Ausbreitung von Kleinfischen Forscher warnen vor den Ratten der Meere

Es liegt am Klimawandel: Bestände von etlichen kleinen Fischarten werden in Zukunft stark zunehmen - sie haben kaum noch Fressfeinde. Auf dem Vormarsch ist der Dreiflossen-Schleimfisch.

Dreiflossen-Schleimfische im Meer
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Dreiflossen-Schleimfische im Meer


Kennen Sie Dreiflossen-Schleimfische? Schon der Name klingt nicht besonders appetitlich. Und das scheinen sie auch nicht zu sein, jedenfalls nicht für größere Raubfische. Kaum jemand mag die zwischen zwei und fünf Zentimeter langen Kleinfische mehr fressen.

Für sie selbst ist das sicher ein Glücksfall. Doch Forscher warnen nun: Etliche solcher Kleinfischarten, die eine immer geringere Bedeutung als Nahrungsmittel für andere Arten haben, breiten sich in den Ozeanen aus. Und in Zukunft wird sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen.

Solche Tiere seien das "im Meer lebende Pendant zu Ratten und Kakerlaken, die es im Überfluss gibt, aber die keiner wirklich essen will", schreibt eine Gruppe Wissenschaftler um Studienleiter Ivan Nagelkerken von der Universität Adelaide im Fachmagazin "Current Biology".

"Es war wie eine Zeitreise"

Für ihre Studie sahen sich die Wissenschaftler drei Jahre lang Wechselwirkungen und Nahrungsketten zwischen Fischarten an. Dabei konzentrierten sie sich auf Meeresstellen an Vulkanschloten. Die CO2-Konzentration sei dort so hoch, wie sie auch an anderen Stellen für das Ende des Jahrhunderts vorhergesagt werde, erklärten die Forscher. Deshalb machten die Beobachtungen Vorhersagen über die Entwicklung der Bestände möglich. "Es war wie eine Zeitreise", sagte Nagelkerken. "Man konnte in die Zukunft blicken und sehen, wie unsere Fischspezies einmal aussehen könnten."

Dreiflossen-Schleimfische kommen sowohl in tropischen als auch in gemäßigten Meereszonen vor - vom Atlantik über den Pazifik bis in den Indischen Ozean. Von den Fischen, die nahe dem Meeresgrund leben, existieren über 160 Arten. Doch warum breiten sie sich gerade jetzt aus?

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Die Forscher gehen davon aus, dass die Versauerung der Meere ein Grund ist. Ihre Studie stelle zum ersten Mal einen solchen Zusammenhang her.

Bei der Versauerung steigt der Säuregehalt im Wasser, der pH-Wert sinkt. Das hat auch einen Einfluss auf die Pflanzenwelt: Seetanggebiete etwa werden weniger. Gerade dort halten sich die eigentlichen Fressfeinde von Dreiflossen-Schleimfischen auf - mittelgroße Raubfische verbergen sich hier vor ihren eigenen Fressfeinden. In der Folge sinkt der Bestand dieser Raubfische, Kleinfische haben dann plötzlich keine Feinde mehr. Die Gesamtzahl an Fischen werde zwar wegen der Meeresversauerung ansteigen. "Aber so geht vor allem die einheimische Artenvielfalt verloren", sagt Nagelkerken.

Die Meeresversauerung passiert, weil Gewässer immer mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre aufnehmen. Das stellt Korallen, Austern und andere Krustentieren vor große Probleme. Denn Säure greift ihre kalkhaltige Schalen an.

Allerdings betrifft die Versauerung nicht alle Meereszonen gleich stark. Mit sinkender Wassertemperatur und sinkendem Salzgehalt kann Wasser mehr CO2 aufnehmen. Deswegen ist die Versauerung in der Arktis auch besonders stark.

joe/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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Rosenhag 07.07.2017
1.
Doch warum breiten sie sich gerade jetzt aus? Das kann man natürlich jederzeit fragen. Den evolutionären Vorteil, daß einen keiner fressen mag, sollte man mal auf die gesamte Evolutionsgeschichte anwenden. Das wäre sicherlich ein interessanter Erkenntnisgewinn.
Ambrosicus 07.07.2017
2.
Ratten und Kakerlaken werden von Vögeln gern gefressen. Unsinniger Vergleich, eine menschl. Abscheu vor best. Tierarten einbeziehend. Wissenschaftlich ist anders.
frenchie3 07.07.2017
3. Na klasse
Dann serviert die doch mal Donnie mit dem dezenten Hinweis daß die künftig sein Freitagsessen sein werden. Mancher denkt ja mit dem Magen - und der ist bei Donnie sicher erfolgreicher als das dafür vorgesehene Organ
pippipankau 07.07.2017
4.
wenn ich schon höre: "ratten". wer ermehrt sich dennwie blöd und verdreckt den ganzen planeten und verbreitet krankheiten? DER MENSCH!
C. V. Neuves 07.07.2017
5.
---Zitat von Artikel--- Meeresstellen an Vulkanschloten. Die CO2-Konzentration sei dort so hoch, wie sie auch an anderen Stellen für das Ende des Jahrhunderts vorhergesagt werde ---Zitatende--- Die örtliche CO2 Konzentration ist im Zusammenhang uninteressant. CO2 spielt als solches nur global, als Treibhausgas eine Rolle. Örtlich nur, wie in meiner Garage, wenn ich den Motor laufen lasse und vergiftet werde. Andere Garagen kann ich für das Ende des Jahrhunderts nicht voraussagen. Meine Artikelkritik belasse ich dabei.
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