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Kenia: Die Elefanten-Mörder kehren zurück

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Lange Zeit herrschte in den Nationalparks Kenias Ruhe. Doch jetzt sind die Elefanten-Mörder wieder da: Die Wilderer hoffen darauf, dass im November das Handelsverbot von Elfenbein gelockert wird.

Imposant, aber in Gefahr: Afrikanische Elefanten
DPA

Imposant, aber in Gefahr: Afrikanische Elefanten

Anfang April fanden Ranger im Nationalpark Tsavo-Ost zehn tote Elefanten. Die Kadaver waren mit Zweigen und Büschen bedeckt, die Stoßzähne waren den "grauen Riesen" aus dem Schädel gesägt worden, die Körper durchsiebt von Wilderer-Kugeln aus Kalaschnikows und G3-Gewehren. Auch im Samburu District wurden später acht tote Elefanten gefunden, drei von ihnen waren offenbar von Wilderern abgeschlachtet worden.

Die grausame Elfenbeinjagd hat also wieder in dem ostafrikanischen Touristenland begonnen. Tierschützer wie der Verein "Rettet die Elefanten Afrikas" sind alarmiert. Sie sehen einen Zusammenhang mit der im November dieses Jahres in Chile stattfindenden nächsten Konferenz von Cites, der "Convention on International Trade in Endangered Species". Südafrika, Simbabwe, Botswana und Namibia wollen bei dieser Fortschreibung des Washingtoner Artenschutzabkommens wahrscheinlich erreichen, dass trotz eines allgemeinen Elfenbein-Handelsverbots weiterhin Ausnahmen für diese Länder möglich sind.

Die südafrikanischen Staaten möchten ihre Lagerbestände an Elfenbein verkaufen. Artenschützer glauben aber, dass dies zu einem Wiederanstieg der Wilderei führen wird. Denn es gebe immer Wege, die begehrten Stoßzähne illegal über dunkle Kanäle in jene Länder zu schaffen, die eine begrenzte Ausfuhrgenehmigung erhalten. "Die Wilderer legen jetzt Lager an", glaubt auch Daniel Njaga von der Wildschutzbehörde Kenya Wildlife Service.

Ein Pfleger bei der Fütterung eines Elefantenbabys im Nairobi Nationalpark
AFP

Ein Pfleger bei der Fütterung eines Elefantenbabys im Nairobi Nationalpark

Durch das Washingtoner Artenschutzabkommen von 1989 hatten sich die bedrohten Elefanten in Afrika wieder erholt. Einst lebten rund zwei Millionen Tiere auf dem ganzen Kontinent, heute sind es nach Schätzungen noch zwischen 400.000 und 600.000. Die südafrikanischen Staaten, die jetzt das Handelsverbot für Elfenbein erneut lockern wollen, argumentieren, dass es schon wieder zu viele "graue Riesen" gibt - mehr als zu verkraften seien. Denn die Tiere zerstörten bei ihren Streifzügen für die Bevölkerung lebenswichtige Agrar-Anbauflächen.

Aber die Britin Daphne Sheldrick, 67, eine der führenden Elefantenschützer, lässt dies nicht gelten. Sie befürchtet schlimmste Schiebereien: "Legales und illegales Elfenbein wird kein Mensch auseinander halten können. Das würde der Wilderei wieder Tür und Tor öffnen. Die Elefanten sind in höchster Gefahr."

"Genug Raum für Mensch und Tier"

Der nach ihrem verstorbenen Mann benannte David Sheldrick Wildlife Trust verfolgt in Kenia seit Jahren ein aufsehenerregendes Projekt. Elefantenwaisen werden mit Spezialmilch aufgezogen und nach etwa zehn Jahren wieder ausgewildert. Daphne Sheldrick ist überzeugt: "Es gibt genügend Raum für Mensch und Tier in Afrika."

Kenias Wildhüter glauben, auf den Kampf gegen die Elefanten-Mörder, bei dem auch schon Ranger ums Leben kamen, vorbereitet zu sein. In den Nationalparks gilt eine Art Kriegsrecht. Ranger dürfen ohne Warnung auf jeden schießen, der sich ohne offizielle Genehmigung mit einer Waffe im Schutzgebiet herumtreibt. Aber ob das Wilderer abhält, wenn sie wieder verlockende Geschäfte mit dem Elfenbein machen können, ist fraglich.

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