Wärmerekord 2014 Rätselhafter Hitzeschub

2014 war es weltweit so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen 1880, das verkündet nun auch die Nasa. In den letzten Jahren hatte die Erwärmung der Luft eine Pause eingelegt - nimmt der Klimawandel jetzt wieder Fahrt auf?

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Washington/Hamburg - Die Klimaentwicklung scheint verwirrend: Einerseits stockt die globale Erwärmung seit Beginn des Jahrtausends, die bodennahe Durchschnittstemperatur hat sich kaum verändert. Doch gleichzeitig verharrt die Temperatur auf hohem Niveau: Die Jahre seit 2000 gehören sämtlich zu den wärmsten seit 1880.

Jetzt kommt ein neuer Rekord hinzu: 2014 war im weltweiten Durchschnitt der amerikanischen Wetterbehörde NOAA und der Nasa zufolge das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1880. Auch die japanischen Kollegen stufen 2014 als das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen ein. Die University of Berkeley sieht 2014 auf Rang eins, zusammen mit 2010 und 2005.

Der Hitzeschub lässt Forscher rätseln: Nimmt die Klimaerwärmung also wieder Fahrt auf? Für solche Schlüsse sei es zu früh, sagt der Ozeanforscher Mojib Latif in der neuen Ausgabe des SPIEGEL. Ein einziges Rekordjahr reiche dafür nicht aus. "Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Erwärmungspause noch ein paar Jahre dauert", meint Latif, der bereits 2008 eine längere Stagnation der globalen Temperaturen prophezeit hatte. Doch spätestens 2020 würde die globale Durchschnittstemperatur wieder "stark steigen".

Ozeane haben Wärme geschluckt

Auch der Uno-Klimarat sagt auf Basis des gesammelten Klimawissens den stagnierenden Temperaturen zum Trotz eine gravierende globale Erwärmung voraus, sollte der Ausstoß an Treibhausgasen nicht eingeschränkt werden. In den vergangenen Jahren hätten die Ozeane den Großteil der Wärme geschluckt. "In den Meeren hat der Klimawandel überhaupt keine Pause gemacht", sagt Latif.

Allerdings hat die Menschheit zuletzt jährlich so viel CO2 in Luft gepustet wie nie zuvor, ohne dass sich die Luft weiter erwärmt hätte. Zwar sind die Ozeane eindeutig wärmer geworden - allerdings weniger stark als angenommen: Vor einem Jahr noch vermuteten Klimaforscher einen Großteil der fehlenden Wärme in der Tiefsee, doch diese Region habe sich in den vergangenen Jahren abgekühlt, zeigte eine Nasa-Studie vom Oktober.

Noch immer sind die Forscher auf der Suche nach Ursachen für die gebremste Erwärmung. Sie diskutieren sogar, ob ihre Prognosemodelle womöglich den Treibhauseffekt überschätzen, weil die Simulationen die Pause nicht auf der Rechnung hatten.

Der Uno-Klimarat IPCC hält mittlerweile auch eine weniger starke Wirkung des CO2 und mithin eine geringere Erwärmung für dieses Jahrhundert für möglich. Andererseits könnte es im Gegenteil in den kommenden Jahrzehnten "schneller wärmer werden, als wir es in den Achtziger- und Neunzigerjahren erlebt haben", sagt Latif im SPIEGEL-Interview. Auch der Uno-Klimarat hält eine galoppierende Erwärmung in naher Zukunft für möglich.

Messungen aus der Arktis lagen nicht vor

Trotz der verbleibenden Unsicherheiten bei den Prognosen gaben sich die Nasa-Forscher am Freitag selbstsicher: 2014 setze "den langfristigen Erwärmungstrend" fort, referierten sie. Die Welt hat sich in den vergangenen hundert Jahren um knapp ein Grad erwärmt. Der stetig weiter steigende Meeresspiegel und schmelzende Gletscher zeigten, dass der Klimawandel voranschreite.

Man erwarte lediglich Temperaturschwankungen aufgrund der pazifischen Wetterphänomene El Niño und La Niña, die abwechselnd mildes und kühles Wasser nach oben spülen - mit jeweils markanten Auswirkungen auf die globale Temperatur. Der Rekord von 2014 gilt als besonders, weil er ohne Unterstützung des Wärmespenders El Niño zustande kam.

Nasa-Forscher waren auch an Studien beteiligt, die Vulkaneruptionen, verminderte Sonnenaktivität, Luftverschmutzung, Ozeanströmungen und diverse andere Ursachen für die Erwärmungspause verantwortlich gemacht hatten. Erste Erklärungsversuche wurden mittlerweile durch neue ersetzt, was zeigt, wie lückenhaft die Kenntnisse über das Klima noch sind.

Möglich erscheint allerdings auch, dass die Messdaten von Nasa und NOAA zu niedrige Temperaturen angeben: Sie klammern die Arktis aus, dabei deuten Satelliten dort starke Erwärmung an. Hätte man Bodenmessungen aus der Arktis zur Verfügung gehabt, ließe sich womöglich gar nicht von einer Pause bei der globalen Erwärmung sprechen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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spitzaufknoof 16.01.2015
1. Klimawandel
Als 2010 bis 2012 auf einmal wieder normale Winter waren hat man von den Klimatologen so gut wie keine Stellungnahme bekommen. Passte wohl nicht so richtig ins Schema. Und ganz ehrlich: Erhöhung der Durchschnittstemperatur von einem Grad(!) in 100 Jahren macht nicht wirklich Panik oder? Über die Temperaturschwankungen vor Beginn der Aufzeichnungen weiss niemand was genaues. Zumindest hat die Mens chheit dieses aber auch überstanden.
obertroll 16.01.2015
2. Die Frage ist doch
wie voliel wärmer war denn 2014 im Vergleich zu den anderen warmen Jahren. Desweiteren sollte man berücksichtigen, das es auch warme Perioden vor 1880 gab. Es ist wohl unbestreitbar, daß der Mensch einfluss auf das Klima nimmt, allerdings dollte man Kurzzeitige Entwicklungen für Aktionismus ausbeuten.
Boomerang 16.01.2015
3. Zeiträume
Am 16.1.2015 schloss der DAX so hoch wie noch nie seit seiner Einführung 1988 - das verkündet nun auch die Deutsche Börse. Im letzten Jahr hatte der Anstieg des DAX eine Pause eingelegt - nimmt die Aktienrallye jetzt wieder Fahrt auf? Die Antwort ist die gleiche wie die auf den Artikel Header. Der betrachtete Zeitraum ist zu kurz, um etwas über die künftige Entwicklung daraus abzuleiten. Wir wissen weder, wie der DAX dieses Jahr performen wird, noch wie die Temperaturen in den nächsten 10 Jahren sein werden. Aber langfristig werden sowohl Aktien als auch Temperaturen steigen.
ediart 16.01.2015
4. Na ja
Das sich das Klima ändert ist unbestritten, das hat es in der Erdgeschichte schon immer gegeben. Durch Einflüsse des Menschen mag es da einen Schub geben. Die frühen Aufzeichnungen sind scheinen Global gesehen nicht verlässlich und von einem "Hitzeschub" zu sprechen ist übertrieben.
danielc. 16.01.2015
5. Mutlikausalität
Es gibt so viele Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung des Klimas nehmen, dass eine vollständige, alles berücksichtigende Prognose noch lange brauchen wird. Sonnenstürme, -Flecken, Vulkane, und vieles Mehr wirken ohne menschliche Einwirkung in gewaltigem Maße. Vielleicht ist es anmaßend anzunehmen, dass die Rolle des Menschen merkbar ins Gewicht fällt.
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