Klima-Streit Dino-Blähungen im US-Kongress

Kaum ein seriöser Wissenschaftler zweifelt noch daran, dass die Menschheit für den Klimawandel verantwortlich ist. Doch die Parteifreunde von US-Präsident Bush wollen es besser wissen - und erklären die globale Erwärmung inzwischen mit Dinosaurier-Blähungen.


Der Wissenschafts- und Technologie-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses ist normalerweise nur selten für Schlagzeilen gut. Diesmal aber war eine Anhörung zum Thema Klimawandel angesetzt - und alles war anders. Gekommen war unter anderem Nancy Pelosi, die Sprecherin des Abgeordnetenhauses. "Falls es jemals ein Zeichen gegeben hat, dass der neue Kongress die Wissenschaft ernst nimmt, dann ist es damit gegeben worden", kommentierte etwa der liberale Buchautor Chris Mooney ("The Republican War on Science").

Republikaner Rohrabacher, Sensenbrenner: Dino-Flatulenzen und Rinderblähungen
AP

Republikaner Rohrabacher, Sensenbrenner: Dino-Flatulenzen und Rinderblähungen

Auch die prominente Klimaforscherin Susan Solomon nahm an der Anhörung teil: Sie war vergangene Woche in allen TV-Nachrichten der Welt zu sehen, als sie in Paris gemeinsam mit Kollegen den jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC vorgestellt hatte. Nun sollte sie die Fragen der US-Abgeordneten beantworten.

Doch die Anhörung Ende vergangener Woche entwickelte sich zu einem bizarren Schlagabtausch, bei dem sich insbesondere der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher hervortat. Sein Vortrag gipfelte in einer Anmerkung über Perioden in der Erdgeschichte, in denen die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch war wie heute. "Wir wissen nicht, was diese anderen Zyklen in der Vergangenheit verursacht hat", dozierte der Republikaner. "Das könnten Dinosaurier-Flatulenzen gewesen sein, wer weiß?"

Außerdem mache es ihn immer skeptisch, wenn jemand behaupte, er vertrete die Meinung der überwältigenden Mehrheit. "Immer wenn andere Leute mir so etwas gesagt haben, stimmte das nicht", sagte Rohrabacher. Das habe er während seiner Arbeit als Journalist gelernt. Er garnierte seine Ausführungen mit Zitaten einiger Wissenschaftler, die "nicht Teil dieses sogenannten Konsens" seien, demzufolge die Menschheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hauptverantwortlich für den Klimawandel ist.

Katalysatoren für Kühe?

Der konservative Nachrichtensender Fox News, das Sprachrohr der Neokonservativen und Klimaskeptiker, bot Rohrabacher auf seiner Nachrichten-Website ein erstklassiges Forum. Das Dinosaurierfurz-Zitat taucht in dem Artikel freilich nicht auf, stattdessen wirkt Rohrabacher wie das Musterbeispiel des kritischen Abgeordneten, der Wissenschaftler - in diesem Fall die Spitzenforscherin Solomon - mit kritischen Fragen entzaubert. Und sei es, wie in diesem Fall, indem er die Forscherin anschreit und sie der Unehrlichkeit beschuldigt.

Unterstützung bekam Rohrabacher in der Anhörung von seinem Parteifreund Todd Akin. Der bezweifelte zunächst ebenfalls, dass die Menschheit für den Klimawandel verantwortlich ist - und verwies dann auf die Tatsache, dass in Grönland inzwischen Getreide wachse. "Ist es also so schlecht, wenn es wärmer wird?"

Als Solomon sagte, dass ein großer Teil des Methans in der Atmosphäre aus der Landwirtschaft - und damit aus dem Verdauungstrakt von Nutztieren - stammt, fragte der Republikaner Jim Sensenbrenner: "Bedeutet das, dass wir Katalysatoren in die Hinterteile von Kühen stecken sollten?"

13 Prozent der Republikaner sehen Schuld beim Menschen

Mit ihrer Meinung zum Klimawandel befinden sich Sensenbrenner, Rohrabacher und Akin innerhalb ihrer Partei in bester Gesellschaft. Das "National Magazine" hat kürzlich 113 Abgeordnete des Senats und des Repräsentantenhauses über den Klimawandel befragt. Das Ergebnis: Ganze 13 Prozent der Republikaner glauben, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist. 84 Prozent sehen überhaupt keine Verantwortung beim Menschen, drei Prozent der Parteigänger von US-Präsident George W. Bush immerhin einen Teil.

Damit entwickelt sich die Meinung der Republikaner nahezu diametral entgegengesetzt zur wissenschaftlichen Erkenntnislage: Im April 2006 gaben bei der gleichen Frage immerhin 23 Prozent der Republikaner zu Protokoll, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist.

Der schwache Trost: Möglicherweise erringen die Demokraten bei den nächsten Präsidentschaftswahlen die Macht. Unter ihnen waren es immerhin 95 Prozent, die bei der Umfrage die Verantwortung für die globale Erwärmung beim Menschen sahen - und damit nur drei Prozent weniger als im April 2006.

mbe

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