Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Studie zur Klimaerwärmung: Diese Brennstoffe müssen im Boden bleiben

Kohlebergbau in Sibirien: Verbrennung fossiler Ressourcen setzt Treibhausgase frei Zur Großansicht
REUTERS

Kohlebergbau in Sibirien: Verbrennung fossiler Ressourcen setzt Treibhausgase frei

Wenn die globale Erwärmung unter zwei Grad bleiben soll, dürfen 80 Prozent der Kohlevorkommen nicht gefördert werden - das haben britische Forscher errechnet. Auch die Produktion von Öl und Gas müsste eingeschränkt werden.

Hamburg - Erhebliche Mengen an Kohle, Öl und Gas müssen im Boden verbleiben, um die globalen Klimaerwärmung zu bremsen. Weltweit sollte einer neuen Berechnung zufolge in den nächsten 40 Jahren etwa ein Drittel der gegenwärtig technisch und wirtschaftlich förderbaren Ölreserven ungenutzt bleiben. Bei Gas wäre es die Hälfte, und bei Kohle sollten mehr als 80 Prozent der Reserven nicht gefördert werden, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Unter diesen Bedingungen bestünde eine gute Chance, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem vorindustriellen Wert zu begrenzen. Um rund ein Grad hat sich die bodennahe Luft seither bereits erwärmt. Klimaforscher machen vor allem Treibhausgase aus Fabriken, Kraftwerken und Autos für die Erwärmung verantwortlich.

In früheren Studien haben Experten bereits errechnet, dass zwischen den Jahren 2011 und 2050 noch etwa 1200 Gigatonnen Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen werden dürften, soll das Zwei-Grad-Klimaziel erreicht werden. Bleibe der CO2-Ausstoß so hoch wie derzeit, überschreite er in etwa 30 Jahren den kritischen Wert.

Die in den vorhandenen fossilen Ressourcen festgelegten CO2-Mengen der Erde belaufen sich Schätzungen zufolge auf bis zu 11.000 Gigatonnen. Davon könnten 2900 Gigatonnen derzeit technisch und wirtschaftlich vertretbar gefördert werden. Eine unverminderte Nutzung dieser Reserven sei mit dem Zwei-Grad-Ziel nicht kompatibel, schreiben Christophe McGlade und Paul Ekins vom University College London in ihrer "Nature"-Studie.

USA müssten sich stark beschränken

Mit Hilfe von Computermodellen ermittelten sie, wo welche Mengen gefördert werden dürften, um die globale Erwärmung zu begrenzen. Die Modelle sollen etwa Aufwand und Kosten einer Förderung berücksichtigen. Die Forscher wollten ermitteln, wo die Hebung der Ressourcen am umweltfreundlichsten wäre.

Den Ergebnissen zufolge liegt im Mittleren Osten etwa die Hälfte der derzeit technisch förderbaren Ölreserven, die im Boden bleiben sollten. Gut 260 Milliarden Barrel Öl müssten die dortigen Länder ungenutzt lassen. Die USA und Australien dürften nur knapp zehn Prozent ihrer derzeit nutzbaren Kohlemengen verbrauchen.

Die Förderung von unkonventionellen Gasreserven, wie das in Gestein gebundene Schiefergas, müsste in China, Indien, Afrika und dem Mittleren Osten stark eingeschränkt werden. Die fossilen Vorräte in der Arktis sollten gänzlich unangetastet bleiben, schreiben die Forscher.

Technologien zur Speicherung und Abscheidung von Kohlendioxid (CCS), die in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise eingesetzt werden können, erhöhten die nutzbaren Mengen fossiler Energieträger nur leicht, schreiben die Forscher weiter. So könnten unter Nutzung solcher CCS-Technologien etwa sechs Prozent mehr Kohle verbraucht werden, der förderbare Gas-und Öl-Anteil steige um nur zwei Prozent.

Länder-Rangliste

So groß ist der Anteil der zehn abgasstärksten Staaten an den weltweiten CO2-Emissionen 2013:

1. China 28%

2. USA 14%

3. EU 10%

4. Indien 7,1%

5. Russland 5,3%

6. Japan 3,7%

7. Deutschland 2,2%

8. Südkorea 1,8%

9. Iran 1,8%

10. Saudi-Arabien 1,5%

Historischer CO2-Ausstoß

boj/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 164 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ziele
montecristo 08.01.2015
Die Forscher haben somit noch viel mehr herausgefunden. Nämlich das die Ziele nicht mehr erreichbar sind...
2. Ich lach mich weg
roki007 08.01.2015
und deshalb werden immer mehr SUVs gekauft. oh die klimaveränderung ist da, aber der Egoist muss nochmal kurz durch den Stadtrand pflügen. Allrad für die Stadt-solche Menschen sollten auswandern am besten auf den Mars. Dort macht Allrad noch Sinn.
3. Kernenergie als Ausweg nicht erwähnt
Kampfdenker 08.01.2015
es hat schon was,wie hier wieder die Kernenergie als Ausweg nicht erwähnt wird - Deutschland,das Land der Vertuschung,der Vernebelungsgranaten - wie lange geht dieses Spielchen noch ,bis man bemerkt,dass der Atomausstieg mit der größte Blödsinn der Menschheitsgeschichte war,den ein Land veranstalten konnte.
4. Da mit Sicherheit ....
Kein Gutmensch 08.01.2015
... vor dem Ende der Erde durch das erlöschen der Sonne nochmal Eiszeiten kommen, wäre es schon gut, wenn man dann noch Reserven an CO2-reichen Energieträgern hätte, um dann eine Erderwärmung in Gang setzen zu können... oder so...
5. 200-Jahre-Bilanz
zapp-zarapp 08.01.2015
Die Karte zur 200 Jahre Bilanz scheint schlicht jene Regionen dunkel zu färben, die hohe Bevölkerungsdichte und frühe Industrialisierung verbindet. So sieht Europa zwangsläufig dunkler aus, als die USA, die noch vor hundert Jahren vielerorts kaum besiedelt war und ein dünn besiedelter Flächenstaat wie Australien kommt zwangsläufig gut weg. Bevölkerungsreiche Staaten wie Indien und China haben schlicht später mit der industriellen Massenverfeuerung begonnen, so dass sie Europa und den USA noch nachstehen. Viel spannender fände ich pro-Kopf-Angaben im Zeitverlauf. Denen könnte man z.B. halbwegs entnehmen, ob und wie viel Deutschlands grüner Sonderweg, im Vergleich zur Gesamt-EU usw., gebracht hat.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: