Klimaerwärmung Eisdecke Grönlands schmilzt schneller

Grönlands Eisdecke wird dünner, und das sogar noch schneller als bislang bekannt. Seit 2004 schmelzen jährlich 240 Kubikkilometer Eis weg - dreimal so viel wie in den Jahren zuvor, wie Geophysiker herausgefunden haben.


Seit 20.000 Jahren habe es keinen so raschen Temperaturanstieg gegeben wie im vergangenen Jahrhundert, bis zum Jahr 2100 werde sich die Erde um bis zu 4,5 Grad Celsius erwärmen, in hohen nördlichen Breiten könnte die Temperatur gar um sechs Grad Celsius und mehr ansteigen: Der Entwurf für den nächsten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der SPIEGEL ONLINE vorliegt, gibt keinen Grund zur Hoffnung. Wenn die Prognosen der Klimaexperten stimmen, könnte Grönlands mächtiger Eispanzer komplett abschmelzen.

Grönlands Eisdecke: Jährlich schmelzen 240 Kubikkilometer weg
NASA Wallops/Sonntag

Grönlands Eisdecke: Jährlich schmelzen 240 Kubikkilometer weg

Zurzeit arbeiten noch Hunderte Klimaexperten an dem IPCC-Papier, die Uno will ihn im Februar 2007 veröffentlichen. Derweil gibt es eine weitere schlechte Nachricht für Grönlands Eisdecke: Sie schmilzt immer schneller.

Seit 2004 verschwinden jährlich rund 240 Kubikkilometer Eis - dreimal so viel wie jeweils in den fünf Jahren davor, denn von 1997 bis 2003 verlor Grönland jedes Jahr demnach nur knapp 80 Kubikkilometer seiner Eisfläche. Das berichten Wissenschaftler der University of Texas in der Fachzeitschrift "Science". Ihre Forschungsergebnisse lieferten eine weitere Bestätigung für die steigende globale Erwärmung, schreiben der Geophysiker Jianli Chen und seine Kollegen.

Grönlandeis: Nur das Innere schmilzt noch nicht

Das Team hatte von April 2002 bis November 2005 gemessen, wie viel Grönlandeis verschwand. Für die Messungen benutzten die Wissenschaftler Daten des Gravity Recovery and Climate Experiment (GRACE). Demnach sei im Südosten Grönlands am meisten Eisfläche verloren gegangen. Und am Rand schmilzt das Eis noch schneller. Immerhin: Das Innere des Eisschilds sei bislang unangetastet geblieben, schreibt Chens Team.

Zurzeit ist Grönlands weißer Panzer die zweitgrößte Eismasse der Welt, bestehend aus 2,5 Millionen Kubikkilometern Eis, was ein Zehntel des weltweiten Eises ausmacht. Wenn die Eiskappe komplett schmelzen würde, könnte der Wasserspiegel der Weltmeere um sechseinhalb Meter ansteigen.

Weitere Studie: Am Südpol fällt doch nicht mehr Schnee

In der gleichen "Science"-Ausgabe berichtet ein internationales Team über Forschungsergebnisse aus Südpol-Nähe. In der Antarktis falle doch nicht mehr Schnee, wie bislang von vielen Forschern vermutet wurde. Wärmere Luft enthält mehr Feuchtigkeit, so dass mehr Schnee entsteht.

Einige Wissenschaftler hatten deshalb angenommen, dass die Schneemenge am Südpol mit den zunehmenden Temperaturen gewachsen sei. Andrew Monaghan von der Ohio State University und seine Kollegen schreiben nun: In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich der Schneefall am Südpol nicht signifikant verändert.

Sie räumen ein, dass die Schwankungen von Jahr zu Jahr sehr groß waren. Die Wissenschaftler hatten unter anderem Daten von Eisbohrkernen und Wetterbeobachtungen ausgewertet. Um die künftige Schneeentwicklung zu beobachten, seien in den kommenden Jahrzehnten Satellitenbeobachtungen nötig.

fba/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.