Seit Beginn der Industrialisierung Alle fünf wärmsten Jahre seit 2010

Die Weltgemeinschaft will die globale Erwärmung auf 1,5 Grad seit Beginn der Industrialisierung begrenzen - 1,2 Grad sind bereits erreicht. Deutschland erlebte 2017 das achtwärmste Jahr seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Abweichung der Jahresdurchschnittstemperatur 2017 vom langjährigen Durchschnitt: Rekord (dunkelrot), erheblich wärmer als gewöhnlich (rot), wärmer als gewöhnlich (hellrot), Durchschnitt (weiß), kälter als gewöhnlich (blau)
NOAA

Abweichung der Jahresdurchschnittstemperatur 2017 vom langjährigen Durchschnitt: Rekord (dunkelrot), erheblich wärmer als gewöhnlich (rot), wärmer als gewöhnlich (hellrot), Durchschnitt (weiß), kälter als gewöhnlich (blau)

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Die vergangenen drei Jahre waren global die wärmsten seit Beginn der Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Das berichten die Weltwetterorganisation WMO und die US-amerikanischen Wissenschaftsbehörden NOAA und NASA. Vor 15 Tagen war bereits das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage ECMWF zum gleichen Schluss gekommen.

2017 war je nach Institut nahezu gleichauf mit 2015, dem zweitwärmsten beziehungsweise drittwärmsten Jahr, 2016 war das Rekordjahr. Deutschland erlebte 2017 der NOAA zufolge das achtwärmste Jahr seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Forscher konstatieren übereinstimmend das Fortschreiten der globalen Erwärmung, die der Ausstoß von Treibhausgasen durch Autos, Fabriken, Kraftwerke, Landwirtschaft und Feuer wesentlich verursacht habe - was in manchen Regionen gravierende Folgen haben könnte.

Nur noch 0,3 Grad bis zur Grenze

2017 lag die Temperatur 1,1 oder 1,2 Grad über derjenigen der vorindustriellen Zeit - der Wert unterscheidet sich je nach Messreihe. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 lag die Temperatur im vergangenen Jahr um fast ein halbes Grad höher.

Globale Durchschnittstemperatur: Die Linien zeigen den Verlauf des Fünfjahresdurchschnitts von fünf Forschungsinstituten.
Copernicus Climate Change Service/ ECMWF/ NASA/ HadCRUT4/ NOAA/ JMA

Globale Durchschnittstemperatur: Die Linien zeigen den Verlauf des Fünfjahresdurchschnitts von fünf Forschungsinstituten.

Damit steht die Temperatur bereits an einer brisanten Schwelle: Die Weltgemeinschaft hat sich darauf geeinigt, die Erwärmung stoppen zu wollen. Im Klimaabkommen von Paris haben alle Staaten zusammen beschlossen, dass die Temperatur höchstens um zwei, möglichst aber nur um 1,5 Grad im Vergleich zur Ausgangstemperatur zu Beginn der Industrialisierung zunehmen soll.

Die neuen Daten zeigen, wie schwer das Vorhaben werden dürfte. 1,2 Grad sind bereits erreicht - und der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen konnte bislang nicht gesenkt werden.

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"17 der 18 wärmsten Jahre gab es seit der Jahrtausendwende, und der Grad der Erwärmung in den vergangenen drei Jahren war außerordentlich", sagt WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Und die Nasa ergänzt: "Die fünf wärmsten Jahre seit Messbeginn ereigneten sich alle seit 2010".

Besonders stark erwärmt hat sich die Arktis, wo das Meereis stark geschrumpft ist. Forscher erwarten Veränderungen der Witterung aufgrund der milderen Polregion.

Die Wahrheit über die Erwärmung

2017 hat einen besonderen Rekord aufgestellt: Es war das wärmste Jahr seit Beginn der Industrialisierung ohne El-Niño-Phänomen - dieses sorgt alle paar Jahre für einen Wärmeschub aus dem Meer.

Ende 2016 war das Wetterphänomen La Niña aufgezogen, das Gegenteil von El Niño: Kaltes Wasser war an die Oberfläche des Pazifik geschwemmt worden und kühlte die Luft.

La Niña verzog sich, das gesamte Jahr 2017 herrschte über Großteilen des Pazifik neutrale Witterung, denn auch El Niño blieb abwesend. Und dennoch wurde global übers Jahr eine höhere Durchschnittstemperatur in Bodennähe gemessen als in allen El-Niño-Jahren zuvor, außer 2016, dem Wärme-Rekordjahr, als El Niño herrschte.

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