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Uno-Bericht: Klimawandel ändert unsere Welt grundlegend

Aus Stockholm berichtet

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Die Uno warnt in ihrem neuen Klimareport vor einem sehr schnellen Anstieg des Meeresspiegels. Es drohen Hitzewellen, viele Gletscher könnten komplett verschwinden, für Regionen wie Deutschland sagen die Forscher mehr Starkregen voraus. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Vor fünf Jahren wurde das Großprojekt gestartet, jetzt ist der fünfte Uno-Report über die naturwissenschaftlichen Aspekte des Klimawandels fertig. 840 Wissenschaftler aus 38 Ländern haben Tausende Studien gesichtet, um den Stand des Wissens über die Umwelt zu ermitteln. Fast 55.000 kritische Kommentare seien von mehr als tausend Gutachtern bewertet worden.

Seit 10 Uhr an diesem Freitag stellt der Uno-Klimarat IPCC in Stockholm die Zusammenfassung des tausendseitigen Mammutwerks vor, über die bis in die Morgenstunden verhandelt wurde. Seit Montag haben Regierungsvertreter und Forscher um jedes Wort des 30-seitigen Resümees gerungen, das die politisch relevanten Ergebnisse der Klimaforschung darstellen soll. Der Report selbst soll Montag veröffentlicht werden. "Der Klimawandel geht unvermindert weiter", sagt der chinesische IPCC-Verhandlungsleiter Qin Dahe.

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5. IPCC-Report: Stockholm erklärt das neue Klima
Hier sind wichtigsten Erkenntnisse des Uno-Klimareports:

  • Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Luft im weltweiten Durchschnitt um 0,9 Grad erwärmt, Schnee und Eis sind in erheblichem Maße geschmolzen, der Meeresspiegel ist seither um 20 Zentimeter gestiegen, im Einklang mit pessimistischen Uno-Prognosen. Die vergangenen 30 Jahre waren zumindest auf der Nordhalbkugel wohl die wärmsten 30 Jahre seit dem Hochmittelalter, als es wenigstens in manchen Regionen ähnlich mild war wie heute. In den vergangenen 15 Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur in Bodennähe aber nicht weiter gestiegen.

  • Trotz dieser Pause gehe der Klimawandel weiter, betont der IPCC: Schnee und Eis tauen in beträchtlichem Maße. Bis auf wenige Ausnahmen schrumpfen alle vermessenen Gletscher; allerdings gibt es von den meisten Gletschern keine Daten über längere Zeit, so dass sich bei ihnen keine Entwicklung beschreiben lässt.
  • Satellitenmessungen der Erdanziehungskraft zeigen gleichwohl, dass Grönland zwischen 2002 und 2011 etwa sechsmal mehr Eismasse verloren hat als in den Jahren zuvor zwischen 1992 bis 2001. Entsprechende Messungen demonstrieren, dass auch die Antarktis mehr Eis verliert als Schnee gewinnt. Die Verluste stammen wohl ausschließlich aus der Westantarktis, die wie ein kontinentaler Finger nach Norden ragt.
  • Auch im Meer schrumpft das Eis: Der Schollenteppich auf dem Arktischen Ozean ist dramatisch dünner geworden; im Sommer 2012 verkleinerte sich seine Ausdehnung gar auf die Hälfte der zu dieser Jahreszeit Mitte des vergangenen Jahrhunderts üblichen Bedeckung. Vermutlich, so schließen die Klimaforscher, war das Arktiseis seit mindestens 2000 Jahren im römischen Klimaoptimum nicht mehr so dünn. Das Meereis vor der Antarktis hingegen ist während der vergangenen Jahrzehnte aus ungeklärten Gründen leicht gewachsen.
  • Auch in mittleren Breiten schmilzt der Schnee. Im März und April fallen auf der Nordhalbkugel aufgrund der Erwärmung erheblich weniger Flocken, berichtete der IPCC. Ganzjährig gefrorene Erde taut mancherorts: Im Norden Russlands schrumpft die Dicke des Permafrostbodens.

Gewitter über Großstadt: Für Regionen wie Deutschland sagen die Forscher mehr Starkregen voraus Zur Großansicht
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Gewitter über Großstadt: Für Regionen wie Deutschland sagen die Forscher mehr Starkregen voraus

Die Ursache des Klimawandels sei hauptsächlich Kohlendioxid (CO2), das der Mensch mit Abgasen in die Luft blase. Der Klimarat ist sich dabei "zu 95 Prozent sicher", im vorigen Bericht lag die Sicherheit noch bei 90 Prozent. Die Zahl beruht nicht auf statistischer Berechnung, sondern auf einer Abstimmung unter Fachleuten.

Die Strahlungswirkung von CO2 stehe in gutem Einklang mit dem Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte, meinen die Experten: Das Gas hält Sonnenstrahlung in der Atmosphäre zurück. Würde sich die Menge von CO2 in der Luft verdoppeln, stiege die Temperatur chemischen Experimenten zufolge um ein Grad. Die wärmere Luft ließe mehr Wasser verdampfen, das quasi als Dampfglocke die Luft weiter erwärmen würde.

Wie stark der Effekt ist, gilt als Kernfrage der Klimaforschung. Die sogenannte Klima-Sensitivität beziffert der Uno-Klimareport auf 1,5 bis 4,5 Grad - so stark stiege die Lufttemperatur aufgrund des Wasserdampfs, würde sich die CO2-Menge verdoppeln. Die Spanne wurde aufgrund der jüngsten Klimaentwicklung im Vergleich zum letzten IPCC-Bericht 2007 leicht nach unten korrigiert.

Der Ausstoß von CO2 aus Fabriken, Autos oder Kraftwerken habe sich allein in den vergangenen acht Jahren ungefähr um die Hälfte erhöht. Dennoch pausiert die Erwärmung der Luft: In den vergangenen 15 Jahren ist die bodennahe Temperatur im weltweiten Durchschnitt je nach Messreihe entweder gar nicht (laut britischem Met Office), oder um 0,05 Grad gestiegen (laut US-amerikanischem Wetterdienst). Gleichwohl fallen in diese Zeit die wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts.

Klima-Modelle hätten die Pause nicht erwartet, konstatiert der Uno-Bericht. Die Ursachen seien unklar, verschiedene Effekte etwa eine außergewöhnliche Schwächephase der Sonne zusammen mit kühlenden Ozeanströmungen kämen in Frage.

Ansonsten, so konstatiert der IPCC, hätten natürliche Einflüsse das Klima seit Mitte des 20. Jahrhunderts aber kaum verändert, ihre Wirkung liege zwischen 0,1 und -0,1 Grad. Seit 1986 Satelliten die Sonnenaktivität exakt messen, seien nur kleine Klimaeffekte ihrer kurzfristigen Aktivitätsschwankungen festgestellt worden, konstatiert der Uno-Report. Es bestehe aber Forschungsbedarf, ob die Strahlung nicht Wolken erzeugen könnte.

Himmel über dem Indischen Ozean: Wolken sind weiterhin das größte Klimarätsel Zur Großansicht
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Himmel über dem Indischen Ozean: Wolken sind weiterhin das größte Klimarätsel

Wolken sind weiterhin das größte Klimarätsel. Den krassen Kühleffekt ihrer Schatten kennt jeder. Hohe Wolken hingegen halten Wärme in der Luft zurück, sie erwärmen die Erde. Vermutlich überwiege der Wärmeeffekt, resümiert der IPCC. Doch Wolken sind die große Unbekannte, sie fallen durch das Raster der Klimamodelle. Es bestehe "geringes Vertrauen", dass Wolken angemessen simuliert werden könnten, konstatiert der Klimabericht.

Als künstliche Gegenspieler der Treibhausgase wirkten Schwefelteilchen aus Abgasen, die in den vergangenen Jahren vor allem in Asien für Smog sorgen. Die Schleier hätten die Erwärmung aber auch in den siebziger Jahren in Europa gebremst, bevor hier Schwefelfilter in den Fabriken montiert wurden.

Dass der Klimawandel weitergehe, zeige sich vor allem in den Ozeanen, die im Gegensatz zu Luft auch in den vergangenen Jahren wärmer wurden, berichtet der Uno-Klimarat. 90 Prozent der Sonnenwärme gelangt in die Meere. Die Meere hätten sich fortwährend erwärmt, stellt der IPCC fest. Messungen in den Ozeanen sind allerdings weitaus lückenhafter als an Land, zumal in größeren Tiefen. Wärmebedingte Ausdehnung und Eisschmelze heben die Meere seit etwa 20 Jahren um drei Millimeter pro Jahr, so schnell wie zuletzt zwischen 1920 und 1950.

Eine zweite marine Bedrohung ist unsichtbar: Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) gelangt auch in die Ozeane, wo es sich zu Kohlensäure verbindet. Der pH-Wert, ein Maß für den Säuregehalt, sei bereits leicht gefallen, die Meere würden folglich saurer, berichtet der IPCC. Muscheln, Korallen und anderen Organismen falle es deshalb wohl bereits schwerer, ihre Kalkschalen zu bilden.

Je nachdem, wie stark der CO2-Ausstoß anhalte, umso gravierender werde die künftige Erwärmung ausfallen, warnt der IPCC. Die Folgen würden "die Umwelt in einer Weise ändern, wie seit Hunderten oder Tausenden Jahren nicht geschehen", heißt es in der Zusammenfassung des Klimareports. Diesmal wäre im Gegensatz zu früheren Klimaschwankungen allerdings eine Zivilisation von mehr als sieben Milliarden Menschen betroffen.

Die größten Risiken sind dem Klimarat zufolge:

  • Ein ungebremster Ausstoß von Treibhausgasen würde das Klima bis Ende des Jahrhunderts vermutlich um rund 3,7 Grad erwärmen.
  • Es drohen mehr Hitzewellen.
  • Der Anstieg der Meere könnte Jahrhunderte weitergehen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts drohe ein Schwellen um 26 bis 82 Zentimeter, je nachdem, wie viel Treibhausgas die Welt wärmt, warnt der IPCC. Damit erhöht der Klimarat seine Prognose aus dem letzten Report, als er den Beitrag des Schmelzwassers der großen Eisschilde aufgrund unsicherer Daten klein ansetzte. Auch diesmal verbannt der IPCC Extremszenarien aus seiner Zusammenfassung. Manche Forscher glauben, dass der Rat zu vorsichtig urteile.
  • Viele Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen, könnten komplett verschwinden.
  • Die Ozeane drohen saurer zu werden, Organismen würde es schwerer fallen, ihre Schalen zu bilden.
  • Klimazonen könnten sich verschieben. In den Subtropen und angrenzenden Regionen wie am Mittelmeer dürfte es deshalb häufiger Dürren geben.
  • In den Tropen und in mittleren Breiten wie Deutschland würde es mehr Starkregen geben.

Handlungsanweisungen gibt der Uno-Klimarat nicht. Das Gremium will lediglich den Wissensstand über das Klima darlegen. Welche Konsequenzen die Politik zieht, entscheidet sich auf Uno-Klimagipfeln, die seit 21 Jahren jährlich tagen. Der nächste findet im November in Warschau statt.

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insgesamt 1046 Beiträge
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1. Das Wetter ändert sich
Stauss2 27.09.2013
Nun müssen wir alle sterben. Wie die Neandertaler vor 40.000 Jahren, weil die keine Gummiboote hatten, um von Gibraltar aus in kühlere Afrika überzusetzen.
2. Konjunktiv2
Demokrit 27.09.2013
Man verlässt die Realität und begibt sich in das Reich der Träume^^
3. Wunderbar
carolane 27.09.2013
Ich kann's kaum erwarten dass es bei uns endlich wärmer wir. Die ganze Panik die da gemacht wird verstehe ich nicht. Es soll bei uns mehr Hitzeperioden geben: Bitte nächsten Sommer schon. Mehr Starkregen soll's auch geben: Na da sind wir ja gewohnt, auch der letzte Hausbesitzer an der Elbe wird das ja schon gemerkt haben dass man nicht so nah am Fluss baut. Und wenn der Meeresspiegel etwas steigt? In Norddeutschland wird es auch nach der Klimaerwärmung zu kalt sein, wer will da schon leben.
4. würde, dürfte, könnte...
Layer_8 27.09.2013
Zitat von sysopCorbisDie Uno präsentiert in Stockholm ihren neuen Klimareport. Es drohen Hitzewellen, viele Gletscher könnten komplett verschwinden, für Regionen wie Deutschland sagen die Forscher mehr Starkregen voraus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-5-ipcc-report-des-uno-klimarats-in-stockholm-2013-a-924789.html
...sind mögliche Tendenzen, welche durch andere würde, dürfte, könnte - Möglichkeiten wieder relativiert werden könnten. Kennt man denn die Bewegungsgleichungen für das Gesamtsystem? Kennt man denn die momentanen Zustandsparameter hinreichend genau, um diese Gleichungen hinreichend determiniert zu lösen? Oder sind diese Computermodelle doch nur gute Benchmarking-Software? Es wird wärmer, OK, und es wird Konsequenzen geben. Nur welche?
5. Schon lustig, wenn
ReneMeinhardt 27.09.2013
über so einen Report verhandelt werden muss :-) das lässt an dessen Seriosität zweifeln.
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