie eine Studie im Fachmagazin "Current Biology" zeigt. Statt wahllos auf Nüsse einzuschlagen und damit zu riskieren, auch das schmackhafte Innere zu zerstören, dosieren sie ihre Kräfte genau.

Madhur Mangalam und Dorothy Fragaszy von der amerikanischen University of Georgia in Athens haben Videos von 14 wild lebenden Rückenstreifen-Kapuzineraffen aus Brasilien ausgewertet. In der Regel platzieren die Tiere die Nüsse von Palmenbäumen auf einem Stein oder Baumstamm und bearbeiteten sie. Die verwendeten Steine haben mitunter beachtliche Größe (siehe Fotostrecke).

Fotostrecke

5  Bilder
Kapuzineraffen mit Werkzeug: Voll auf die Nüsse
Mikrorisse führen zum Zusammenbruch

In der Regel brauchen die Affen mehrere Versuche, bis sich das Innere aus der harten Nussschale löst. Zunächst gingen die Forscher deshalb davon aus, dass die Affen mit der Zeit immer stärker zuschlagen würden, je länger es dauert, an den Kern zu kommen. Weit gefehlt. Die wilden Affen passen ihre Schläge exakt an die Beschaffenheit der Nüsse an.

Typischerweise besteht die Nuss aus einer weicheren äußeren Hülle, einer harten Innenschale und einem relativ weichem Kern. Die Forscher analysierten Höhe und Geschwindigkeit der Affenschläge. Je nachdem, wie weit die Nuss schon gebrochen war, schlugen die Affen mit unterschiedlicher Härte zu und platzierten die Nüsse immer wieder neu, um sie genau treffen zu können.

Ausgeprägte kognitive Fähigkeiten

"Bis jetzt wurde dieses Maß an Geschicklichkeit keinem Affen zugetraut", sagt Mangalam. Studienleiterin Fragaszy untersucht den Werkzeugeinsatz bei wild lebenden Kapuzineraffen bereits seit 2005. Dennoch war sie überrascht, wie weit entwickelt die Fähigkeit der Affen ist, sich auf den Zustand der Nuss einzustellen. Das Studienergebnis spreche für ausgeprägte kognitive Fähigkeiten.

Als Nächstes wollen die Forscher untersuchen, inwiefern sich andere Affenarten beim Umgang mit Werkzeugen auf unterschiedliche Härtegrade einstellen und wie Geschicklichkeit und Vielfalt der Werkzeuge zusammenhängen. So ließe sich auch klären, was kleinere Affen wie die Kapuziner von den ersten Menschenaffen unterscheidet, die Werkzeuge nutzten.

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