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Klima-Katastrophe: Weltbank bangt um Ägypten

Der Klimawandel, warnt die Weltbank, könnte für Ägypten katastrophale Folgen haben. Weil der Pegel des Mittelmeers steigt, sind große Teile des fruchtbaren Nildeltas bedroht. Langfristig könnten auch die Sandstrände verschwinden, die Jahr für Jahr Zigtausende Touristen ins Land locken.

Alexandria - "Die Situation ist ernst und erfordert sofortige Aufmerksamkeit", mahnt Mohamed el Raej, Umweltwissenschaftler der Weltbank. "Jede Verzögerung führt zu weiteren Verlusten."

Sandstrand bei Alexandria: Gefahr für Mensch, Natur, Landwirtschaft - und noch nicht geborgene archäologische Schätze
AP

Sandstrand bei Alexandria: Gefahr für Mensch, Natur, Landwirtschaft - und noch nicht geborgene archäologische Schätze

Im bedrohten Delta lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung, dort wird fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Produkte des nordafrikanischen Landes angebaut. Das Nil-Delta, das nur 2,5 Prozent der Fläche Ägyptens ausmacht, ist bereits durch den Bau des Assuan-Staudamms gefährdet. Das 1970 fertiggestellte Bauwerk verhindert, dass der Strom wie seit Jahrtausenden Sedimente in sein Mündungsgebiet spült, das sich dort anlagern kann. Nun gibt es kein natürliches Gegengewicht mehr zur Küstenerosion, was die Konsequenzen eines steigenden Meeresspiegels verschlimmern dürfte.

Der Staudamm habe das fragile Ökosystem verändert, sagt der Küstenforscher Omran Frihi in Alexandria. Wenn das Mittelmeer wie vorausgesagt bis Ende des Jahrhunderts um 30 Zentimeter bis einem Meter steigt, würde bis zu einem Viertel des Deltas überflutet.

Fast keine Debatte über das Schicksalsthema

2100 könnten die Sandstrände, die Tausende Touristen ins Land locken, verschwunden sein. Gefahr besteht auch für die noch nicht geborgenen archäologischen Schätze des antiken Alexandria, dessen wissenschaftliche Erschließung nicht abgeschlossen ist.

Bei einem Anstieg des Meeres um einen Meter müssten laut Weltbank zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung umgesiedelt werden. In dem Delta wohnen bereits heute 1540 Menschen auf dem Quadratkilometer, und bis zum Ende des Jahrhunderts dürfte sich die Gesamtbevölkerung des Landes auf 160 Millionen in etwa verdoppeln. Auch Gebiete, die nicht überflutet werden, könnten durch das Eindringen von Salzwasser in das Grundwasser betroffen sein.

Wie fast überall in Afrika wird der Klimawandel derzeit öffentlich kaum diskutiert, doch dies könnte sich ändern. Die Regierung in Kairo bereitet eine nationale Strategie-Studie vor, in denen Wege zu Anpassung an das veränderte Klima aufgezeigt werden sollen. Das kündigte Umweltminister Maged George an. In Alexandria investieren die Behörden umgerechnet rund 220 Millionen Euro, um die Strände mit Betonmauern zu schützen, wie Küstenforscher Frihi sagt. An einigen Stellen wird Sand aufgeschüttet.

Der Klimaforscher Mohamed Al Schahawi von der Umweltbehörde des Landes erklärt, die Regierung erstelle eine Liste der am meisten gefährdeten Gebiete. "Ägypten versucht, seine Küsten zu schützen", versichert er: "Wir werden die Welt um Hilfe bitten. Wir müssen uns selbst schützen. Aber es kostet so viel."

Anna Johnson, AP

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