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24. Januar 2006, 23:57 Uhr

Klima-Studie

2005 war wärmstes Jahr seit über einem Jahrhundert

Die Temperaturen des vergangenen Jahres waren im Durchschnitt die höchsten seit Beginn der Klimaaufzeichnungen vor mehr als hundert Jahren, wie eine Studie der Nasa besagt. Möglicherweise sei 2005 gar das wärmste Jahr seit Jahrtausenden gewesen.

New York - Im vergangenen Jahr sei die höchste jährliche weltweite Oberflächen-Durchschnittstemperatur gemessen worden, sagte James Hansen, Direktor des Nasa Goddard Institute for Space Studies, der Nachrichtenagentur AP. 2005 war demnach noch etwas wärmer als das bisherige Rekordjahr 1998.

Durchschnittstemperaturen im Jahr 2005: Rote Bereiche zeigen Erwärmung, blaue Felder Abkühlung
REUTERS

Durchschnittstemperaturen im Jahr 2005: Rote Bereiche zeigen Erwärmung, blaue Felder Abkühlung

Unter Heranziehung indirekter Werte aus der Zeit davor könne man sogar feststellen, dass das vergangene Jahr das wärmste seit einigen tausend Jahren gewesen sei, sagte Hansens Mitarbeiter Drew Shindell. Damit lägen nun die fünf wärmsten Jahre insgesamt nur kurze Zeit zurück - dem Rekordjahr 2005 folgen 1998, 2002, 2003 und 2004.

Die Temperatur in der Arktis wurde wegen fehlender direkter Daten geschätzt, wobei die Werte nahe gelegener Wetterstationen benutzt wurden. Einige Experten hätten erwartet, dass es im bisherigen Rekordjahr 1998 wärmer gewesen sei als 2005. Doch dies sei nicht der Fall, sagte Shindell. Damals habe es einige Sonderfaktoren gegeben, etwa besonders warme Strömungen im Pazifik durch El Niño. Doch sei seitdem die Erwärmungsrate so stark angestiegen, dass es inzwischen auch ohne Sonderfaktoren zu Temperaturen in zuvor nicht gekannter Höhe komme.

Im Einklang mit anderen Experten machten Hansen und Shindell für die zunehmende Erwärmung vor allem Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan verantwortlich. Hauptsächlich würden die Gase durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt.

Nach Angaben der Nasa stieg die Temperatur auf der Erde in den vergangenen 100 Jahren um 0,8 Grad Celsius, wobei allein 0,6 Grad auf die vergangenen 30 Jahren entfielen. Für das 21. Jahrhundert werde ein weltweiter Temperaturanstieg von drei bis fünf Grad erwartet. Damit würden die Temperaturen auf Werte ansteigen, die es auf der Erde sicher seit einer Million Jahre nicht mehr gegeben habe, sagte Shindell.

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