Abholzung des Regenwalds: Flucht der gefiederten Förster

Schwund des Regenwalds: Fehlende Großschnäbel Fotos
Edson Endrigo

Rodung kann für einen Dschungel unerwartete Folgen haben: Mit den hohen Bäumen verschwinden große Vögel, übrig bleiben kleine Tiere. Sie sorgen dafür, dass sich kleine Pflanzen ausbreiten - Ursache ist die Größe ihrer Schnäbel. Der Regenwald verändert sich dramatisch.

Hamburg/São Paulo - Menschliche Eingriffe in den Regenwald können gravierende Langzeitfolgen zeitigen. Im Amazonas haben brasilianische Forscher jetzt herausgefunden, dass etwa das Verschwinden großer Vögel wie Tukanen aus abgeholzten Flächen dazu führt, dass sich vor allem kleinere Palmensamen verbreiten.

Große Vögel transportieren mit ihren Schnäbeln auch größere Samen. Fehlten die Vögel, sei die Verteilung der Samen ineffektiver und schwäche den gesamten jungen Palmenbestand, berichten Forscher um Mauro Galetti von der Universidade Estadual Paulista im brasilianischen São Paulo im Wissenschaftsmagazin "Science".

Für ihre Studie haben die Experten mehr als 9000 Samen der Palmenart Euterpe edulis gesammelt. Gezielt gingen sie sowohl im intakten Regenwald auf die Suche als auch auf Waldflächen, die seit dem 19. Jahrhundert durch Kaffee- oder Zuckerrohrplantagen aufgesplittet wurden. Diese Regionen boten größeren Waldvögeln wie Tukanen keinen Schutz und keine ausreichend großen Reviere mehr - dort verschwanden die Vögel. Damit wurden auch die großen Samen nicht mehr verteilt, die die Vögel in Früchten oder in ihrem Kot oft mehrere Kilometer weit trugen.

Kleinere Vögel konnten den Job der Tukane nicht übernehmen. Sie können die großen Palmsamen nicht fressen, weil ihre Schnäbel zu klein sind. Als Ergebnis dieser Entwicklung fanden die Wissenschafler deutlich kleinere Samen in den gelichteten Waldflächen. Damit keimten deutlich weniger der großen Pflanzen, und auch ihre Sämlinge sind schwächer.

Die Folgen für die Umwelt seien erheblich, schreiben die Forscher: "Kleine Samen sind anfälliger für Austrocknung und können dem vorhergesagten Klimawandel nichts entgegensetzen", sagte Galetti. "Leider ist dieser Effekt kein Einzelfall." Die Ausrottung großer Wirbeltiere verursache höchstwahrscheinlich unvorhersehbare Veränderungen in der Evolution vieler tropischer Arten.

boj/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. yoooh
geotie 31.05.2013
Man sieht die Zahnräder nicht die ineinander greifen, aber wenn es nicht mehr funktioniert, dann sind die Gleichgültigen die am meisten schreien.
2. Dann lasst halt die Rodung
Isix 31.05.2013
Prima, dann weiß man ja jetzt, dass man das mit der Rodung lassen sollte. Dann ist das Problem ja gedöst.
3. Die Bösen sind immer woanders
tatjuscha 31.05.2013
In Deutschland wird übrigens auch grad ein Urwald abgeholzt, der sog. Urwald Weißwasser in der Lausitz (sächsicher Teil). Für einen Braunkohletagebau. Und, wen juckts? Kolumnisten des "Spiegel" jedenfalls nicht. Für Energiehunger und -verschwendung ist JEDER Staat zur Zerstörung von Natur bereit, egal welchen Ausmaßes.
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