Kenia im Jahr 1898 Löwenduo tötete weniger Menschen als gedacht

Zwei menschenfressende Löwen sollen 1898 in Kenia bis zu 135 Personen getötet haben. Nun haben Forscher Haare und Knochen der beiden Tiere analysiert. Tatsächlich haben die Tiere wohl nur 35 Menschen aufgefressen.

Löwe in Tansania (Archivfoto von 1998): Isotope verraten Ernährungsgewohnheiten
DPA

Löwe in Tansania (Archivfoto von 1998): Isotope verraten Ernährungsgewohnheiten


Washington - Das Grauen in dem kenianischen Arbeitercamp hatte im Frühjahr 1898 begonnen: Zwei Löwen drangen nachts ein, packten einen der schlafenden Männer und zogen ihn aus seinem Zelt. Trotz immer schärferer Sicherheitsmaßnahmen mit Wällen aus Dornengestrüpp, Wachposten und Feuern konnte der Terror der beiden Räuber nicht beendet werden. Die Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke über den Fluss Tsavo kamen schließlich zum Erliegen, da sich viele der Arbeiter weigerten, weiter in dem Camp zu bleiben.

Neun Monate lang versuchte der Brite John Henry Patterson, der als Soldat in Indien Erfahrung mit der Jagd auf Tiger gemacht hatte, die beiden Löwen zur Strecke zu bringen. Anfang Dezember konnte er schließlich das erste Tier erlegen, etwa drei Wochen später folgte der zweite Tsavo-Löwe. Diese Jagderfolge brachten Patterson einen legendären Ruf ein, und in den Berichten, die in den folgenden Jahrzehnten über die Ereignisse erschienen, war schließlich von 135 Menschen die Rede, die den Löwen zum Opfer gefallen sein sollen.

Allerdings gab es von Anfang an Zweifel an dieser hohen Opferzahl. Tatsächlich sei sie deutlich zu hoch, schreiben nun Forscher von der University of California in Santa Cruz im Fachblatt " Proceedings of the National Academy of Sciences". Nathaniel Dominy und seine Kollegen nahmen für ihre Untersuchung Haar- und Knochenproben von den beiden Löwen, die heute ausgestopft in dem Museum in Chicago stehen, und bestimmten die Verhältnisse von Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen. Diese unterscheiden sich bei Mensch und Tier. Aus dem Verhältnis der Isotope, die in den letzten Monaten im Leben der Löwen in ihre Haare eingelagert wurden, können die Forscher Rückschlüsse auf die Ernährung der Tiere ziehen.

Während sich der eine Löwe etwa zur Hälfte von Menschen ernährte, fraß das zweite Tier nur gelegentlich Menschenfleisch, ergab die Auswertung der Forscher. Hochgerechnet auf die übliche Fleischmenge, die ein Löwe täglich zu sich nimmt, ergibt sich daraus für die betreffende Zeit eine Zahl von insgesamt etwa 35 Menschen, schreiben die Wissenschaftler. In ihrer Untersuchung konnten die Forscher außerdem die These bestätigen, nach der einer der Löwen eine Verletzung am Kiefer hatte und wohl auch aus diesem Grund auf die vergleichsweise leicht zu greifende menschliche Beute auswich.

hda/ddp

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