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Meeresspiegelanstieg: Wasserschwall der Gletscher

Columbia-Gletscher in Alaska: Wasser aus dem Hochgebirge Zur Großansicht
W. Tad Pfeffer

Columbia-Gletscher in Alaska: Wasser aus dem Hochgebirge

Was sind die Ursachen für den Anstieg der Meere? Die Hälfte beruht wohl auf der Ausdehnung des sich erwärmenden Wassers. Eine weltweite Inventur zeigt nun den Beitrag tauender Gletscher außerhalb der Polkappen.

Hamburg - Satellitendaten enthüllen das weltweite Abschmelzen der Gletscher und den dadurch verursachten Anstieg des Meeresspiegels. Demnach entließen die Gletscher in den Jahren 2003 bis 2009 fast so viel Wasser ins Meer wie die gewaltigen Eisschilde von Grönland und der Antarktis zusammen.

Mit der im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichten Studie korrigieren die Wissenschaftler um Alex Gardner von der Clark University in Worcester (US-Bundesstaat Massachusetts) frühere Schätzungen über das Ausmaß des Gletscherschwunds minimal nach unten. Der letzte Uno-Klimareport hatte konstatiert, dass die Gletscher etwa doppelt so viel Schmelzwasser ins Meer spülen wie Antarktis und Grönland zusammen.

Bisher basierten Studien über den weltweiten Eisverlust der Gletscher auf Messungen von einzelnen, leicht zugänglichen Gletschern auf größere Regionen. Doch die gemessenen Daten überschätzten offenbar den Eisschwund in den Kernzonen großer vergletscherter Gebiete.

In der neuen Studie kombinierten 16 Wissenschaftler aus neun Ländern drei verschiedene Verfahren: Sie verglichen direkte Bodenmessungen mit den Daten aus zwei Satellitenmissionen der US-Weltraumbehörde Nasa, die die Anziehungskraft der Erde erfassen, die durch schwindende Gletscher kleiner wird.

Weltweit schmolzen demnach zwischen den Jahren 2003 und 2009 jährlich im Mittel etwa 548 Gigatonnen Eis, was einem Anstieg des Meeresspiegels von 1,5 Millimetern pro Jahr entspricht. Die Ausdehnung des Meerewassers aufgrund der Erwärmung lässt das Wasser anderen Studien zufolge in etwa um den gleichen Betrag schwellen. Pro Jahr sind die Meere in den vergangenen Jahren rund drei Millimeter angestiegen.

Datenbasis war falsch eingestellt

Zur Gletscherschmelze trugen die großen Eisschilde von Grönland und der Antarktis, wo etwa 99 Prozent des Landeises lagern, früheren Studien zufolge etwa 289 Gigatonnen bei. Wie die Forscher nun berichten, gingen weitere 259 Gigatonnen pro Jahr in den Gletscherzonen außerhalb der polaren Eiskappen verloren. Dies entspreche einem um etwa 0,7 Millimeter gestiegenen Meeresspiegel.

Im Beobachtungszeitraum dünnten vor allem Gletscher in Kanada und Alaska aus sowie in den Anden und im Himalaya. Die Gletscher an der Peripherie Grönlands büßten demnach jährlich 38 Gigatonnen ein, jene am Rand der Antarktis dagegen nur etwa 6 Gigatonnen. Die asiatischen Hochgebirge wie Himalaya, Hindukusch oder Karakorum verloren demnach etwa 29 Gigatonnen pro Jahr - deutlich weniger als die nach einer früheren Studie geschätzten 86 Gigatonnen.

Die neue Studie zeigt, dass - zumindest im Untersuchungszeitraum - in manchen Regionen die Umgebung der weltweit etwa 300 bis 400 Gletschermesspunkte schneller schmilzt als Gletscher in den oft unzugänglichen Gebieten von Gebirgen oder Inseln, die bei Messungen bislang ausgespart worden waren. "Das deutet darauf hin, dass die Datenbasis glaziologischer Aufnahmen negativ eingestellt ist", folgern die Forscher. Eine Neubewertung der früheren Schätzungen führe wahrscheinlich zu einer Herabstufung des Beitrags der Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels während des vorigen Jahrhunderts.

"Es ist uns endlich gelungen, etwa 99 Prozent der Gletscherfläche zu inventarisieren", sagt der Glaziologe Georg Kaser von der Universität Innsbruck, der an der Studie beteiligt war. "Die Studie bestätigt, dass das Abschmelzen der Gletscher für etwa ein Drittel des beobachteten Anstiegs des Meeresspiegels verantwortlich ist, während die anderen zwei Drittel jeweils von den Eisschilden und der thermischen Ausdehnung des Meerwassers stammen." Demnach gehen etwa 40 Prozent des Meeresanstiegs darauf zurück, dass sich das Wasser durch die wärmeren Temperaturen ausdehnt.

boj/dpa

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1. Gähn
SieLebenWirSchlafen 17.05.2013
Zitat von sysopW. Tad PfefferWas sind die Ursachen für den Anstieg der Meere? Die Hälfte beruht wohl auf der Ausdehnung des sich erwärmenden Wassers. Eine weltweite Inventur zeigt nun den Beitrag tauender Gletscher außerhalb der Polkappen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-beitrag-der-gletscher-zum-meeresspiegelanstieg-berechnet-a-900305.html
Jeden Tag Propaganda, muss das sein? Ich habe noch was passendes dazu: "Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist." [Alfred Polgar] Augen auf ...
2. Die Anziehungskraft der Erde wird natürlich nicht kleiner
bbr1960 17.05.2013
Sondern nur die Anziehungskraft der Landmasse, auf welcher der Gletscher früher war. Dafür steigt die Anziehungskraft des Ozeans um denselben Betrag, da er nun mehr Wasser enthält. Das führt dazu, dass das Meer in der Nähe des schmelzenden Gletschers weniger steigt als weit davon entfernt.
3. Fehleinschätzung
discuss 17.05.2013
Und wieder zeigt sich, dass durch einen Mangel an Daten eine grandiose Fehleinschätzung der tatsächlichen Situation entstanden ist. Die Aussage: "doppelt so viel Schmelzwasser ins Meer spülen wie Antarktis und Grönland zusammen" wurde korrigiert auf "fast so viel Wasser ins Meer wie die gewaltigen Eisschilde von Grönland und der Antarktis zusammen" Wie SPON angesichts dieser Fehleinschätzung von über 100% zu der Aussage kommt, dass "frühere Schätzungen über das Ausmaß des Gletscherschwunds minimal nach unten" korrigiert werden mussten, ist mir schleierhaft.
4. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
eichekontakt 17.05.2013
dass es soviele unterschiedliche bis gegensätzliche Meinungen - auch zu einzelnen Forschungsgebieten - zum Thema gibt. Leider wird dadurch die gesamte Problematik unglaubwürdig und der ständig eingeforderte Eigenbeitrag zur Vermeidung der "Klimakatstrophe" wird dadurch immer unwahrscheinlicher. Scheinbar sinnvolle Aktionen (Gebäudedämmung) stellen sich letztlich nur als massive Arbeitsbeschaffungsmaßnahme heraus - wie viele andere Maßnahmen im Bereich der alternativen Energien auch. Na denn: weiter so.
5.
reuanmuc 17.05.2013
Zitat von eichekontaktdass es soviele unterschiedliche bis gegensätzliche Meinungen - auch zu einzelnen Forschungsgebieten - zum Thema gibt. Leider wird dadurch die gesamte Problematik unglaubwürdig und der ständig eingeforderte Eigenbeitrag zur Vermeidung der "Klimakatstrophe" wird dadurch immer unwahrscheinlicher. Scheinbar sinnvolle Aktionen (Gebäudedämmung) stellen sich letztlich nur als massive Arbeitsbeschaffungsmaßnahme heraus - wie viele andere Maßnahmen im Bereich der alternativen Energien auch. Na denn: weiter so.
Wo sind hier gegensätzliche Meinungen? Die Gletscher schmelzen, das bleibt doch unbestritten. Mit feineren Messmethoden ergeben sich genauere Erkenntnisse, wo man früher nur schätzen konnte. Mit Satelliten kann man früher unzugängliche Gebiete vermessen. Deswegen müssen manche Schätzungen korrigiert werden. Das ist normale Wissenschaft. Das Auto wurde vor 100 Jahren erfunden, aber noch immer ist es nicht perfekt und die Autohersteller geben Milliardenbeträge für Forschung und Entwicklung aus. Dasselbe gilt für Computer und Handys und allen anderen technischen Kram. Da wird jeder Fortschritt begrüßt und die Käufer stehen Schlange, wenn ein neuer Ipod angekündigt wird. Jedes Smartphone hat mehr Rechenpower als ein Großrechner vor 50 Jahren. Wenn dagegen die Forscher eine neue Erkenntnis gewinnen, dank neuer Instrumente, dann wird lamentiert, gejammert und geschimpft. Das ist schizophren und dumm, denn die Technik und der Fortschritt beruhen gerade auf solchen Entdeckungen. Das Wissen wird immer zuverlässiger, aber auch anstrengender. Manche mögen's halt lieber bequemer. Man sollte mal darüber nachdenken.
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