Klimageschichte: Arktische Sturzflut brachte Kälteschock

Kälterückfall nach der Eiszeit: Vor knapp 13.000 Jahren ergossen sich in Nordamerika riesige Seen ins Meer - sie stoppten eine warme Meeresströmung. Forscher kennen nun den Ort der Sturzflut.

Mackenzie-Delta im Nordwesten Kanadas: Eisdamm gebrochen Zur Großansicht
Corbis

Mackenzie-Delta im Nordwesten Kanadas: Eisdamm gebrochen

Washington/Hamburg - Vor 12.900 Jahren wurde es kalt. Gerade erst hatte sich die Erde aus der Eiszeit befreit, es war wärmer geworden. Dann kam es zu einem erstaunlichen Kälterückfall.

Die Ursache scheint klar: Eine gewaltige Schmelzwasserflut hatte den wärmenden Nordatlantikstrom still gelegt - und ließ die Nordhalbkugel innerhalb kurzer Zeit vereisen. Entscheidend für diesen dramatischen Klimawechsel war jedoch nicht allein die große Menge Schmelzwasser, sondern auch der Ort der Sturzflut, berichten Forscher.

Ihre Computersimulation zeigt, dass das Schmelzwasser nicht, wie bisher angenommen, auf Höhe des Sankt-Lorenz-Stroms in Kanada in den Atlantik floss, sondern deutlich weiter nordwestlich entlang des Mackenzie River. Nur dort habe der Süßwasserzufluss die Kraft, die wärmende Meeresströmung zu schwächen, berichten Forscher um Alan Condron von der University of Massachusetts in Amherst im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Vor rund 12.900 Jahren waren die Arktis und Teile des nordamerikanischen Kontinents von dem gewaltigen Laurentide-Eisschild bedeckt. Es waren die Überreste aus der Eiszeit. Sein Schmelzwasser sammelte sich in mehreren großen Gletscherseen am Südrand des Eisschilds. Als der Eisdamm eines dieser Seen brach, strömten Tausende von Kubikkilometern Schmelzwasser in den Atlantik.

Strömung stoppte

Der Süßwasserzufluss habe den Salzgehalt des Meerwassers verringert und auf diese Weise verhindert, dass im Nordatlantik salziges und damit dichteres Wasser in die Tiefe sank. Dadurch wurde die Ozeanzirkulation unterbunden: Weniger warmes Wasser aus dem Süden strömte nach. Die für das Klima wichtige Zirkulation im Nordatlantik kam schließlich zum Erliegen - der Norden kühlte ab.

Dem neuen Modell nach könne das Schmelzwasser nicht über den Sankt-Lorenz-Strom in den Atlantik geflossen sein, sagen die Forscher. Denn dieser liege zu weit südlich, das Wasser verteile sich wegen der gegenläufigen Strömung nicht nordwärts im Ozean. In der Simulation wurde die Nordatlantikströmung daher nur um neun Prozent geschwächt.

Wenn aber das Schmelzwasser rund 4.000 Kilometer weiter nordwestlich über den Mackenzie River in den arktischen Ozean fließe, reduziere dies den Nordatlantikstrom um bis zu 77 Prozent, beobachteten Condron und sein Kollege Peter Windsor von der University of Alaska in Fairbanks. Dann wurde es kalt.

boj/dapd

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Ich kanns nicht glauben!
chunky 06.11.2012
Der (Nord)Atlantik ist doch mehrere Kilometer tief. Wie soll denn da eine auf der Oberfläche schwimmende Süßwasserlinse das gesamte Strömungssystem durcheinanderbringen? Allein die Massenträgheit und die Corioliskraft sollten imstande sein, das System über Jahre weiter zirkulieren zu lassen. Bis dahin hätte sich das bisschen Süßwasser doch längst verteilt? Irgendwie erscheinen mir all diese "Golfstrom bricht zusammen" Hypothesen sehr unphysikalisch...
2. Was ist da neu dran?
nervmann 06.11.2012
Es ist mittlerweile die dritte oder vierte Quelle für den Süßwassereintrag zu dieser Zeit. Die Geschichte mit dem Mackenzie River ist auch schon ein paar Jahre alt.
3. Klimawandel absurd
gottgegenuns 06.11.2012
Zitat von sysopKälterückfall nach der Eiszeit: Vor knapp 13.000 Jahren ergossen sich in Nordamerika riesige Seen ins Meer - sie stoppten eine warme Meeresströmung. Forscher kennen nun den Ort der Sturzflut. Klima: Schmelzwasser-Flut in Nordamerika brachte Kälte nach Eiszeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-schmelzwasser-flut-in-nordamerika-brachte-kaelte-nach-eiszeit-a-865529.html)
Klimawandel, Grönland, Schmelzwasser, warme Meersströmung stoppen = Klimawandel bedeutet auch, dass es erst einmal kälter wird bevor es wärmer wird, womit dann weiterhin alle Möglichkeiten abgedeckt sind und Schuld unhängig davon bei den Menschen zu suchen ist, damit der Klimahandel ungestört weiterlaufen kann? Diese neuen wissenschaftlichen Entdeckungen zeigen vor allem, wie lächerlich jede langfristige Klimaprognose ist bzw. dass es kaum Stellschrauben gibt, die Menschen nachhaltig beinflussen können. Sich daraauf einstellen ist alles,was bleibt aber genau dass können die modernen Gesellschaften nicht, weshalb die Klimakirche so gut besucht ist.
4. Golfstrom
Teile1977 06.11.2012
Zitat von chunkyDer (Nord)Atlantik ist doch mehrere Kilometer tief. Wie soll denn da eine auf der Oberfläche schwimmende Süßwasserlinse das gesamte Strömungssystem durcheinanderbringen? Allein die Massenträgheit und die Corioliskraft sollten imstande sein, das System über Jahre weiter zirkulieren zu lassen. Bis dahin hätte sich das bisschen Süßwasser doch längst verteilt? Irgendwie erscheinen mir all diese "Golfstrom bricht zusammen" Hypothesen sehr unphysikalisch...
Der Golfstrom funktioniert so das warmes Salzhaltiges Wasser Richtung Norden fließt, dort seine Wärme abgibt und (weil es etwas schwerer als das Kältere Salzärmere Umgebungswasser) langsam in die Tiefe sinkt. Dieses "in die Tiefe sinken" bewirkt einen Sog der das Warme Wasser aus dem Golf ansaugt und somit die Strömung in Gang hält. Wenn nun das schwere Salzwasser schlagartig mit leichtem Süßwasser vermischt wird, dann sinkt es nicht mehr in die Tiefe und Saugt daher auch kein frisches Warmwasser mehr an. Das kann sehr schnell gehen, von daher ist das gegenwärtige Abschmelzen der Polaren Eiskappen mit Argwohn zu beobachten.
5. Ist schon richtig
tropfstein 06.11.2012
Das mit der Massenträgheit ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Natürlich, eine Menge Wasser mit ein paar km/h hat schon eine Menge Schwung, aber es wird auch von einer Menge Wasser abgebremst, wenn der Antrieb fehlt. Man stelle sich vor, ein Staudamm öffnet die Schleusen und schließt sie wieder. Dann wird sich ein Strom ergießen, aber wenn der in einen See mündet, hält der Schwung bestimmt nicht lange. Auch wird behauptet, das Himalaya habe sich durch den Aufprall von Indien auf Asien gefaltet. Es lässt sich aber leicht ausrechnen, dass der die Bewegungsenergie von ganz Indien etwa die eines laufenden Dackels war. Der Antrieb muss da sein! Und bei Süßwassereinlass stoppt der Antrieb des Golfstroms.
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