Klimagipfel in Katar: Der Emir kauft sich ein Institut

Aus Doha berichtet Christoph Seidler

Emir von Katar: Der Wüstenstaat will zusammen mit dem PIK am Klima forschen Zur Großansicht
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Emir von Katar: Der Wüstenstaat will zusammen mit dem PIK am Klima forschen

In einem neuen Forschungsinstitut will Katar den Klimawandel untersuchen. Doch außer dieser Ankündigung haben die Gastgeber des Weltklimagipfels nicht viel zu bieten. Zusagen zur Senkung des CO2-Ausstoßes scheitern bisher offenbar am Widerstand anderer Golfstaaten.

Die Aufregung war groß am Mittwochmorgen. Katar, der Gastgeber des Weltklimagipfels, hatte zu einer Pressekonferenz geladen. Wichtig sollte es werden, war zuvor zu hören. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich angekündigt, seine Klimachefin Christiana Figueres, die lokale Herrschergattin Sheikha Mozah bint Nasser Al Missned und auch Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Würde das Land - wie von Umweltorganisationen gefordert - nationale CO2-Minderungsziele im Rahmen des internationalen Klimaprozesses bekanntgeben? Finanzhilfen für ärmere Staaten? Oder beides? Dass das noch kommt während des Treffens ist nicht ausgeschlossen, doch am Mittwoch wurden die Erwartungen nach solch weitreichenden Schritten zunächst enttäuscht.

Bekanntgegeben wurde stattdessen die Gründung eines Klimaforschungsinstituts. Dafür wollen das PIK und die Qatar Foundation zusammenarbeiten. Ban, Figueres und die Sheikha sahen lächelnd dabei zu, wie der entsprechende Vertrag unterschrieben wurde - und verschwanden dann wortlos aus dem Raum.

Katar sei ein "Brennpunkt des Klimawandels", sagte PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber in der anschließenden Pressekonferenz. Als "einziger echter Wüstenstaat der Welt" ohne eigenes Oberflächenwasser - und als Produzent von fossilen Treibstoffen. "Katar kann als Modell für die gesamte Region dienen", warb der Forscher. Das ist richtig - aber auch nicht besonders überraschend.

"Wir haben unsere Verantwortung erkannt", sagte Faisal Al Suwaidi. Er ist Forschungschef der Qatar Foundation, die Katars Gesellschaft fit für die Zeit nach dem Gasboom machen soll - auch durch Investitionen in Solarforschung. Doch auch hier gibt es bisher vor allem Ankündigungen.

Deutschland sagt 1,8 Milliarden Euro zu

Wie das neue Klimaforschungsinstitut genau aussehen soll, blieb am Mittwoch ebenfalls weitgehend unklar. Die Wissenschaftler sollten sich vor allem auf die Tropen, Subtropen und wasserarme Staaten konzentrieren. In jedem Fall müsse das neue Institut wissenschaftlich hochwertige Arbeit abliefern, forderte Schellnhuber: "Es gibt zu viele Denkfabriken und Interessenverbände. Viele üben Druck in die falsche Richtung aus." Wer schwach in seiner wissenschaftlichen Beweisführung sei, finde auch kein Gehör.

Doch genaue Schwerpunkte, Personalausstattung, Finanzmittel des neuen Instituts - dazu gab es keine näheren Informationen. Ein Planungskomitee solle in Kürze seine Arbeit beginnen, hieß es. Schellnhuber riet, insgesamt seien wohl um die 200 Forscherstellen nötig. Die Qatar Foundation schrecken solche Forderungen offenbar nicht. "Forschungsvorhaben sind normalerweise nicht billig", sagt Faisal Al Suwaidi. Geld ist in Katar aber auch nicht das große Problem. 2,3 Prozent des Staatseinkommens fließt ohnehin in die Forschung - so jedenfalls die offizielle Vorgabe. Da dürften ein paar Riyal für das neue Institut auch noch drin sein.

Ob es darüber hinaus weitere Zusagen des Staates bei den Klimaverhandlungen gibt, werden die kommenden Tage zeigen. Aus dem Umfeld der katarischen Tagungsleitung ist zu hören, man hätte schon am Mittwochmorgen gern mehr präsentiert. Doch die Gespräche mit anderen Golfstaaten gestalteten sich schwierig. Vor allem Saudi-Arabien gilt als ausgesprochen hartleibig.

Umweltschützer waren nach der Ankündigung vom Mittwochmorgen zunächst wenig begeistert: "Wir sind enttäuscht und hoffen, dass da noch etwas kommt", sagte etwa Ann-Kathrin Schneider vom BUND. Wichtig seien Finanzmittel, vor allem für Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen in den ärmsten Ländern. Großbritannien sei der erste Dominostein gewesen - und Katar eben jetzt nicht der zweite. Diese Rolle müsse nun jemand anders übernehmen. "Das erwarten wir konkret von Deutschland. Wir fordern eine Zusage für den Green Climate Fund."

Das zumindest ist nun geschehen: Deutschland hat am Mittwoch zugesagt, 1,8 Milliarden Euro für den Klimaschutz in Entwicklungsländern bereitzustellen.

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