Kanada: Ein Dutzend Orcas unter dem Eis gefangen

Drama in der Hudson Bay: Ein Dutzend Orcas sind im Nordosten Kanadas unter dickem Meereis eingeschlossen. Nur an einem kleinen Wasserloch können die Meeressäuger noch Luft zum Atmen finden. Lokale Inuit fordern die Regierung zur Hilfe auf.

Atmen zum Überleben: Orcas am Eisloch in der Hudson Bay Zur Großansicht
AP/ The Canadian Press/ Marina Lacasse

Atmen zum Überleben: Orcas am Eisloch in der Hudson Bay

Montréal - Die Winter sind bitterkalt an der Hudson Bay im Norden Kanadas. Manch einer bezeichnet das riesige Randmeer von Atlantik und Arktischem Ozean deswegen auch als "Eiskeller Nordamerikas". Einem Dutzend Orcas könnten die extremen Bedingungen nun zum Verhängnis werden. Eine Gruppe der Meeressäuger ist unter dem Eis der Hudson Bay eingeschlossen, berichtet die kanadische Zeitung "Montréal Gazette".

Die Bewohner des Ortes Inukjuak in der Provinz Québec haben die Regierung um Hilfe bei der Befreiung der Wale gebeten. Nach Angaben der Einwohner drängen sich die Meeressäuger zum Atmen um ein einziges - lieferwagengroßes - Loch im Meereis. Das offene Wasser ist laut dem Zeitungsbericht 25 Kilometer entfernt. Möglicherweise waren die Wale in eine Lücke im Eispanzer vorgestoßen, bevor sich die Schollen hinter ihnen wieder schlossen.

Bürgermeister Peter Inukpuk forderte die Regierung auf, mit einem Eisbrecher eine Fahrrinne freizumachen, damit die Wale wieder ins offene Meer schwimmen können. Das kanadische Fischereiministerium wollte die Lage zuvor aber noch prüfen. Ob die Behörde wie gefordert einen Eisbrecher chartert, steht noch nicht fest. Die Zeitung verweist auf mögliche Millionenkosten - und die offene Frage, ob ein Schiff den Ort des Geschehens überhaupt rechtzeitig erreichen könnte.

Orcas gelten als äußerst raffinierte Jäger: Sie folgen ihrer Beute über Dutzende Kilometer im Rudel - und holen auf Eisschollen liegende Robben mit eigens erzeugten Wellen ins Wasser, um sie dann zu fressen.

Ein Inuit-Jäger hatte die jetzt unter dem Eis der Hudson Bay gefangenen Tiere zufällig entdeckt. Die Bewohner von Inukjuak waren daraufhin am Dienstag mit Schneemobilen eine Stunde weit zu der betreffenden Stelle gefahren. Dort fotografierten sie die offensichtlich verzweifelten Orcas. Inmitten des Tumults habe sich auch ein Eisbär dem Loch im Eis genähert - und sei von einem Jäger erschossen worden, der sich das Fleisch des Tieres sichern wollte, sagte einer der Bewohner.

Ob die Wale noch gerettet werden können, ist nicht klar. Die Meeresforscherin Lyne Morisette von der Université de Québec in Rimouski stellt aber klar: "So traurig die Situation ist, sie verblasst vor den Herausforderungen, mit denen die Art durch die Erderwärmung zu kämpfen hat." Die Migrationsrouten der Tiere änderten sich durch den Klimawandel. Außerdem führe zunehmende Schifffahrt in der Arktis zu einem höheren Kollisionsrisiko und größerer Schadstoffbelastung.

chs/dapd

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