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Weltklimabericht: Uno sieht Fortschritte im Kampf gegen globale Erwärmung

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Neuer Uno-Bericht: Globaler Wandel Fotos
DPA

Die Uno warnt im zweiten Teil ihres neuen Klimareports vor Wassermangel, wirtschaftlichen Einbußen und Gefahren für die Gesundheit. Manche Maßnahmen aber geben Hoffnung. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Hamburg/Yokohama - 309 Wissenschaftler haben fünf Jahre lang an dem Großprojekt gearbeitet. Sie haben Studien gesichtet, Tausende kritische Kommentare von Gutachtern geprüft, ihren Report häufig korrigiert. Im japanischen Yokohama präsentieren sie an diesem Montag das Ergebnis: den zweiten Teil des neuen Weltklimareports über mögliche Auswirkungen des erwarteten Klimawandels.

Der erste Teil über das Grundwissen zum Klimawandel war vergangenen September präsentiert worden. Der Weltklimarat (IPCC) warnte darin angesichts steigender Treibhausgas-Emissionen vor einer deutlichen Erwärmung, schwellenden Ozeanen, schwindenden Eismassen und zunehmenden Hitzewellen. Treibhausgase aus Autos, Fabriken, Heizungen und Kraftwerken verursachen Risiken für Mensch und Natur, so das Fazit. Der Bericht dokumentierte zugleich erhebliche Verständnislücken.

In Yokohama erhielt nun der mehr als 2000 Seiten starke zweite Teil des Berichts seinen letzten Schliff: Eine Woche lang haben politische Delegierte und Wissenschaftler dort um jedes Wort gerungen. Die sogenannte Zusammenfassung für Politiker soll die wichtigsten Ergebnisse auflisten.

"Dieser Report handelt auch davon, wie wir eine bessere Welt schaffen können", sagt der Koordinator des Uno-Reports, Chris Field von der Carnegie Institution for Science in den USA. Hohe Investitionen weltweit seien erforderlich, um sich gegen den zu erwartenden Wandel zu wappnen. "Wir sehen Fortschritte", sagt Field. Zahlreiche Staaten hätten begonnen, sich besser gegen Wettergefahren zu schützen.


Das sind wichtigsten Prognosen des Uno-Klimareports:

Kriege und Flüchtlinge

Der Klimawandel drohe "die Umsiedlung von Menschen zu erhöhen", schreibt der IPCC. Bislang gebe es allerdings kaum Hinweise auf Klimaflüchtlinge, räumt der Uno-Report ein; Prognosen seien aufgrund vieler anderer Einflüsse schwierig. Würde der Klimawandel die Knappheit lebenswichtiger Ressourcen verschärfen, drohten vermehrt Bürgerkriege, prognostiziert der IPCC. Der Zusammenhang ist allerdings umstritten.

Wasser

Laut den Forschern sind im Zuge des Klimawandels mehr Menschen von Wasserknappheit betroffen. Vor allem in den Subtropen müssten sich Bewohner auf den Mangel einstellen. In höheren Breiten, etwa in Teilen Mitteleuropas, sei dagegen mit steigenden Trinkwasserressourcen zu rechnen.

Ernährung

Der Uno-Klimarat hat seine Warnung zum Thema verschärft. Ernteeinbußen sind demnach wahrscheinlicher als Zuwächse. Ohne Anpassungsmaßnahmen sei in vielen Regionen ein Rückgang der Erträge von Weizen, Reis, Soja und Mais um bis zu ein Fünftel im Laufe des Jahrhunderts zu erwarten. Landwirtschaftliche Maßnahmen könnten den Verlust zwar großteils ausgleichen; ihre Effektivität sei allerdings "sehr variabel".

Gesundheit

Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte sich der Klimawandel gerade durch gesundheitliche Probleme bemerkbar machen, schreibt der Klimarat: Hitze, Feuer, Unterernährung und Wassermangel könnten vermehrt Krankheiten verursachen. Andere Faktoren hätten allerdings größeren Einfluss auf die Gesundheit. Weniger Kältewellen würden immerhin kältebedingte Krankheiten seltener werden lassen.

Wirtschaftliche Entwicklung

Der britische Regierungsberater Nicholas Stern warnte 2006 in einem viel beachteten Bericht, der Klimawandel drohe ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung aufzufressen. Der neue IPCC-Bericht ist nun deutlich vorsichtiger: Bei einer Erwärmung von zwei Grad könnten sich die Verluste auf 0,2 bis 2 Prozent der Wirtschaftskraft belaufen; die Schätzung ähnelt der im letzten Report von 2007. Allerdings hat der IPCC weiterhin nur wenig Vertrauen in seine Rechnungen zur wirtschaftlichen Entwicklung: Soziale sowie technologische Faktoren hätten weitaus mehr Einfluss als der Klimawandel, heißt es im Uno-Report.

Meeresspiegelanstieg

"Sehr hohes Vertrauen" hingegen hat der IPCC in seine pessimistische Prognose für Küstenregionen: Stetig schwellende Meere würden vermehrt zu Überflutungen führen und die Küste erodieren. Notwendige Schutzmaßnahmen könnten manche niedrig gelegene Orte und Inseln "einige Prozent des Bruttosozialprodukts kosten".

Ozeanversauerung

Weltweit werden die Ozeane saurer. Ursache ist das Treibhausgas Kohlendioxid CO2. Gut zwanzig Millionen Tonnen CO2 nehmen die Ozeane täglich auf. Im Wasser wandelt sich das Gas zu Säure. Manchen Meeresorganismen wie Korallen oder Austern fällt es in saurerem Wasser schwerer, ihre Schalen aufzubauen.

Artensterben

In Folge der Erwärmung haben viele Lebewesen ihre Lebensräume verlagert. Laut dem Uno-Klimarat besteht ein hohes Risiko, dass Klimazonen sich so schnell verschieben, dass Tiere und Pflanzen aussterben. Es gebe allerdings sehr geringes Vertrauen in die Modelle, die das Aussterberisiko vorhersagen, heißt es im Klimabericht. Im Gegensatz zum letzten IPCC-Report nennt der Klimarat keine konkreten Zahlen, wie viele Lebewesen aussterben könnten. Wissenschaftliche Unsicherheiten seien "offenkundiger geworden". Belege dafür, dass der Klimawandel bereits Arten habe aussterben lassen, gebe es kaum.

Landschaften

Manchen Landschaften drohen einschneidende Änderungen. Hochgebirgsgletscher und das Meereis der Arktis würden wahrscheinlich erheblich schrumpfen, schreiben die Forscher. Andere Prognosen jedoch seien äußerst unsicher. Aus wärmerem Erdreich in der Tundra könnten aus Permafrost und Sümpfen große Mengen Treibhausgas entweichen. Es drohe ein Baumsterben, das von Rodungen um ein Vielfaches verstärkt würde. Die Entwicklung scheint noch nicht begonnen zu haben: Seit 1982 hat sich Satellitenmessungen zufolge Vegetation in wärmeren Breiten ausgedehnt.

Städte

In Großstädten werden Hitzestress und Extremregen zunehmend zum Problem, erklärt der IPCC. Notwendig seien Umbaumaßnahmen, um sich zu schützen vor den in manchen Regionen erwarteten hohen Temperaturen und periodischen Sturzfluten. Für Klimaanlagen würde mehr Energie benötigt, weniger dagegen für Heizungen.

Fortschritte bei der Anpassung an den Klimawandel

"Gesellschaften haben sich immer an Klimaschwankungen anpassen müssen im Laufe der Geschichte, mit unterschiedlichem Erfolg", konstatiert der Uno-Klimareport. Die aktuelle Situation fasst der IPCC so zusammen: In Europa trieben Regierungen vor allem den Küstenschutz und das Wassermanagement voran. In Afrika kümmere man sich bislang vor allem um die Anpassung an Wetterkatastrophen. Auch in Asien baue man Frühwarnsysteme. Zudem gehe es dort zunehmend um die Vereinigung von Forstwirtschaft und Landwirtschaft - Bäume schützen den Boden vor Erosion. Viele Inseln verstärkten die Deiche. In Nordamerika finde Klimaschutz vorwiegend auf kommunaler Ebene statt, etwa mit Investitionen in alternative Energie. In Zentral- und Südamerika stehe der Landschaftsschutz im Mittelpunkt. Die Anpassungskosten für Entwicklungsländer beliefen sich voraussichtlich auf 70 bis 100 Milliarden Dollar pro Jahr, prophezeit der Klimarat, allerdings mit "geringem Vertrauen" in seine Vorhersage.


Die wichtigsten Prognosen für einzelne Regionen lauten:

Europa

Wahrscheinlich: mehr Flusshochwasser, Extremregen, Wasserknappheit im Süden.

Möglich: mehr Hitzewellen.

Afrika

Wahrscheinlich: verschärfter Wassermangel, Ernteeinbußen, Extremregen, Extremhitze.

Möglich: wirtschaftliche Einbußen.

Asien

Wahrscheinlich: erheblich mehr hitzebedingte Todesfälle, Unterernährung durch Wassermangel und Nahrungsknappheit.

Möglich: hohes Risiko von Überflutungen durch Stürme.

Nordamerika

Wahrscheinlich: mehr Buschfeuer, mehr Hitzetote.

Mittel- und Südamerika

Wahrscheinlich: Wasserknappheit aufgrund schwindender Gletscher.

Möglich: Nahrungsmangel.

Australasien

Wahrscheinlich: durchgreifende Veränderungen in Korallenriffen, mehr Extremregen, gefährliche Meeresfluten.

Inselstaaten

Wahrscheinlich: Verringerung der Siedlungszonen aufgrund steigenden Meerespiegels.


Die wichtigsten Veränderungen, die bereits mit großer Sicherheit zumindest teilweise auf den Klimawandel zurückgeführt werden:

Europa

Rückgang der Gletscher, längere Vegetationsperiode, Fische ziehen nordwärts.

Afrika

Rückgang der Gletscher, Erwärmung der Seen.

Asien

Permafrostgebiete schrumpfen, Büsche breiten sich in die Tundra aus, Korallenriffe schrumpfen.

Australasien

Veränderungen der Flora und Fauna, Korallenbleiche.

Nordamerika

Schrumpfen der Gletscher, Schmelzwasserflüsse versiegen früher im Jahr, Fische wandern nordwärts.

Mittel- und Südamerika

Andengletscher schrumpfen, Korallenbleiche in der Karibik.

Inselstaaten

Erodierende Küsten, Korallenbleiche.

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insgesamt 162 Beiträge
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1. Nanu - das ist aber schnell gegangen ...
MaxSeelhofer 31.03.2014
Man kann es nicht genug oft wiederholen: „Klimawandel“ (d.h. u.a. Erwärmung, Abkühlung, Erwärmung / Gletscher wachsen, Gletscher ziehen sich zurück, etc. / plus Veränderung in den Höhen des Meeresspiegels / plus „Artensterben“/ etc) hat es immer gegeben, seit Hunderten, Tausenden, Zehntausenden, Hunderttausenden, Millionen von Jahren (haben wir doch alle relativ früh in der Schule gelernt). D.h. logischerweise, dass der Mensch und (inter alia) die von ihm verursachen CO2-Emissionen (und andere) NICHTS damit zu tun haben (Menschen gibt es erst seit einigen Zehntausend Jahren). – D.h. es kann keine “Fortschritte im Kampf gegen globale Erwärmung” geben, weil: die Erwärmung/Abkühlung, der Klimawandel findet statt, hat immer, seit Millionen von Jahren stattgefunden, der Mensch hat KEINEN Einfluss darauf. – Zudem: die Kausalität lautet: zuerst steigt die Temperatur global, und mit einer Zeitverzögerung von 600 bis 1000 Jahren steigt die CO2 Konzentration in der Atmosphäre. - Zudem; wer hat das vom CO2 als „Klimakiller“ in die Welt gesetzt? Bäume, Pflanzen, Grünzeug, etc. auf der Welt brauchen doch dringend (ein bisschen mehr könnte nichts schaden, so sagen die angewandten Biologen) CO2 zum Leben/Wachsen. – M.a.W. man muss nicht Naturwissenschafter sein („Logik der Forschung“ genügt), um zu erkennen, dass die Damen und Herren des IPCC …. - you name it!
2. Feuerkrankheit
doppelplusungut 31.03.2014
Welche Krankheit wird nochmal genau von Feuer verursacht?
3. In Afrika GLETSCHER ?
papayu 31.03.2014
Wo befinden sich diese? Oder in Australien??
4. aha
Rothfeller 31.03.2014
Zitat von sysopDPADie Uno warnt im zweiten Teil ihres neuen Klimareports vor Wassermangel, wirtschaftlichen Einbußen und Gefahren für die Gesundheit. Manche Maßnahmen aber geben Hoffnung. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimabericht-des-klimarats-ipcc-die-folgen-des-klimawandels-a-961557.html
Dieser Verein wurde doch längst entzaubert. Interessant wie degeneriert sie die Menschheit halten, dass sie einfach so weitermachen als sei nichts geschehen...
5. Holland in Not
marlboro_sport 31.03.2014
Die apokalyptischen Szenarien des Reports finden im Weltklima Schon heute Wiederhall. Man überlege: 13 der 14 wärmsten Jahre fanden in diesem Jahrhundert statt. The trend Is your friend, also schon mal über die Anschaffung einer solarbetriebenen Klimaanlage nachdenken. Ahoi
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Top 10 Wärmste Jahre (1880-2014)
Rang Jahr
Abweichung vom langjährigen Mittel °C
1 2014 0.69
2 2010 0.66
3 2005 0.65
4 1998 0.63
5 2013 0.62
6 2003 0.62
7 2002 0.61
8 2006 0.59
9 2009 0.59
10 2007 0.59
Quelle: NOAA

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