Klimageschichte: Antarktis besaß einst tropische Wälder

Wimmelndes Leben, dichter tropischer Wald - so hat es offenbar vor gut 50 Millionen Jahren an den Küsten der Antarktis ausgesehen. Deutsche Forscher haben jetzt Bohrkerne aus dem Südpolarmeer analysiert. Demnach herrschte einst selbst in der Polarnacht mildes Klima.

Antarktis: Aus der Wärme in die Kälte Fotos
DPA

Frankfurt/Main - Die Eiswüste der Antarktis gehört zu den unwirtlichsten Orte der Erde - doch das war nicht immer so. Bohrkerne vom Ozeangrund vor dem Südkontinent legen nahe, dass es vor 52 Millionen Jahren in der Region sehr warm war. Forscher der Universität Frankfurt und des Biodiversität und Klima-Forschungszentrums (BiK-F/Frankfurt) berichten im Fachmagazin "Nature" von Hinweisen auf einen Regenwald an der Küste der Antarktis, wie er heute nur in den Tropen vorkomme.

"Es war damals dort 50 bis 60 Grad wärmer als heute", sagt der Frankfurter Paläoklimatologe Jörg Pross. Dafür seien der hohe Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre und warme Meeresströmungen verantwortlich gewesen. Reste von Tieren haben die Forscher in den Bohrkernen, die sie 200 Kilometer vor der Küste des antarktischen Wilkes-Landes gewannen, nicht gefunden. "Aber es muss dort jede Menge Insekten gegeben haben", so Pross. Die meisten Pflanzen seien von Insekten bestäubt worden. "Urtiere gab es dort sicher auch." Deren Reste seien aber am Meeresboden nicht erhalten geblieben.

Anhand der Pollen und Sporen rekonstruierten die Forscher die Pflanzenwelt: Wo heute der antarktische Eispanzer liegt, gediehen damals offenbar extrem frostempfindliche Pflanzen wie Palmen und Vorläufer der heutigen Affenbrotbäume.

Im Inneren der Antarktis sah es aus wie heute in Neuseeland

An den Küsten hätten selbst im Winter milde zehn Grad plus geherrscht - trotz dreimonatiger Polarnacht. Im Inneren des Kontinents sei es merklich kühler gewesen, dort habe es gemäßigten Regenwald mit Südbuchen und Araukarien gegeben, so wie heute in Neuseeland.

Ungefähr in der betreffenden Zeit war es auch in der Arktis sehr warm. Die internationale Nordpolexpedition Acex ("Arctic Coring Expedition") hatte 2004 Erkenntnisse präsentiert, wonach vor mehr als 55 Millionen Jahren ein Hitzeschock in der Nordpolarregion ein Massensterben von Meeresbewohnern auslöste. Fünf Jahre später hatten dann Forscher der Universität Utrecht in den Niederlanden Palmenpollen in einem Arktis-Bohrkern entdeckt.

Die neuen Befunde von der anderen Seite des Globus zeichnen nun ein ähnliches Bild. Die CO2-Konzentration in der Luft sei damals mehr als doppelt so hoch gewesen wie heute, sagt Pross. Der Blick in die Vergangenheit erlaube eine Prognose für das künftige Klima auf der Erde: "Wenn der derzeitige CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungehindert voranschreitet, werden atmosphärische CO2-Konzentrationen, wie sie damals herrschten, wahrscheinlich in wenigen Hundert Jahren erreicht sein."

Allein der hohe CO2-Gehalt reiche aber nicht aus, um die Bedingungen in der Antarktis vor 52 Millionen Jahren zu erklären. "Ein weiterer wichtiger Faktor war der Wärmetransport durch warme Meeresströmungen", meint Pross. Als die Antarktis-Küste unter den Einfluss kühlerer Meeresströmungen geriet, sei auch die tropenähnliche Vegetation verschwunden.

chs/dpa

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