Polen Worum es bei der Uno-Klimakonferenz in Katowice geht

Im polnischen Katowice diskutieren Forscher, Diplomaten und Politiker nun auf der wichtigsten Klimakonferenz der Welt. Worüber wird gestritten und verhandelt? Ein Überblick.

Katowice, Polen
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Dieser Sommer war ziemlich gut. Wochenlang blauer Himmel, wochenlang kein Tropfen Regen - vor allem jüngere Menschen freuten sich hierzulande über den vielleicht besten Sommer ihres Lebens. Nur drei Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren jemals heißer, meldete die Weltwetterorganisation kürzlich.

Aber in der Wahrnehmung von vielen Menschen war dieser Sommer auch ein Vorbote für das, was der Begriff Klimawandel in der Realität bedeuten könnte. Schließlich bleiben weltweite Gletscherschmelze oder steigende Meeresspiegel für die meisten abstrakte Schlagzeilen aus der Welt der Klimasimulation, die ohnehin mit Unsicherheiten behaftet sind.

Klar, jeder einzelne kann sich beteiligen, um den Klimawandel aufzuhalten, indem er beispielsweise für geringere CO2-Emissionen sorgt. Doch vor dem Hintergrund des politischen Klimaschutz-Versagens bei vielen Nationen ist die Forderung nach globalen Maßnahmen ohne Zweifel größer geworden.

Noch bis zum 14. Dezember treffen sich Regierungsvertreter und Klimaforscher in Katowice zur weltweiten Klimakonferenz der Uno, der COP ("Conference of the Parties"). Sie findet zum 24. Mal statt, die erste Klimakonferenz ging 1995 in Berlin über die Bühne. Der Druck an den Verhandlungstischen dürfte deshalb groß sein, wenn sich der Blick der Weltöffentlichkeit auf Polen richtet.

Doch welche Ergebnisse sind zu erwarten, worüber wird überhaupt verhandelt und debattiert? Die COP24 im Überblick:

Worum geht es in Polen?

Die Ausgangslage ist brisant. Denn es bestehen immer wieder und zuletzt immer mehr Zweifel, ob das Klimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015 eingehalten werden kann. Der Vertrag sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken. Aber erst im Oktober hatte ein Sonderbericht des Uno-Weltklimarats IPCC mangelnde Maßnahmen der beteiligten Vertragspartner angemahnt und Szenarien für einen weit höheren globalen Temperaturanstieg ausgerechnet. Demnach würde ein Fortführen der aktuellen Maßnahmen und Pläne zu einer Erderwärmung um etwa drei Grad bis zum Jahr 2100 führen. Es muss also schnell gehandelt werden, sagen Klimaforscher.

Doch in Katowice geht es nicht primär darum, die nationalen Klimaschutzziele verbindlich anzuheben.

Konferenzzentrum in Katowice
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Konferenzzentrum in Katowice

Denn auf der Agenda steht vor allem die Formulierung eines Regelwerks für den Vertrag von Paris. Das Ziel ist es, am Ende des Treffens das sogenannte Rulebook zu verabschieden. Bei dieser Art von Gebrauchsanweisung für Paris geht es nicht nur um juristische, sondern auch um technische Details. Dabei wird etwa über geeignete Methoden zur Messung des CO2-Ausstoßes einer Nation diskutiert werden. Oder über die Frage, ob und für wen solche Daten transparent sein müssen. Zudem sollen die einzelnen Klimaschutzmaßnahmen der Vertragsländer durch das Rulebook auch vergleichbar gemacht werden.

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Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Nach Einschätzung von Experten ist ein Erfolg des Gipfels keinesfalls sicher. Gerade bei Fragen der Transparenz droht Streit. Auch über die Überprüfung der Vertragsziele dürften Debatten geführt werden. Denn hinkt ein Staat bei seinen Zusagen hinterher, soll ein Klimaausschuss eingreifen. Wie weit seine Befugnisse gehen dürfen, wird ebenfalls in Polen verhandelt. "Jeder Staat braucht die Gewissheit, dass nicht nur er selbst, sondern auch seine Wettbewerber ambitionierten Klimaschutz betreiben", sagt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) im Hinblick auf den Gipfel.

Was ist der Talanoa-Dialog?

Er geht zurück auf die Fidschi-Inseln, sie haben das Gesprächsformat im vergangenen Jahr als recht offenes Forum für Klimaschutzideen geschaffen. In diesem Dialog könnte es zumindest vereinzelt zu Vorstößen kommen, hoffen Experten - etwa im Bereich der sogenannten NDCs. Bei diesen Nationally Determined Contributions handelt es sich um die einzelnen Beiträge der Vertragsstaaten sowie Staatengemeinschaften wie der EU. Bisher bestimmen die Vertragspartner von Paris eigenständig, mit welchen Maßnahmen sie das Abkommen von Paris umsetzen wollen.

Doch bisher reichen die NDCs nicht aus, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Beobachter hoffen deshalb, dass einzelne Länder unter dem Druck der letzten alarmierenden Ergebnisse von allein weitere Zusagen und Vorstöße machen.

Uno-Klimakonferenz in Katowice

Wer nimmt an der Weltklimakonferenz teil?

An den Verhandlungstischen in Polen sitzen Diplomaten und Experten aus rund 200 Ländern. Die Delegationen werden angeführt von den Umweltministern. Doch zu Detailfragen bestreiten die Diskussionen erfahrene Experten. Für Deutschland ist das maßgeblich Karsten Sach, er ist im Bundesumweltministerium Abteilungsleiter für Klimaschutzpolitik sowie langjähriger deutscher Chefverhandler bei den Klimakonferenzen.

Zudem nehmen auch zahlreiche kleinere Nationen teil, darunter auch Inselstaaten wie Fidschi, die direkt vom Anstieg der Meeresspiegel betroffen sind. Bei der Konferenz wird es deshalb auch um einen Finanzausgleich für die Entwicklungsländer durch die reicheren Industrienationen gehen.

Warum ist die COP in Katowice?

Um die Ausrichtung der jährlichen Klimakonferenzen können sich die teilnehmenden Nationen bemühen - im letzten Jahr war die COP in Bonn zu Gast. Damals wurde ein Kompromiss zum Pariser Abkommen erreicht - zudem haben weitere Nationen einen Kohleausstieg verkündet.

Die Region um Katowice ist durch den Kohlebergbau geprägt, die Konferenz in Polen findet zum Hauptteil in einem umgestalteten Bergwerk statt. Das ist kein Zufall. Denn eines der Anliegen des Gastgeberlandes, das nicht gerade als Vorzeige-Klimaschutznation gilt, ist die sogenannte just transition. Unter diesem Terminus diskutieren die Teilnehmerländer darüber, wie ein schonender Übergang von den bisherigen zu klimafreundlichen Wirtschaftssystemen geschaffen werden könnte.

Auch Michal Kurtyka, dem Präsidenten der Klimakonferenz, ist es wichtig, dass Regionen wie Katowice, die wirtschaftlich von der Kohle abhängig sind, durch den Wandel keine schwerwiegenden Nachteile erleiden - etwa durch steigende Arbeitslosenzahlen. Solche Maßnahmen müssten nicht unbedingt mit den Zielen des Vertrags von Paris kollidieren, glauben die Polen, die bereits die Klimakonferenzen 2008 in Posen und 2013 in Warschau ausgetragen hatten. "Doch ohne Katowice gibt es kein Paris", sagt Kurtyka.

Unklar ist dagegen, wo die Klimaverhandlungen im kommenden Jahr ausgetragen werden. Brasilien, das gerade den als Klimaschutzgegner bekannten Populisten Jair Bolsonaro zum Präsidenten gewählt hat, verzichtete erst vergangene Woche auf die Gastgeberrolle.

mit Material von AFP

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