Parasit: Winzige Fliege köpft kleine Ameisen

Ihr Leben wäre Stoff für einen Horrorfilm: Parasitäre Fliegen vermehren sich, indem sie ihre Larven in Ameisen platzieren. Ist der Nachwuchs ausgewachsen, bricht er aus dem Kopf der Ameise heraus. Forscher haben jetzt den kleinsten Vertreter dieser Fliegenfamilie entdeckt.

Deutlicher Größenunterschied: Euryplatea nanaknihali im Vergleich zur Stubenfliege (l.) Zur Großansicht
Inna-Marie Strazhnik

Deutlicher Größenunterschied: Euryplatea nanaknihali im Vergleich zur Stubenfliege (l.)

Gerade einmal 0,4 Millimeter misst die kleinste bekannte Fliege der Welt, die Forscher jetzt in Thailand entdeckt haben. Der bisherige Rekord für den kleinsten Zweiflügler, den sich mehrere Arten teilten, liegt bei 0,7 Millimeter.

Trotz ihrer winzigen Ausmaße stelle die Fliege vermutlich für einige Ameisen ein großes Problem dar, schreibt Brian Brown vom Natural History Museum des Los Angeles County (Los Angeles/US-Staat Kalifornien) in den "Annals of the Entomological Society of America".

Euryplatea nanaknihali, so der Name des neuen Rekordhalters, gehört zur Familie der Phoridae. In dieser Familie finden sich einige Arten, deren Larven in Ameisen heranwachsen. Einmal im Opfer abgelegt, wandern die heranwachsenden Fliegen in den Kopf. Sind sie ausgewachsen, brechen sie aus diesem heraus - und köpfen die Ameise. In einigen südlichen Staaten Nordamerikas werden die Fliegen eingesetzt, um die dort eingeschleppten aggressiven Feuerameisen zu bekämpfen. In Asien wurde zuvor keine Fliege aus der Gattung Euryplatea entdeckt.

Ein Befall oder eine Enthauptung von Ameisen durch Euryplatea nanaknihali wurde bisher nicht direkt beobachtet. Brown hält es aber für sehr wahrscheinlich, dass die Fliege kleinere Ameisenarten befällt. Vom engsten Verwandten der Fliege, der in Äquatorialguinea vorkommenden Art Euryplatea eidmanni, ist das Verhalten jedenfalls bekannt.

Auch die Kleinsten sind nicht sicher

Man hat immer angenommen, dass kleinere Ameisen-Arten von den Attacken verschont bleiben, weil es für ein bis drei Millimeter große Fliegen physikalisch unmöglich ist, sich in den relativ kleinen Ameisenköpfen zu entwickeln", so Brown. Die Entdeckung zeige jedoch, dass selbst die kleinsten Ameisen dem Parasitismus wahrscheinlich nicht entkommen.

Obwohl die neu entdeckte Art klar als kleinste Fliege durchgeht, wird sie von etwas entfernteren Verwandten noch deutlich unterboten. Die kleinsten Insekten überhaupt sind nur knapp 0,14 Millimeter lang - die Art Dicopomorpha echmepterygis zählt zu den Zwergwespen. Mit Euryplatea nanaknihali teilen sie nicht nur die geringe Größe; auch die winzigen Wespen sind parasitär. Allerdings legen sie ihre Eier nicht in Ameisen, sondern in die Eier anderer Insekten.

wbr/dpa

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