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Klima-Debatte: Uno lässt Klimarat künftig kontrollieren

Die Vereinten Nationen nehmen ihren Klimarat an die kurze Leine: Ein unabhängiges Expertengremium soll künftig die Arbeit der Wissenschaftler kontrollieren. Die Uno will damit die seit Wochen andauernde Kritik an falschen Prognosen und fehlender Transparenz des IPCC entschärfen.

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Weltklimarat: Streit über Rajendra Pachauri
Nusa Dua - Die Vereinten Nationen wollen ihren in die Kritik geratenen Klimarat IPCC von einem unabhängigen Gremium überprüfen lassen. Der Klimarat, der wegen inhaltlicher Fehler und dem Vorwurf der Vertuschung von Daten unter Druck steht, solle "kontrolliert und gestärkt" werden, sagte Nick Nuttall, Sprecher des Uno-Umweltprogramms Unep, das den IPCC 1988 gemeinsam mit der Uno-Meteorologiebehörde WMO berufen hatte.

Die Kontrollinstanz soll Teil einer größer angelegten Überprüfung des IPCC sein, die in der kommenden Woche offiziell angekündigt werde, sagte Nuttall am Freitag bei einem internationalen Umweltministertreffen auf der indonesischen Insel Bali. Als Mitglieder werde man "führende Wissenschaftler" auswählen, so Nuttall, ohne Namen zu nennen. Sie sollen voraussichtlich bis August einen Prüfbericht über den IPCC verfassen. Für Oktober ist in Südkorea eine IPCC-Vollversammlung geplant. "Der Bericht wird dort vorgelegt werden", sagte Nuttall.

Die Vertreter der Staaten hätten bereits grobe Vorstellungen über die Funktionsweise des Kontrollgremiums geäußert. "Es soll vollständig unabhängig und nicht vom IPCC selbst, sondern von einer Gruppe unabhängiger Forscher ernannt werden", so Nuttall. "Ich denke, dass wir damit das Thema vielleicht abschließen können."

Entscheidung über Graue Literatur

Das Kontrollgremium solle unter anderem darüber entscheiden, ob sogenannte Graue Literatur für künftige IPCC-Berichte noch zugelassen werden sollten. Dabei handelt es sich um Beiträge, die nicht in von Wissenschaftlern geprüften Fachblättern veröffentlicht wurden - etwa Berichte von Regierungen oder unabhängigen Organisationen. Dennoch halten Forscher solche Quellen für hilfreich, um insbesondere aus ärmeren Ländern Informationen zu erhalten und ein vollständiges Bild vom Stand der Klimaforschung zeichnen zu können. Unep-Chef Achim Steiner etwa sagte am Montag, dass er ein Verbot von Grauer Literatur nicht unterstütze.

Der IPCC war unter anderem in die Kritik geraten, weil sein letzter großer Bericht von 2007 falsche Angaben zu den Gletschern im Himalaja enthielt. Dem Klimabericht zufolge könnten die Gletscher bis zum Jahr 2035 verschwunden sein. Die Quelle dafür war ein Wissenschaftler, der dieses Datum nach eigenen Angaben aber gar nicht genannt hatte. Die richtige Jahreszahl sollte vermutlich 2350 lauten. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri sprach daraufhin von einem "bedauerlichen Fehler", lehnte aber eine Entschuldigung ab.

Nicht nur notorische Klimawandel-Skeptiker, auch renommierte Wissenschaftler üben inzwischen Kritik am IPCC. Sie verlangen tiefgreifende Reformen des Klimarats, bis hin zu dessen Auflösung. Auch Rufe nach einem Rücktritt Pachauris wurden laut.

Pessimismus vor Klimagipfel in Mexiko

Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Hacker zudem Tausende interne E-Mails von Forschern der britischen Universität von East Anglia im Internet. Anschließend wurde den Uno-Klimafachleuten vorgeworfen, Daten vertuscht zu haben, die möglicherweise Zweifel an der These der Erderwärmung stärken. Zwar fand sich in den illegal beschafften E-Mails kein einziger Hinweis auf eine systematische Verzerrung von Forschungsergebnissen. Allerdings tauchten Hinweise auf fragwürdiges Verhalten einzelner Forscher auf.

Der IPCC verurteilte den Hackerangriff als Versuch, das Gremium in Verruf zu bringen - unter anderem, weil die E-Mails unmittelbar vor Beginn des Kopenhagener Klimagipfels veröffentlicht wurden. Der Weltklimarat war 2007 mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden, weil er den Klimawandel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hatte.

Bei dem Umweltministertreffen auf Bali mahnten die Teilnehmer der rund hundert Länder baldige Fortschritte beim Klimaschutz an. Nach dem Kopenhagener Klimagipfel im Dezember "waren alle enttäuscht", sagte der scheidende Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, der vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt hatte. Auch beim nächsten großen Gipfel, der Ende des Jahres im mexikanischen Urlaubsort Cancun stattfinden wird, hält de Boer das Zustandekommen eines völkerrechtlich verbindlichen Klimaabkommens für wenig wahrscheinlich.

"Es ist wichtig, dass wir uns in Mexiko auf die Richtlinien zur Umsetzung von Klimaschutzzielen konzentrieren und danach entscheiden, welchen rechtlichen Charakter das bekommt", sagte de Boer. Ob die Ergebnisse in Cancún in ein rechtlich verbindliches Vertragswerk fließen, sei zweitrangig.

Ähnlich äußerte sich EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. "Niemand wäre glücklicher als ich, wenn wir dieses Jahr ein bindendes Abkommen erreichen könnten", sagte Hedegaard der Zeitung "Politiken". "Aber nach Lage der Dinge müssen wir uns fragen, ob ob es eine realistische Strategie ist, alles auf Mexiko zu setzen." Für dieses Treffen sei es sinnvoller, "politische Teilabkommen" und ein Jahr später in Südafrika ein umfassendes und völkerrechtlich verbindliches Klimaabkommen anzustreben.

mbe/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Heiße Luft?
fingerkino 26.02.2010
Wen die Sachlage aus der Perspektive eines Wissenschaftlers (und nicht eines Journalisten) interessiert: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-02-20/fehler-im-ipcc-bericht
2. Wissenschaft oder Lornalist?
achimes1de 26.02.2010
Ich denke die Wissenschafler haben bewiesen das sie ausser falschen Prognosen und aus der Luft gegriffenen Daten nichts weiter zustande bringen als zu discutieren. Niemand kümmert sich um die wirklichen Probleme, niemand ist bereit diese zu Lösen. Nur ein Beispiel, Brasilien, es ist erwiesen das Hausmüll einen sehr erheblichen Anteil an CO2 abgiebt. Allein in einer Stadt wie Sao Paulo fallen Täglich mehr als 50.000 MT Müll an der zum grössten Teil auf ungesicherten Deponien abgelagert wird. 60 % bis 70% sind organisch. Man rechne das einmal auf die gesamt Bevölkerung Brasiliens aus. Soviel ich weis ist Deutschland eines der führenden Länder in der Abfallbeseitigung. Auch steckt die Bundesregierung Millionen von Euro in die Förderung von alternativen Projekten, obwohl jeder weiss das diese Gelder zu 100% in die Taschen der Politiker oder deren Firmen gehen und nichts davon in Projekte. Auch wird fieberhaft nach einer Lösung der gewaltigen Energieprobleme gesucht und mit grosser Wahrscheinlichkeit das Projekt eines neuen Wasserkraftwerkes (Bau durch ein fransösisches Unternehmen)auf biegen und brechen durchgeführt obwohl eine Firma wie die Solar Millennium in Spanien (Andasol) doch bewiesen hat das es auch anders und viel Vorteilhafter geht. Auch habe ich vor kurzem einen Bericht (Wissenschaftlich) gelesen in dem behauptet wird, das brasilianische Ex Rinderzüchter von Soja und Zuckerrohr Planzungen vertrieben werden und daher auf Amazonas Gebiet ausweichen und dort durch Brandrodung neue Weidenflächen zu bekommen. Mir fallen sehr viele Worte zu so einem Blödsinn ein. Die Warheit ist, das Multinationale Firmen wie Cargill, ADM oder Bunge die Preise sämtlicher Landwirtschaftlicher Produkte manipulieren. Daher sind zum Beispiel die Fleischpreise gesunken sowie die Kosten durch Impfungen und Auflagen um das 5 fache gestiegen sodas die meisten ehemaligen Rinderzüchter es vorziehen ihre Länder zu verpachten als weiterhin verluste durch die Rinderzucht hinzunehmen und jeder kann es glauben das diese Rinderzüchter mit Sicherheit nichts Brandroden um woanders Rinder zu züchten. Was ich nicht verstehe ist die Tatsche das sehr gute Lösungen vorhanden sind, Politiker aber lieber Geld zum Fenster rausschmeissen als dieses dazu zu verwenden um gezielt Abhilfe zu schaffen wo es nötig und sinnvoll ist. Der Leidtragende und natürlich auch Schuldige ist immer der kleine Mann.
3. Es handelt sich bei den Verfassern
EchoRomeo 26.02.2010
Zitat von fingerkinoWen die Sachlage aus der Perspektive eines Wissenschaftlers (und nicht eines Journalisten) interessiert: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-02-20/fehler-im-ipcc-bericht
zwar um "Wissenschaftler", aber doch wohl eher um die Propagandaabteilung des IPCC. Einfach mal nach den Namen recherchieren...
4. Der irakische Informationsminister gibt bekannt:
_walther_ 26.02.2010
Zitat von fingerkinoWen die Sachlage aus der Perspektive eines Wissenschaftlers (und nicht eines Journalisten) interessiert: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-02-20/fehler-im-ipcc-bericht
Eher eine Stellungnahme der Frösche zur Trockenlegung des Tümpels.
5. Sandmann, lieber Sandmann.
Parzival v. d. Dräuen 26.02.2010
Wer vertraut denn noch auf die Uno? Wenn es um Blutspenden geht, fahre ich doch auch nicht nach Transsilvanien. Anders formuliert - die Uno ist von einer Mächtigkeit, daß beauftragten Wissenschaftlern die Profession vergeht oder vergangen wird. Noch anders formuliert - sind die Korruptionsvorwürfe gegen EU-Großkopferte in Brüssel aufgeklärt worden? Noch weiter gefasst - die Ndrangheta spendet auch für Waisenhäuser.
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