Katastrophengebiet Schweres Erdbeben erschüttert Japan

Vor der Küste Japans hat es schon wieder ein schweres Beben gegeben. Die Erdstöße erreichten laut US-Geologiebehörde eine Stärke von 7,1 - und waren auch in Tokio zu spüren. Die Behörden hatten zunächst Tsunami-Alarm ausgelöst. Inzwischen wurde er aufgehoben.


Tokio - Schock für Japans Bevölkerung: Der Nordosten des Landes ist erneut von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,1 erschüttert worden. Das Beben ereignete sich um 23.32 Uhr Ortszeit.

Selbst in der mehr als 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio bebten die Häuser. Nach dem Beben erließen die Behörden zunächst eine Tsunami-Warnung. Doch schon kurze Zeit später hob die Japanische Meteorologische Behörde die Warnung wieder auf.

Das Beben ereignete sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte (US Geological Survey USGS) nur 65 Kilometer östlich der Stadt Sendai, die bereits von dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami am 11. März schwer verwüstet worden war. Das Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima liegt nur 125 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Der Bebenherd lag rund 49 Kilometer tief. Zunächst hatte die USGS die Stärke des Erdbebens mit 7.4 angegeben.

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Beben der Stärke 7,1: Neuer Schock für Japan
In der Stadt Ichinoseki gerieten Gebäude heftig ins Wanken, Gegenstände fielen aus den Regalen und Möbel stürzten um. Wenig später fiel der Strom aus. Im Fernsehsender NHK wurden die Anwohner in Küstengebieten aufgerufen, sich in höhere Lagen zurückzuziehen. Der meteorologische Dienst Japans hatte vor einem bis zu zwei Meter hohen Tsunami gewarnt. 90 Minuten lang mussten die Menschen bangen, bis die Entwarnung kam.

Sorgenvoll blickten die japanische Behörden auch auf das havarierte Katastrophen-AKW Fukushima. Doch in den Kernkraftwerken Fukushima I und II seien dem Betreiber Tepco zufolge keine neuen abweichenden Werte gemessen worden. Wie Tepco auf einer Pressekonferenz bekanntgab, hatten die Techniker das Werk aus Sicherheitsgründen schnellstmöglich verlassen. Keiner der Arbeiter sei durch das Erdbeben verletzt worden, so Tepco.

Tepco-Arbeiter haben Arbeiten vorübergehend eingestellt

"Wir müssen so lange warten, bis die Warnung wieder aufgehoben ist. Danach werden wir wieder zu den Reaktoren zurückkehren und nachsehen, ob es irgendwelche Schäden gegeben hat", sagte ein Tepco-Sprecher. Doch die Werte, die man von dem Kontrollzentrum aus in einiger Entfernung von der Anlage beobachtet, seien bisher normal. Man werde auch die Kühlung der Reaktoren nicht unterbrechen, so der Sprecher weiter. Die Wasserzufuhr funktioniere, auch die Einspeisung von Stickstoff, mit der Tepco begonnen hat, um weitere Wasserstoffexplosionen zu vermeiden, funktioniert nach Angaben des Betreibers weiterhin.

Auch in dem etwas südlicher gelegenen Atomkraftwerk Fukushima-Daini seien die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden. Verletzte habe es nicht gegeben, sagte ein Nisa-Sprecher während der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz.

Fachleute hatten in den vergangenen Tagen mehrfach davor gewarnt, dass ein starkes Beben die ohnehin instabile Lage in den Unglücksreaktoren weiter verschärfen könnte. Seit dem Erdstoß am 11. März wurde die Region von mehr als 1000 Nachbeben erschüttert.

Am AKW Onagawa, von Tohoku Electric Company betrieben, sind nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa zwei der insgesamt drei äußeren Stromversorgungen ausgefallen, doch die übrig gebliebene versorge das Kraftwerk ausreichend. Da es bei dem großen Beben am 11. März automatisch herunter gefahren wurde und immer noch stillliegt, geht laut Nisa davon keinerlei radioaktive Gefahr aus.

Einige AKW laufen mit Notstrom

Die Atomaufsicht teilte unterdessen mit, dass das Atomkraftwerk Higashidori mit Notstrom laufe, weil die Elektrizitätszufuhr unterbrochen worden sei. Auch in der sehr weit nördlich gelegenen Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho sei die reguläre Stromversorgung ausgefallen. Hier arbeiteten ebenfalls Diesel-Generatoren, sagte der Nisa-Sprecher. An keinem der AKW seien erhöhte Strahlenwerte gemessen worden, erklärte die Nisa.

In der Präfektur Miyagi wurden nach Polizeiangaben alle Autobahnen geschlossen. Für die Präfekturen Yamagata und Miyagi meldete die Polizei Stromausfälle. In der Stadt Sendai seien die Ampeln ausgefallen. Am Flughafen von Yamagata sei ein Feuer zu sehen, berichtete NHK. Näheres sei noch nicht bekannt. Die Feuerwehren im Land meldeten einzelne Verletzte. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK wurden die Nordlinien der Hochgeschwindigkeitszüge in Japan vorübergehend angehalten.

An den internationalen Märkten sorgten die neuen Erdstöße für Unruhe. Der Ölpreis sank, weil eine weiter nachlassende Nachfrage aus Japan befürchtet wurde. Auch die US-Börsen gaben nach. Vor allem die Kurse von US-Versicherern gerieten unter Druck.

Die Region Miyagi war bereits bei dem verheerenden Beben der Stärke 9,0 und dem Tsunami vor vier Wochen schwer getroffen worden. Der Katastrophe fielen letzten Schätzungen zufolge 27.600 Menschen zum Opfer.

cib/Reuters/dpa/dapd

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insgesamt 158 Beiträge
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ulrich_rust, 07.04.2011
1. pazifikplatte
Zitat von sysopVor der Küste Japans hat sich ein schweres Erdbeben ereignet. Die Erdstöße erreichten nach Angaben der US-Geologiebehörde eine Stärke von 7,4. Eine Tsunami-Warnung wurde herausgegeben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,755717,00.html
So, nun bin ich gespannt was mit den AKW´s passiert. Die ganze Pazifikplatte scheint sich in diesem Jahr zu rütteln und schütteln. Erdbeben 6,4 in Mexiko.
priuskanada 07.04.2011
2. es war wohl nicht ein
sondern es waren 2 http://earthquake.usgs.gov/earthquakes/recenteqsww/Maps/region/Asia_eqs.php beide mit 7.4 im abstand von ca 40 sekunden ....
el_nino 07.04.2011
3. Na ...
... wenn da mal jetzt nicht die ganze verseuchte Plörre zurückschwappt...
tristo 07.04.2011
4. Ohjeohje,
ein Pulverfass...
alasiaperle 07.04.2011
5. Die arme Japaner
Noch dazu ist dieser Erbeben viel näher an den kaputten AKW gewesen. Hoffentlich werden die Menschen einigermassen verschont bleiben.
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